Nachrichten 19.10.2021

Aktiv in der kardiologischen Ausbildung – Gefahr für Burnout?

Kardiologen, die sich neben anderen Aufgaben in der Ausbildung junger Ärzte engagieren, können leicht in einen Strudel von Stress und Burnout geraten. Welche Gruppen besonders betroffen sind, zeigt eine US-Studie.

Studien zufolge leiden 27 – 46% der Kardiologen insgesamt unter Burnout. Wenn die Verantwortung für ein kardiologisches Ausbildungsprogramm hinzukommt, kann das Stress, Erschöpfung und Überforderung begünstigen. Nur bei einem Drittel spielen Stress und Burnout überhaupt keine Rolle, legt eine neue Analyse nahe.

Unter Ärzten in den USA, die junge Kardiologen ausbilden, werden jährliche Umfragen durchgeführt, um Anzeichen von Burnout zu erkennen. Dr. Michael Cullen von der Mayo Klinik in Rochester und sein Team werteten die Antworten der Ausbildungsleiter aus. Diese hatten neben demografischen Angaben acht Fragen zu Zufriedenheit, Stress und Burnout beantwortet, definiert als mindestens ein Burnout-Symptom, ein konstantes Gefühl des Ausgebranntseins oder kompletter Burnout.

Mehrheit ist trotz Stress zufrieden

Kontaktiert wurden alle Verantwortlichen der in der Datenbank für medizinische Ausbildung registrierten Fellowship-Programme. 57% davon meldeten sich zurück, vor allem Männer (78%) und Verantwortliche für universitätsbasierte Programme (54%). 80% der Befragten waren zufrieden mit ihrem aktuellen Job als Program Director und 96% empfanden die Interaktion mit den Auszubildenden als zufriedenheitsstiftend.

45% gaben an, durch ihre Aufgabe sehr viel Stress zu empfinden, vor allem Frauen, Personen, die eher am Anfang ihrer Karriere standen, sowie Verantwortliche für große und universitätsbasierte Programme. 21% beschrieben einige Burnout-Symptome und nur 36% berichteten über Zufriedenheit ohne Stress oder Burnout. Letzteres war verbreiteter unter Männern und Personen, die eher am Ende ihrer Karriere standen oder kleinere und nicht-universitäre Programme leiteten.

Oft bleibt zu wenig Zeit für die Aufgabe

17% berichteten über eine hohe Wahrscheinlichkeit im kommenden Jahr von ihrem Amt zurückzutreten, wobei der häufigste Grund war, dass die Aufgaben zunehmend als erdrückend empfunden wurden. Viele gaben an, nicht genug Zeit dafür zu haben, oder äußerten Sorgen über mangelnde administrative Unterstützung und beschwerliche regulatorische Vorgaben.

„Die meisten für die Ausbildung verantwortlichen Kardiologen sind zufrieden mit ihrer Aufgabe, aber Stress und Burnout bleiben verbreitet“, lautet das Fazit der Forscher um Cullen. Frauen, jüngere Program Directors und für größere und universitätsbasierte Programme Verantwortliche seien besonders betroffen gewesen, sodass Bemühungen, die Situation zu verbessern, besonders auf diese Gruppen abzielen sollten, raten sie.

„Wir müssen bedenken, dass die Programmleiter letztendlich dafür verantwortlich sind, die nächste Kardiologengeneration auszubilden“, so Dr. Jeffrey Kuvin von der Zucker School of Medicine in New York et al. in einem Begleitkommentar. Darum sei es wichtig, essenzielle Fragen zu klären: Wie viel Zeit ist notwendig, um ein Ausbildungsprogramm effektiv zu leiten? Wann ist der beste Zeitpunkt dafür in der Karriere? Welche Ressourcen gibt es, um die Betroffenen zu unterstützen? Die aktuelle Umfrage sei ein guter Ansatz, die Situation für die ausbildenden Kardiologen zu verbessern.

Literatur

Cullen M et al. Burnout and Well-Being Among Cardiology Fellowship Program Directors. JACC 2021. https://doi.org/10.1016/j.jacc.2021.08.034

Kuvin J et al. Cardiology Fellowship Program Director Wellness. JACC 2021. https://doi.org/10.1016/j.jacc.2021.08.033

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