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26.09.2017 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Prävention

Absetzen von niedrigdosiertem ASS kann gefährlich werden

Autor:
Veronika Schlimpert

Niedrigdosierte Acetylsalicylsäure (ASS) zur Prävention kardialer Erkrankungen sollten Patienten nicht einfach absetzen. Einer aktuellen Beobachtungsstudie zufolge setzen sie sich dadurch einem erhöhten Risiko aus.

Nach Absetzen einer Langzeittherapie mit niedrigdosiertem ASS steigt das Risiko für die Patienten, ein kardiovaskuläres Ereignis zu erleiden, beträchtlich an. Diese Gefährdung machte sich in einer schwedischen Kohortenstudie bemerkbar, in der Daten von mehr als 600.000 Patienten ausgewertet wurden, die niedrigdosierten ASS zur Sekundär- oder Primärprävention eingenommen hatten.

Es sei daher ein wichtiges Therapieziel, die Adhärenz der Patienten bzgl. einer niedrigdosierten ASS-Langzeittherapie beizubehalten, wenn das Absetzen nicht aufgrund von Blutungen oder einer geplanten Operation nötig sei, schlussfolgern die Autoren um Johan Sundström von der Uppsala Universität.

Niedrigdosiertes ASS ist eine etablierte und von den Leitlinien empfohlene Therapiestrategie nach einem durchgemachten Herzinfarkt oder anderen kardiovaskulären Erkrankungen. Etwa 10 bis 20% der Infarktpatienten setzen die Therapie allerdings innerhalb der ersten drei Jahre nach dem Ereignis wieder ab. In der aktuellen Analyse löste einer von fünf Patienten das zweite Rezept nicht ein (in Schweden ist niedrigdosiertes ASS rezeptpflichtig).

Viele Patienten setzen ASS ab

Dadurch setzten sich die Patienten einem beträchtlichen Risiko aus. Die Wahrscheinlichkeit für ein weiteres Ereignis war für sie in den drei Jahren danach um 37 % höher als für Patienten, die die Medikation weiter eingenommen haben. Jeder 74. Patient, der ASS absetze, erlitt deshalb ein zusätzliches kardiovaskuläres Ereignis. Die Gefährdung scheine zu bestehen, sobald der Patient die Medikation absetze, berichten die Studienautoren. Über die gesamte Zeit sei das Risiko aber auch weiterhin erhöht geblieben.

In dieser schwedischen Kohorte hatte nur die Hälfte der 601.527 Teilnehmer  niedrigdosiertes ASS als Sekundärprävention verschrieben bekommen. Die andere Hälfte erhielt den Plättchenhemmer vorsorglich aufgrund einer Angina pectoris, zur Schlaganfallprophylaxe bei Vorhofflimmern  (was heute nicht mehr empfohlen wird) oder aus anderen Gründen der Primärprävention.  

Besonders gefährdet waren in der Analyse die Patienten, die bereits ein kardiovaskuläres Ereignis erlitten haben und ASS als Sekundärprävention verordnet bekommen haben, mit einem zusätzlichen Ereignis für jeden 36. Patienten, der die Therapie absetze.

Rebound-Phänomen

Als mögliche Ursache für das erhöhte Risiko nach Absetzen von ASS führen Sundström und Kollegen einen „Rebound“-Effekt an. Experimentelle Studien deuten an, dass es nach Absetzen von ASS zu einem Anstieg von Thromboxan komme, der möglicherweise durch prothrombotische Effekte sehr niedriger ASS-Konzentrationen verursacht sei. Unterstützt wird diese Vermutung durch die Beobachtung, dass in der Studie jene Patienten, die weitere Antiplättchenhemmer oder orale Antikoagulanzien eingenommen hatten, kein erhöhtes Risiko aufwiesen, sie also dadurch geschützt waren, obwohl sie eigentlich besonders gefährdet sind.

Für ihre Analyse haben die Autoren in einem schwedischen Register die Verschreibungen von niedrigdosiertem ASS zwischen 2005 und 2009 mit den kardiovaskulären  Ereignisraten in den drei folgenden Jahren in Beziehung gesetzt. In dieser Zeit passierten 62.690 kardiovaskuläre Ereignisse. Ob das Absetzen von ASS die kausale Ursache dafür darstellt, lässt sich aus einer solchen Beobachtungsstudie nicht ableiten.

Literatur