Nachrichten 02.07.2018

Plötzlicher Herztod trifft bei „diastolischer“ Herzinsuffizienz jeden Fünften

Bei systolischer Herzinsuffizienz gilt der plötzliche Herztod mit einem Anteil von rund 40 Prozent als wichtigste Todesursache. Auch bei Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion (HFpEF) geht etwa jeder fünfte Todesfall auf dessen Konto. Was die Herztodprävention bei dieser Form der Herzschwäche angeht, tappen Kardiologen noch im Dunkeln.

Kardiologen um Dr. Muthiah Vaduganathan vom Brigham and Women’s Hospital in Boston berichten in der Zeitschrift „JACC: Heart Failure“ über eine Post-hoc-Auswertung zum plötzlichen Herztod bei Teilnehmern des nordamerikanischen Arms der TOPCAT-Studie. TOPCAT war eine große Arzneimittelstudie zur Therapie mit dem Aldosteronantagonisten Spironolacton bei „diastolischer“ Herzinsuffizienz, für die inzwischen die Bezeichnung Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF: Heart Failure with preserved Ejection Fraktion) üblich ist.

Über einen Zeitraum von im Median drei Jahren gab es 77 Patienten, die entweder einen plötzlichen Herztod erlitten hatten oder bei denen ein Herzstillstand erfolgreich terminiert werden konnte. Das entsprach einer Rate von 1,4 plötzlichen Todesfällen pro 100 Patientenjahre.

Nach Adjustierung blieben als unabhängige Risikofaktoren lediglich männliches Geschlecht und ein mit Insulin behandelter Diabetes mellitus bestehen. Alter, EF, koronare Herzerkrankung, Linksschenkelblock und Therapie zu Studienbeginn waren nicht prädiktiv. Was die Therapie mit Aldosteronantagonisten anging, so war die Rate an Patienten mit plötzlichem Herztod in der Gruppe mit Spironolacton-Therapie im Trend geringer. Signifikant war das aber auch nicht.

Klinisch hilft das alles wenig weiter, worauf in einem begleitenden Editorial auch Dr. Peter Carson vom Washington Veteran Affairs Medical Center hinweist. Er erinnert daran, dass in anderen Studien neben Geschlecht und Diabetes auch Alter, Infarktanamnese und Linksschenkelblock prädiktiv für den plötzlichen Herztod bei HFpEF waren. Ein Problem all dieser Zahlen sei allerdings, dass der plötzliche Herztod nicht einheitlich definiert werde.

Was eine therapeutische Beeinflussung der Rate an plötzlichem Herztod bei HFpEF-Patienten angehe, sei die Datenlage ebenfalls sehr begrenzt. Vergleichbar gute Daten zur ICD-Implantation wie bei Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) existierten nicht.

Auch der für die HFrEF erbrachte Nachweis, dass eine leitliniengemäße medikamentöse Therapie die Rate an plötzlichem Herztod senke, stehe für die HFpEF noch aus. Dennoch hält Carson die leitliniengemäße Herzinsuffizienztherapie bis auf Weiteres auch bei der HFpEF für die beste Strategie.

Literatur

Vaduganathan M et al. Sudden Death in Heart Failure With Preserved Ejection Fraction. J Am Coll Cardiol HF. 4. März 2018; https://doi.org/10.1016/j.jchf.2018.02.014

Carson PE. Trying to Make Progress on Survival in a Complicated Area. J Am Coll Cardiol HF. 4. März 2018; https://doi.org/10.1016/j.jchf.2018.04.007

Aktuelles

Hauptstammstenose: PCI und Bypass nach 10 Jahren gleichauf

Bypass versus PCI bei linker Hauptstammstenose die nächste: Im Ultralangzeit-Follow-up der PRECOMBAT-Studie gab es bei den allermeisten Endpunkten keinen signifikanten Unterschied zwischen den Interventionen.

Ungewöhnliche COVID-19-Komplikation kostete einer Patientin fast das Leben

Der hämodynamische Zustand einer 47-jährigen COVID-19-Patientin verschlechtert sich rapide. Die behandelten Kardiologen stellen eine bis dato noch nie zuvor berichtete lebensbedrohliche Komplikation der SARS-CoV-2-Infektion fest.

Renale Denervation senkt Blutdruck bei Hypertonie-Patienten ohne Medikation

Die katheterbasierte  Renale Denervation hat in einer für die Zulassung als blutdrucksenkende Therapieoption  mitentscheidenden  Studie antihypertensive Wirksamkeit bewiesen  – und zwar bei medikamentös vorübergehend unbehandelten Patienten mit Bluthochdruck.

Highlights

Aktuelles zum Coronavirus

Die WHO hat die Ausbreitung des Coronavirus kürzlich als Pandemie eingestuft. Inzwischen sind weit über 100 Länder von dem Ausbruch betroffen. Aktuelle Meldungen zum Coronavirus bzw. zu der Lungenkrankheit Covid-19 finden Sie in diesem Dossier. 

Aktuelles zum Coronavirus

Die WHO hat die Ausbreitung des Coronavirus kürzlich als Pandemie eingestuft. Inzischen sind weit über 100 Länder von dem Ausbruch betroffen. Aktuelle Meldungen zum Coronavirus bzw. zu der Lungenkrankheit Covid-19 finden Sie in diesem Dossier. 

International Stroke Conference 2020

Die International Stroke Conference ist das weltweit führende Treffen, das sich der Wissenschaft und Behandlung von zerebrovaskulären Erkrankungen widmet. Ausgewählte Highlights finden Sie in diesem Dossier. 

Aus der Kardiothek

Was fällt Ihnen in der Echokardiografie auf?

Transthorakale Echokardiografie eines 50-jährigen Patienten mit schwerer rechtskardialer Dekompensation. Was ist zu sehen?

Defekt mit Folgen – das ganze Ausmaß zeigt das CT

CT-Befund (mit Kontrastmittelgabe) – was ist zu sehen?

Live-Case Trikuspidalinsuffizienz

Prof. Volker Rudolph, HDZ NRW Bochum, mit Team

Live Cases

Live-Case Trikuspidalinsuffizienz

Prof. Volker Rudolph, HDZ NRW Bochum, mit Team

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Bildnachweise
Digitaler ACC-Kongress 2020/© Sergey Nivens / stock.adobe.com
Coronavirus/© Naeblys / Getty images / iStock
International Stroke Conference 2020, Los Angeles/© Beboy / Fotolia
Transthorakale Echokardiografie/© Monique Tröbs (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)
CT-Befund (mit Kontrastmittelgabe)/© S. Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (2)
Live-Case AGIK/© DGK 2019
DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt
Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018/© DGK 2018