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11.05.2016 | Nachrichten

Klarstellung durch STICS-Studie

Perioperative Statin-Therapie: Wenn Leitlinien irren

Autor:
Peter Overbeck

Auch Leitlinien irren. Beispiel perioperative Statin-Therapie zum Schutz vor Komplikationen wie Vorhofflimmern bei Herzoperationen: Diese Strategie ist in Leitlinien bereits wohlwollend empfohlen worden - offenbar zu Unrecht, wie eine aktuell publizierte Studie klarstellt.

Nach herzchirurgischen Eingriffen wie aortokoronare Bypass-Operation sind Komplikationen wie Vorhofflimmern keine Seltenheit. Postoperatives Vorhofflimmern erhöht nicht nur das Risiko für Schlaganfall und Tod, sondern auch die Behandlungskosten.

Da entzündliche Prozesse und oxidativer Stress als wesentliche Mechanismen in der Pathogenese dieser Komplikationen gelten, schienen sich unter anderem Statine - sie besitzen außer lipidsenkende auch antientzündliche und antioxidative Wirkeigenschaften - als Option zur Prophylaxe solcher postoperativen Ereignisse anzubieten.

Widersprüchliche Studienergebnisse

Kleinere Studien mit zum Teil spektakulären positiven Ergebnissen schienen für die Tauglichkeit einer kurzfristigen, zumeist eine Woche vor der Operation begonnenen Statin-Behandlung als präventive Strategie zu sprechen. Doch es gab auch Studien, die einen entsprechenden Nutzen nicht bestätigen konnten.

Autoren einer Metaanalyse von 14 Studien mit insgesamt rund 1.300 Patienten zogen unter dem Strich eine positive Bilanz. Demnach halbierte eine perioperative Prophylaxe mit Statinen die Rate postoperativer Komplikationen. In den Leitlinien wurden Statine daraufhin als in Betracht zu ziehende Maßnahme zur Prophylaxe von postoperativem Vorhofflimmern empfohlen (Klasse-IIa-Empfehlung).

Allerdings war nicht zu übersehen, dass viele der diese Empfehlung stützenden Studien methodische Schwachpunkte aufwiesen. Zur definitiven Klärung bedurfte es einer großen prospektiven randomisierten Studie.

STICS entlarvt Strategie als wirkungslos

Eine solche Studie ist, versehen mit dem Akronym STICS (Statin Therapy in Cardiac Surgery), vor einiger Zeit von einer internationalen Forschergruppe um Professor Barbara Casadei aus Oxford initiiert worden. Die erstmals beim europäischen Kardiologenkongress 2014 vorgestellte Studie ist jetzt im „New England Journal of Medicine“ publiziert worden.

Ihre Ergebnisse schließen den Nutzen einer perioperativen Therapie mit hoch dosiertem Rosuvastatin mit ziemlicher Sicherheit aus. Somit erscheint es ratsam, die wohlwollende Berücksichtigung dieser Therapie in den Leitlinien kritisch zu überdenken.

In die placebokontrollierte Studie sind 1922 Patienten mit einer geplanten Herzoperation aufgenommen worden. STICS hat damit mehr Teilnehmer und vor allem weitaus mehr Fälle von Vorhofflimmern aufzuweisen als alle bisherigen Studien zusammengenommen. Bei den auf zwei Studienarme randomisierten Patienten ist innerhalb von acht Tagen vor der Operation eine Therapie mit Rosuvastatin (20 mg / Tag) oder Placebo eingeleitet und bis zum fünften postoperativen Tag fortgeführt worden.

Die erhoffte Wirkung blieb allerdings aus: Mit 21 Prozent (Rosuvastatin) und 20 Prozent (Placebo) war die Rate für nach der Operation neu aufgetretenes Vorhofflimmern (primärer Studienendpunkt) in beiden Gruppen nahezu gleich. Auch boten die gemessenen Spiegel des kardialen Biomarkers Troponin I keine Anhaltspunkte dafür, dass Rosuvastatin einen günstigen Effekt auf die myokardiale Gewebeschädigungen hatte.

Zunahme von akuten Nierenschädigungen

Neu ist die Beobachtung, dass die Rosuvastatin-Therapie mit einer signifikanten Zunahme von akuten Nierenschädigungen (definiert anhand der Kriterien des Acute Renal Injury Network) innerhalb der ersten 48 Stunden nach der Operation assoziiert war. Die entsprechenden Inzidenzraten betrugen 24,7% (Rosuvastatin) und 19,3% (Placebo). In vorangegangenen Studien zur perioperativen Prophylaxe hatten sich keine Hinweise auf ungünstige renale Effekte der geprüften Statine ergeben.

Literatur

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