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01.04.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Stabile Angina pectoris im Alter

Perkutane Koronarintervention ist auch jenseits der 90 eine gute Option

Autor:
Philipp Grätzel

Auch bei sehr alten Patienten mit stabiler Angina-pectoris-Symptomatik kann eine perkutane Koronarintervention (PCI) mit hohen Erfolgsaussichten und akzeptabler Komplikationsrate durchgeführt werden.

Für ihre bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie vorgestellte Analyse haben Kardiologen um Dr. Stanislav Keranov aus Ludwigshafen Daten des PCI-Registers der Arbeitsgemeinschaft Leitender Kardiologischer Krankenhausärzte (ALKK-PCI) aus den Jahren 2009 bis 2013 ausgewertet. In diesem Zeitraum wurden in 51 Krankenhäusern der ALKK insgesamt 67.211 PCIs bei Patienten mit stabiler Angina pectoris durchgeführt.

212 dieser PCIs oder 0,3 % betrafen Patienten jenseits des 90. Lebensjahrs. Diese Patientengruppe kommt in randomisierten Studien zur stabilen Angina pectoris praktisch nie vor. In den Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie zur stabilen Angina pectoris wird empfohlen, diesen Patienten bei objektivierbarer Ischämie eine interventionelle Therapie nicht vorzuenthalten.

Die Analyse der Basischarakteristika der über 90-jährigen PCI-Patienten in den ALKK-Kliniken zeigt, dass atypische Symptome, allen voran Dyspnoe, mit einem Anteil von 71,2 % hoch signifikant häufiger auftreten als bei unter 90-Jährigen (56,8 %, p<0,001). Auch die Angina pectoris Symptomatik ist im hohen Alter demnach stärker ausgeprägt, was Folge der Patientenauswahl sein kann.

Mehr Komplikationen bei über 90-Jährigen

Was die Koronareingriffe angeht, ist der Anteil der Patienten mit „großen“ Eingriffen, insbesondere PCIs des ungeschützten Hauptstamms, PCIs von Ostiumstenosen sowie RIVA-Stenosen bei den über 90-Jährigen höher als bei den „jüngeren“ Patienten. Auch das dürfte eine Selektionsfolge sein. Keinen Unterschied fanden die Kardiologen bei der Erfolgsrate der PCI: Knapp 95 % der Eingriffe bei den sehr alten Patienten resultierten in einem TIMI 3 Fluss, praktisch genauso viele wie in der Vergleichsgruppe.

Wo es erwartungsgemäß Unterschiede gab, war die Rate der Komplikationen. 2,4 % der über 90-jährigen Patienten starben im Krankenhaus, gegenüber 0,3 % der unter 90-Jährigen (p<0,001). Auch die Rate der Patienten mit Schlaganfällen während des stationären Aufenthalts war mit 0,9 vs. 0,1 % deutlich höher (p < 0,017), während es bei den Myokardinfarkten keine Unterschiede gab.

Insgesamt sei die Rate dieser schweren Komplikationen bei den über 90-Jährigen mit deutlich unter 5 % akzeptabel, sodass die PCI bei stabiler Angina pectoris auch in diesem Alter eine gute Option darstelle, so Keranov. Verbesserungsbedarf sehen die Wissenschaftler aus Ludwigshafen bei der Nutzung radialer statt femoraler Zugänge und bei den Ischämietests. Beides wird bei über 90-Jährigen seltener genutzt als bei unter 90-Jährigen. 

Literatur

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