Nachrichten 22.09.2022

Plötzlicher Herztod im jungen Alter: Oft sind Erbkrankheiten schuld

Wenn ein junger Mensch unerwartet an einem plötzlichen Herztod verstirbt, ist oft unklar, wie es dazu kommen konnte. Eine landesweite Studie aus Dänemark hat jetzt ergeben, dass es bei den Ursachen alters- und geschlechtsspezifische Unterschiede gibt.

Weltweit sterben jährlich Millionen Menschen aufgrund eines plötzlichen Herztodes. Inzidenz und Ursachen dafür variieren mit dem Alter. Um bestmögliche Entscheidungen für betroffene Patienten und Patientinnen zu treffen und das Risiko ihrer Familienangehörigen für ein solches Ereignis zu senken, sind Informationen über altersabhängige Ursachen für einen plötzlichen Herztod hilfreich. Dänische Forschende haben diese bei unter 50-Jährigen analysiert.

In die Studie wurden alle dänischen Personen einbezogen, die 2000–2009 im Alter von einem bis 35 Jahren und 2007–2009 im Alter von 36 bis 49 Jahren verstorben waren (n = 14.294). Die Daten stammten aus Krankenakten, Sterbeurkunden, Autopsieberichten und landesweiten Registern. 10% der Todesfälle (n = 1.362) waren als plötzlicher Herztod klassifiziert worden. Ein Team um Dr. Thomas Hadberg Lynge vom Universitätsklinikum Rigshospitalet in Kopenhagen teilte die Personen in Fünf-Jahres-Altersgruppen und untersuchte, woran sie genau verstorben waren.

Erbliche Herzerkrankungen als häufige Ursache

Unter den autopsierten Personen, bei denen plötzlicher Herztod als Todesursache angegeben worden war, machten vererbbare Herzerkrankungen mit 43–78% in allen Altersgruppen einen großen Anteil aus. In 19–54% der Fälle jeden Alters war der Tod durch SADS (sudden arrhythmic death syndrome) bedingt. Sowohl bei den unerwarteten Todesfällen insgesamt als auch bei den Personen mit plötzlichem Herztod nahmen die Autopsieraten mit zunehmendem Alter signifikant ab, mit 74% in der jüngsten und 35% in der ältesten Gruppe.

Die Forschenden beobachteten signifikante altersabhängige Unterschiede bei den Todesursachen in der gesamten Kohorte und unter den Männern, jedoch nicht bei den Frauen allein. Der Anteil der an SADS Verstorbenen sank mit zunehmendem Alter, auch wenn das Syndrom für einen signifikanten Anteil der Todesfälle in allen Altersgruppen verantwortlich war.

Bei den erblichen Herzerkrankungen zeigte sich kein klarer Trend in Abhängigkeit vom Alter, sondern eher ein wellenförmiger Verlauf. Sie waren die Todesursache bei 65% der 1–5-Jährigen, 64% der 6–10-Jährigen, 56% der 11–15-Jährigen, 74% der 16–20-Jährigen und 75% der 21–25-Jährigen. Davon betroffen waren zudem 78% im Alter von 26–30 Jahren, 68% mit 31–35 Jahren, 43% mit 36–40 Jahren, 55% mit 41–45 Jahren und 43% mit 46–49 Jahren.

Erbkrankheiten werden wahrscheinlich öfter übersehen

Von den 1.362 Personen, die an plötzlichem Herztod verstorben waren, hatten 22% psychische, 16% kardiovaskuläre und 13% neurologische Erkrankungen gehabt. Das war zumindest der Anteil, bei dem die Erkrankungen vor dem Tod diagnostiziert worden waren, es könnten aber noch mehr davon betroffen gewesen sein. Die häufigste neurologische Erkrankung war Epilepsie (97%).

„Die Ergebnisse zeigen, dass die Diagnose einer erblichen Herzerkrankung in einigen Fällen von plötzlichem Herztod wahrscheinlich übersehen wird“, resümieren Hadberg Lynge et al. Es sei wichtig, die Todesursache zu klären, auch weil dadurch noch lebende Angehörige mit derselben Erkrankung identifiziert werden könnten, die eine entsprechende Behandlung vor dem gleichen Schicksal schützen könnte.

Literatur

Hadberg Lynge T et al. Causes of sudden cardiac death according to age and sex among persons aged 1–49 years. Heart Rhythm 2022. https://doi.org/10.1016/j.hrthm.2022.08.036

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