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04.01.2018 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Eher guter Vorsatz als Realität

Acht von zehn Atherosklerose-Patienten erreichen nicht das LDL-Ziel

Autor:
Philipp Grätzel

Bei bestehender atherosklerotischer kardiovaskulärer Erkrankung liegt das LDL-C-Ziel laut europäischen Leitlinien in der Regel bei kleiner 70 mg/dl. Das erreicht in Deutschland allenfalls jeder fünfte, und es wird auch wenig Anstrengung unternommen, besser zu werden.

Wissenschaftler um Professor Ulrich Laufs von der Klinik für Kardiologie am Universitätsklinikum Leipzig berichten in Clinical Research in Cardiology über eine retrospektive Kohortenanalyse auf Basis der QuintilesIMS Germany Disease Analyzer Datenbank. Diese Datenbank umfasst über 14 Millionen pseudonymisierte elektronische Patientenakten von niedergelassenen Allgemein- und Fachärzten, die rund 2,4% aller Praxen in Deutschland repräsentieren.

Für die jetzt vorgelegte Analyse wurden aus diesem Datenschatz Patienten extrahiert, die an einer an ICD-10-Codes festgemachten, atherosklerotischen kardiovaskulären Erkrankung – KHK, (in)stabile Angina, Herzinfarkt, ischämischer Schlaganfall, TIA, Aneurysma, PAVK oder nicht näher klassifizierte Atherosklerose – litten und die außerdem Statine in moderater oder hoher Dosis erhielten. 

Bei diesen Patienten wurde jeweils analysiert, welcher Anteil das LDL-C-Ziel von < 70 mg/dl erreichte. Bei den Patienten, bei denen Follow-up-Daten von mindestens einem Jahr vorlagen, wurde außerdem ausgewertet, ob und wie die Statintherapie verändert wurde.

Das Ergebnis ist etwas ernüchternd, entspricht aber dem Eindruck, den viele Kardiologen ohnehin haben: Nur bei einem Bruchteil der Patienten mit bestehender kardiovaskulärer Erkrankung wird das leitliniengemäße LDL-C-Ziel erreicht. Bei Auswertung von insgesamt 16.316 Patienten in den drei Jahren 2012 bis 2014 zeigte sich, dass nur 19,5% zumindest einmal im Studienzeitraum mit ihrem LDL-C-Wert unter 70 mg/dl lagen. Diese Quote unterschied sich kaum zwischen Herzinfarkt-, PAVK- und Schlaganfallpatienten. Bei Höchstrisikopatienten – Diabetikern mit zwei oder mehr kardiovaskulären Ereignissen in der Anamnese – war der Anteil der leitliniengemäß therapierten Patienten mit rund einem Drittel besser, aber auch hier längst nicht zufriedenstellend.

Therapie wird nur selten angepasst

Wird denn auf nicht leitliniengemäße LDL-C-Werte in Deutschland versucht zu reagieren? Die QuintilesIMS-Daten sprechen eher dagegen. Bei acht von zehn Patienten wurde das Statin-Regime im Jahr nach der Messung des nicht leitliniengemäßen LDL-C-Werts nicht verändert. Etwa jeder siebte beendete die Therapie, bei 3% der Patienten wurde heruntertitriert und nur bei einem Prozent wurde auftitriert.

Diese deutsche Untersuchung bestätigt im Großen und Ganzen Untersuchungen aus anderen Ländern zur Zielwerterreichung bei der Statintherapie, etwa die europäische EUROASPIRE IV-Studie. Die Autoren schließen aus den Daten, dass viele Kliniker es wahrscheinlich vermeiden, Statine in der höchstmöglichen Dosis zu verschreiben. Dies könnte Laufs und Kollegen zufolge Sorgen vor einer höheren Diabetesinzidenz bzw. insgesamt Bedenken bzgl. der Verträglichkeit spiegeln. Allerdings konnten die Gründe für eine nicht erfolgte Auftitrierung in dieser Datenbankstudie nicht ermittelt werden.

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