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02.07.2018 | Plötzlicher Herztod | Nachrichten

Herzschwäche vom HFpEF-Typ

Plötzlicher Herztod trifft bei „diastolischer“ Herzinsuffizienz jeden Fünften

Autor:
Philipp Grätzel

Bei systolischer Herzinsuffizienz gilt der plötzliche Herztod mit einem Anteil von rund 40 Prozent als wichtigste Todesursache. Auch bei Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion (HFpEF) geht etwa jeder fünfte Todesfall auf dessen Konto. Was die Herztodprävention bei dieser Form der Herzschwäche angeht, tappen Kardiologen noch im Dunkeln.

Kardiologen um Dr. Muthiah Vaduganathan vom Brigham and Women’s Hospital in Boston berichten in der Zeitschrift „JACC: Heart Failure“ über eine Post-hoc-Auswertung zum plötzlichen Herztod bei Teilnehmern des nordamerikanischen Arms der TOPCAT-Studie. TOPCAT war eine große Arzneimittelstudie zur Therapie mit dem Aldosteronantagonisten Spironolacton bei „diastolischer“ Herzinsuffizienz, für die inzwischen die Bezeichnung Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF: Heart Failure with preserved Ejection Fraktion) üblich ist.

Über einen Zeitraum von im Median drei Jahren gab es 77 Patienten, die entweder einen plötzlichen Herztod erlitten hatten oder bei denen ein Herzstillstand erfolgreich terminiert werden konnte. Das entsprach einer Rate von 1,4 plötzlichen Todesfällen pro 100 Patientenjahre.

Nach Adjustierung blieben als unabhängige Risikofaktoren lediglich männliches Geschlecht und ein mit Insulin behandelter Diabetes mellitus bestehen. Alter, EF, koronare Herzerkrankung, Linksschenkelblock und Therapie zu Studienbeginn waren nicht prädiktiv. Was die Therapie mit Aldosteronantagonisten anging, so war die Rate an Patienten mit plötzlichem Herztod in der Gruppe mit Spironolacton-Therapie im Trend geringer. Signifikant war das aber auch nicht.

Klinisch hilft das alles wenig weiter, worauf in einem begleitenden Editorial auch Dr. Peter Carson vom Washington Veteran Affairs Medical Center hinweist. Er erinnert daran, dass in anderen Studien neben Geschlecht und Diabetes auch Alter, Infarktanamnese und Linksschenkelblock prädiktiv für den plötzlichen Herztod bei HFpEF waren. Ein Problem all dieser Zahlen sei allerdings, dass der plötzliche Herztod nicht einheitlich definiert werde.

Was eine therapeutische Beeinflussung der Rate an plötzlichem Herztod bei HFpEF-Patienten angehe, sei die Datenlage ebenfalls sehr begrenzt. Vergleichbar gute Daten zur ICD-Implantation wie bei Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) existierten nicht.

Auch der für die HFrEF erbrachte Nachweis, dass eine leitliniengemäße medikamentöse Therapie die Rate an plötzlichem Herztod senke, stehe für die HFpEF noch aus. Dennoch hält Carson die leitliniengemäße Herzinsuffizienztherapie bis auf Weiteres auch bei der HFpEF für die beste Strategie.

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