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01.09.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

ARNI übertrifft Sartan

Peripherer und zentraler Blutdruck stärker gesenkt

Autor:
Dr. Dirk Einecke

Bei älteren Patienten mit Bluthochdruck und beeinträchtigter Windkesselfunktion der Hauptschlagader verbessert der Angiotensin Rezeptor Neprilysin Inhibitor Valsartan/Sacubitril die zentrale Hämodynamik besser als ein reiner Angiotensin Rezeptor-Blocker.

Bei vielen Patienten mit Bluthochdruck kommt es im Laufe der Erkrankung zu einer zunehmenden Versteifung der zentralen Blutgefäße. Ausdruck dieser vaskulären Umbauprozesse ist ein hoher systolischer Blutdruck in der Aorta sowie ein hoher Pulsdruck, gegen den das Herz an arbeiten muss. Entsprechend ist das Risiko erhöht, dass der Patient kardiovaskuläre Komplikationen entwickelt, u.a. eine Herzinsuffizienz.

Duales Wirkprinzip

In der sog. PARAMETER-Studie wurde sowohl kurz- (12 Wochen) als auch mittelfristig (52 Wochen) verglichen, ob der Angiotensin Rezeptor Neprilysin Inhibitor (ARNI) Valsartan/Sacubitril (LCZ696, 400 mg/d) den zentralen Blutdruck stärker zu senken vermag als ein Angiotensin Rezeptorblocker (Olmesartan 40 mg/d).

Der ARNI blockiert einerseits den Angiotensin-Rezeptor. Gleichzeitig erhöht er die Aktivität natriuretischer Peptide, in dem er deren Abbau hemmt. Das dual wirksame Medikament hatte sich bisher in der Behandlung der systolischen Herzinsuffizienz in der sog. PARADIGM-HF-Studie dem Standard Enalapril als überlegen erwiesen. In den USA ist das Medikament in dieser Indikation bereits zugelassen, in Europa wird die Zulassung demnächst erwartet.

Studienteilnehmer waren 454 ältere Hypertoniker im Durchschnittsalter von 68 Jahren mit systolischen Blutdruckwerten über 150 mmHg und einer hohen Pulsdruckamplitude über 60 mmHg. Doppelblind wurden sie entweder mit LCZ696 oder Olmesartan über 12 Wochen behandelt, anschließend waren weitere Antihypertensiva zur Zielwerterreichung von 140/90 mmHg erlaubt.

Zentraler Blutdruck um 3,7 mmHg stärker reduziert

Nach 12 Wochen war der zentrale systolische Aortendruck unter LCZ696 signifikant stärker gesunken als unter Olmesartan (12,6 vs. 8.9 mmHg), berichtete Studienautor Prof. Bryan Williams, University College in London. Auch der zentrale Pulsdruck in der Aorta war signifikant deutlicher gesunken (6,4 vs. 4,0 mmHg). Damit war der primäre Studienendpunkt erfüllt und die Studienhypothese bestätigt.

Starke nächtliche Blutdrucksenkung

Zusätzlich bestätigte sich, dass das dual aktive Antihypertensivum den ambulanten 24-h-Blutdruck signifikant deutlicher reduzierte als der AT1-Blocker. Für den Unterschied zeichneten v.a. niedrigere nächtliche Blutdruckwerte verantwortlich. Nach 52 Wochen war der Unterschied nicht mehr signifikant. Allerdings hatten die Patienten der AT1-Blocker-Gruppe ab der 12. Woche signifikant mehr (47 vs. 32%) zusätzliche Antihypertensiva eingenommen.

Fazit: LCZ696 scheint auch in der Hypertonie ein effektives und wirkstarkes Medikament zu sein, welches bezüglich der Beeinflussung des zentralen Blutdrucks einen therapeutischen Vorteil gegenüber den etablierten AT1-Blockern aufweisen könnte. Die Frage ist nun, ob der Hersteller Novartis das Medikament in der Indikation Bluthochdruck weiter entwickeln wird.

Literatur

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