Nachrichten 08.02.2017

Herzmedikamente schützen vor plötzlichem Herztod bei eisigem Wetter

Eiseskälte kann bei KHK-Patienten einen plötzlichen Herztod triggern, das ist bekannt. Wissenschaftler aus Finnland wollen nun zeigen, dass sekundärpräventiv wirksame Herzmedikamente dieses kälteassoziierte Risiko senken.

Bei der Untersuchung von Dr. Niilo Ryti und Kollegen des Medizinischen Forschungszentrums der Universität Oulu in Nordfinnland zum Zusammenhang zwischen Kältewellen und plötzlichem Herztod handelt es sich um eine retrospektive Kohortenstudie mit ziemlich ungewöhnlichem Forschungsansatz.

Die Wissenschaftler haben sich 2.572 Patienten vorgenommen, bei denen nach dem Tod eine ischämische Herzerkrankung autoptisch gesichert wurde und bei denen der Pathologe zu dem Schluss gekommen war, dass ein auf einer KHK basierender plötzlicher Herztod die Todesursache war. Dann wurde unterschieden zwischen jenen 823 Patienten, bei denen die KHK vor dem Tod bekannt war und jenen 1.749, bei denen das nicht der Fall war.

War die KHK bekannt, waren Kältewellen weniger gefährlich

Insgesamt handelte es sich um Todesfälle über einen Zeitraum von einem halben Jahrhundert, zwischen 1961 und 2011. Von den Patienten mit bekannter KHK hatten 44 % ASS eingenommen, 59 % Betablocker und 65 % Nitrate.

Die Wissenschaftler haben sich auf Basis der Autopsiedaten angesehen, wo genau die Patienten gewohnt haben bzw. gestorben sind. Und sie haben diese Information mit lokalen Wetterdaten aus 50 Jahren korreliert, insbesondere mit lokalen Kältewellen, definiert als ungewöhnlich starker, kurzfristiger Abfall der Temperatur. In den arktischen und subarktischen Regionen Nordfinnlands waren das teilweise bis zu minus 40 Grad.

Über alle Patienten hinweg waren lokale Kältewellen mit einem signifikant um 49 % erhöhten Risiko für einen plötzlichen Herztods assoziiert. Männer waren insgesamt anfälliger für einen kälteassoziierten plötzlichen Herztod als Frauen.

Vor allem aber war das Risiko bei Patienten, bei denen vor dem Tod keine KHK bekannt war, signifikant um 70 % erhöht (95%-KI 1,13–2,56), während es nur nicht signifikante 14 % bei jenen waren, bei denen die Erkrankung bekannt war.

Ein Medikamenteneffekt?

Die finnischen Experten sind dann noch etwas tiefer in die Daten eingestiegen und haben jene Patienten, die ASS, Betablocker oder Nitrate eingenommen hatten, mit jenen verglichen, die diese Medikamente nicht eingenommen hatten. Das Kernergebnisse dieser Analysen war, dass die Medikamente einzeln und in Kombination mit einem geringeren Risiko von kältewellenassoziierten plötzlichen Herztodesereignissen assoziiert waren.

Die These der Wissenschaftler lautet daher, dass Patienten mit bekannter KHK deswegen weniger empfindlich auf Kältewellen reagieren, weil die Medikamente sie teilweise vor dem kälteassoziierten Herztod schützen. Dafür spricht zusätzlich, dass auch Patienten ohne bekannte KHK-Diagnose dann ein geringeres Risiko für einen plötzlichen, kälteassoziierten Herztod hatten, wenn sie – zur Blutdrucksenkung – Betablocker einnahmen.

Literatur

Ryti N et al. Cold spells and ischaemic sudden cardiac death: effect modification by prior diagnosis of ischaemic heart disease and cardioprotective medication. Sci Rep. 2017;7:41060

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