Nachrichten 23.01.2023

Abnehmen nach Plan: Was ist die beste Strategie?

Ob Intervallfasten bei der Gewichtsreduktion hilft, wird kontrovers diskutiert. Eine US-Studie, die per App das Timing beim Essen erfasste, spricht nicht dafür. Eine andere, simple Methode war dagegen vielversprechender.

Eine prospektive Studie lieferte enttäuschende Ergebnisse für diejenigen, die versucht hatten, mit intermittierendem Fasten Gewicht zu verlieren: Das Zeitfenster, in dem gegessen wurde, war darin nicht ausschlaggebend für Gewichtsveränderungen. Wer dagegen weniger und kleinere Mahlzeiten verzehrt hatte, hatte mehr Erfolg beim Abnehmen.

Forschende um Dr. Di Zhao von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore hatten in die Studie knapp 550 US-amerikanische Erwachsene einbezogen. Diese verwendeten über sechs Monate eine Smartphone-App, um für mindestens einen Tag aufzuzeichnen, wann sie aufgestanden waren, gegessen hatten und schlafen gegangen waren. Nachrichten ermutigten sie, die App so oft wie möglich zu benutzen. Informationen über Gewicht und Komorbiditäten lagen aus Krankenakten über median sechs Jahre vor.

Kalorienreduktion entscheidender als Timing der Mahlzeiten

Die meisten Teilnehmenden waren weiblich und weiß. Das Durchschnittsalter lag bei 51 Jahren und der durchschnittliche BMI bei 30,8. Für jede Person berechnete das Forscherteam einen Durchschnitt aus allen Daten, die zur Zeitspanne zwischen Essens- und Schlafenszeiten bzw. erster und letzter täglicher Mahlzeit vorlagen.

Die Arbeitsgruppe fand heraus, dass die Dauer von der ersten bis zur letzten Mahlzeit am Tag nicht mit Gewichtsveränderungen assoziiert war. Hingegen gingen große (geschätzt > 1.000 Kalorien) und mittelgroße (geschätzt 500–1.000 Kalorien) Mahlzeiten jeweils mit einer Gewichtszunahme einher, während kleinere (geschätzt < 500 Kalorien) sowie weniger Mahlzeiten mit einer Gewichtsabnahme korrelierten. Eine Mahlzeit mehr pro Tag korrelierte durchschnittlich mit einer jährlichen Gewichtszunahme von rund 0,3 kg.

Die durchschnittliche Dauer vom Aufwachen bis zur ersten Mahlzeit betrug 1,6 Stunden und die von der ersten bis zur letzten täglichen Mahlzeit 11,5 Stunden. Von der letzten Nahrungsaufnahme des Tages bis zum Schlafengehen vergingen durchschnittlich 4 Stunden, die durchschnittliche Schlafdauer lag bei 7,5 Stunden.

„Daten unterstützen zeitlich begrenztes Essen zum Abnehmen nicht“

„Die Ergebnisse unterstützen zeitlich begrenztes Essen als Strategie zur langfristigen Gewichtsabnahme nicht“, resümieren Zhao et al. Effektiver als sich auf ein enges Zeitfenster zu beschränken sei, insgesamt weniger und kleinere Mahlzeiten zu essen, empfehlen sie. Zwar entdeckten sie keine Assoziationen zwischen dem Gewicht und der Dauer von der ersten bis zur letzten täglichen Mahlzeit, allerdings habe es Hinweise gegeben, dass ein früheres Zeitfenster für die Nahrungsaufnahme im Tagesverlauf mit einer geringeren Gewichtszunahme einhergehe. Da es sich um eine Beobachtungstudie handelt, konnten keine kausalen Zusammenhänge nachgewiesen werden.

Literatur

Zhao D et al. Association of Eating and Sleeping Intervals With Weight Change Over Time: The Daily24 Cohort. Journal of the American Heart Association 2023. https://doi.org/10.1161/JAHA.122.026484


Highlights

Myokarditis – eine tödliche Gefahr

In der vierten Ausgabe mit Prof. Andreas Zeiher geht es um die Myokarditis. Der Kardiologe spricht über Zusammenhänge mit SARS-CoV-2-Infektionen und COVID-19-Impfungen und darüber, welche Faktoren über die Prognose entscheiden.

Podcast: Plötzlicher Herztod im Sport

In der dritten Ausgabe mit Prof. Martin Halle geht es um den Plötzlichen Herztod im Sport. Warum trifft es ausgerechnet Leistungssportler, warum überwiegend Männer? Und gibt es einen Zusammenhang mit SARS-CoV-2-Infektionen?

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

BNK und BVMed: Telemonitoring bei Herzinsuffizienz läuft immer noch ins Leere

Wer bezahlt den Transmitter, der für ein Telemonitoring bei Herzinsuffizienz erforderlich ist? Bisher weigern sich Krankenkassen häufig, die Kosten zu übernehmen, wodurch eine seit einigen Jahren eingeführte Leistung im EBM teilweise ins Leere läuft. Nun werden der BNK und der BVMed aktiv.

Herzschrittmacher: Höhere Grundfrequenz könnte in gewissen Fällen vorteilhaft sein

Standardmäßig wird in der Schrittmachertherapie eine Grundfrequenz von 60 Schlägen/Minute eingestellt. In einer randomisierten Studie hat sich nun eine individuell zugeschnittene, höhere Grundfrequenz bei ausgewählten Patienten vorteilhaft ausgewirkt. Vorsicht ist trotzdem angebracht.

Familiäre Hypercholesterinämie: Guter Lebensstil kann „schlechte“ Gene kompensieren

Auch für Menschen mit einer familiären Hypercholesterinämie lohnen sich Lebensstilmaßnahmen, bekräftigt eine aktuelle Analyse. Denn das erhöhte Herzrisiko durch „schlechte Gene“ kann offenbar durch einen guten Lebensstil abgeschwächt werden.

Aus der Kardiothek

Hätten Sie es erkannt?

Optical Coherence Tomography (OCT), zirkuläre Strukturen im Koronarlumen.
Um was handelt es sich?

Therapie der akuten Herzinsuffizienz – Wann und womit starten

Nach Dekaden des Stillstandes wurden in der letzten Zeit einige Fortschritte in der Therapie der Herzinsuffizienz gemacht. Welche das sind, und wie diese in der Praxis umgesetzt werden sollten, erläutert Prof. Christine Angermann in diesem Video.

Hypertonie und Dyslipidämie - einfach gemeinsam behandeln

Hypertonie und Hypercholesterinämie treten oft gemeinsam auf. Prof. Ralf Dechend stellt in diesem Video neue Strategien zum Umfang mit diesen kardiovaskulären Risikofaktoren vor.

Podcast-Logo/© Springer Medizin Verlag GmbH (M)
Podcast-Logo
Kardio-Quiz Januar 2023/© Stephan Achenbach, Medizinische Klinik 2, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
kardiologie @ home/© BNK | Kardiologie.org