Skip to main content
main-content

20.05.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Neue US-Registerdaten

PCI: Präprozedurale Gabe eines P2Y12-Inhibitors von Vorteil?

Autor:
PD Dr. Thomas Lauer

Die präprozedurale Gabe von thrombozytenhemmenden P2Y12-Inhibitoren scheint bei perkutanen Koronarintervention keinen signifikanten Einfluss auf klinische Ereignisse in der Zeit der stationären Versorgung zu haben. Dafür sprechen zumindest die in einem großen US-PCI-Register gemachten Erfahrungen.

Im Rahmen der „Late breaking trials“-Session zu „Advances in treatment of ACS“ berichte Dr. Devraj Sukul aus Ann Arbor über die Registerdaten eines US-Consortiums (Blue Cross Blue Shield of Michigan Cardiovascular Consortium, BMC2), bestehend aus 47 Krankenhäusern mit mehr als 300 interventionell tätigen Kardiologen aus dem gesamten US-Bundesstaat Michigan.

Diese schlossen in einem Zeitraum von Januar 2013 bis Juni .2015 insgesamt 74.053 Patienten ein, die stationär zur Durchführung einer perkutanen Koronarintervention (PCI) aufgenommen wurden. 33 % der Patienten hatten präprozedural einen P2Y12-Inhibitor bekommen, den übrigen 67 % war keine entsprechende Vorbehandlung erfolgt.

Die Gruppen mit und ohne präprozedurale P2Y12-Inhibitor-Therapie wurden nun mit Hilfe eines Prospensity scores in jeweils 3 Untergruppen gematched, die entweder Clopidogrel, Prasugrel oder Ticagrelor erhielten. Endpunkt war das „In-hospital Outcome“, bestehend aus relevanter Blutung, Notwendigkeit einer Transfusion, Stentthrombose und Tod jedweder Ursache in der Zeit der stationären Versorgung.

In Bezug auf diesen Endpunkt zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen, sowohl für jeden einzelnen P2Y12-Inhibitor als auch für die Gesamtgruppe. In einer Subgruppenanalyse hatte das Ergebnis zudem für Patienten mit ACS/NSTEMI Bestand.

Die Autoren wiesen aber auf gravierende Limitationen hin, die den Aussagewert meines Erachtens erheblich einschränken. So wurde beispielsweise nicht die exakte Dosierung und der genaue Zeitpunkt der P2Y12-Inhibitor-Applikation erfasst. Darüber hinaus wurde auch nicht routinemäßig ein postprozeduraler Myokardinfarkt anhand von Biomarkern detektiert. In der Diskussion wurde als weitere Schwäche genannt, dass es keine Informationen zu vorbestehenden Blutungskomplikationen gibt.

Aufgrund dieser Limitationen ist eine Schlussfolgerung und/oder Empfehlung für den Alltag nur eingeschränkt möglich.


In unserer Kolumne „Expertenblickpunkt“ hebt ein Experte aus Klinik oder Praxis besondere Inhalte von Kongressen und aus der aktuellen kardiologischen Berichterstattung hervor. PD Dr. Thomas Lauer ist Internist, Kardiologe und Angiologe im CardioCentrum Düsseldorf. 

Literatur

Das könnte Sie auch interessieren

Bildnachweise