Onlineartikel 22.06.2015

Plötzlicher Herztod: Risikoabschätzung jenseits der Leitlinien

Beim Kongress der European Heart Rhythm Association (EHRA) 2015 in Mailand hat sich Prof. Helmut Klein aus Rochester (USA) in einem Vortrag der Frage gewidmet, wie man das Risiko für einen plötzlichen Herztod (PHT) einschätzen kann für Patienten, die in den großen ICD Studien nicht abgebildet sind.

Derzeit beruhen die Empfehlungen zur ICD Implantation um einen PHT zu verhindern nahezu ausschließlich auf einer reduzierten Ejektionsfraktion von <35% bei NYHA I-II und <30% bei NYHA I Patienten. Die alleinige Fokussierung auf die Ejektionsfraktion beinhaltet jedoch einige Limitierungen. So sehen wir häufig unter einer optimalen Herzinsuffizienztherapie oder als Folge einer guten Revaskularisierung eine Verbesserung der EF im Verlauf der Erkrankung.

Aber wie lange soll/muss man abwarten bis zur definitiven Entscheidung einer ICD Implantation und wie verhält sich das Risiko im Verlauf der myokardialen Erholung? Ein potentieller Ansatz um die Risikoeinschätzung zu verbessern, so Klein, könnte die Implementierung weiterer Risikoparameter sein wie: Herzfrequenzvariabilität, Herzrhythmus Turbulenzen, T-Wellen Alternanz, späte Kontrastmittelanreicherungen im MRT, Biomarker sowie klinische Parameter und Co-Morbiditäten. Insbesondere dem Diabetes mellitus, der chronischen Niereninsuffizienz und der zerebralen Funktion scheint hierbei eine relevante Bedeutung zu zukommen.

Klein schlussfolgerte, dass eine weitere Evaluation, welche Patientenkollektive ein hohes PHT-Risiko haben und konsekutiv von einer ICD Implantation profitieren, dringlich erfolgen sollte.


In unserer Kolumne „Expertenblickpunkt“ hebt ein Experte aus Klinik oder Praxis besondere Inhalte von Kongressen und aus der aktuellen kardiologischen Berichterstattung hervor.
Dr. Stefan Perings, ist geschäftsführender Mitherausgeber von „kardiologie.org". Er arbeitet als niedergelassener Kardiologe und Partner im CardioCentrum Düsseldorf sowie in der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie des Universitätsklinikums Düsseldorf. Seit 2012 ist er stellvertretender Bundesvorsitzender des Bundesverbandes Niedergelassener Kardiologen (BNK)und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie.

Literatur

H. Klein: How to approach risk in patient groups when there’s no trial data? Sitzung: Risk Stratifikation a decade from SCD-HeFT,  Kongress EHRA EUROPACE - CARDIOSTIM 2015, Mailand, 21. -24. Juni 2015