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13.01.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Hochdruck-Apps

Patient 2.0 ist oft noch unvalidiert

Autor:
Philipp Grätzel

Smartphones und Tablet-PCs bieten sich als Plattform für die Erfassung von Vitalparametern geradezu an. Immer mehr Patienten nutzen entsprechende Lösungen. Doch zumindest bei einigen dieser Angebote ist noch Vorsicht geboten.

US-Mediziner um Dr. Nilay Kumar von der Abteilung Innere Medizin der Cambridge Health Alliance/Harvard Medical School in Boston haben sich 107 mobile Gesundheitsapplikationen für Patienten mit Bluthochdruck etwas genauer angesehen. Darunter waren 67 Anwendungen für Apples iOS-Plattform und 50 für Googles Android-Plattform.

Zwischen den Anwendungen gab es deutliche Unterschiede. Bei den meisten handelte es sich um eher simple, tagebuchartige Anwendungen, bei denen die Blutdruckwerte eines externen Messgeräts an die App übertragen und dort ausgewertet werden können („Tracking-Apps“). Insbesondere bei den Android-Anwendungen gab es aber auch sieben an der Zahl, die das Smartphone direkt in ein Blutdruckmessgerät (und damit in ein Medizinprodukt) verwandelten.

In der Regel geschieht das dadurch, dass die Kamera des Handys für eine manschettenfreie, optische Blutdruckmessung eingesetzt wird. Diese Apps scheinen in der Android-Welt recht populär zu sein. Sie wurden im amerikanischen Android-Store schon 2,4 Millionen Mal heruntergeladen worden und erhalten dort von den Nutzern gute Bewertungen, wie die Autoren schreiben.

Selbstmanagement kann gestärkt werden

Derzeit sei allerdings keine einzige dieser sieben Anwendungen für die Smartphone-basierte Druckmessung entsprechend der üblichen Protokolle validiert. In den USA werden solche Validierungsprotokolle unter anderem von der US Association for Advancement of Medical Instrumentation zur Verfügung gestellt. Auch an der Einbindung medizinischer Fachexpertise scheint es zu hapern: Nur bei drei der insgesamt 107 Apps fanden die Wissenschaftler Hinweise auf eine Beteiligung von Fachgesellschaften, anderen Ärzteverbänden oder universitärer Experten.

Verteufelt werden sollten die mobilen Blutdruck-Apps aber nicht, betonen die Autoren. Vielmehr seien Apps, die mit validierten externen Druckmanschetten arbeiten, gut geeignet, insbesondere das Selbstmanagement der Patienten zu stärken. Dieser Auffassung schließt sich Dr. Beverley Green vom Group Health Cooperative and Research Institute in Seattle in einem Editorial an. Auch wenn Smartphones nicht zur direkten Druckmessung eingesetzt würden, könnten die Auswertungs- und Trendanalysefunktionen von Blutdruck-Apps den Patienten wertvolle Unterstützung geben.

Literatur

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