Nachrichten 31.01.2020

Apple startet weitere kardiovaskuläre Großstudien

Lässt sich mit digitalen Rhythmus- und EKG-Apps das Outcome bei Vorhofflimmern verbessern? Das soll die Heartline-Studie untersuchen, deren Start offenbar kurz bevor steht.

Die 2019 beim ACC-Kongress vorgestellte, prospektive Kohortenstudie „Apple Heart Study“ hatte bei 400.000 Teilnehmern gezeigt, dass die Smartwatch des Unternehmens in Verbindung mit geeigneten Algorithmen als ein recht zuverlässiges Screening-System für Vorhofflimmern genutzt werden kann. Damals hatte Apple angekündigt, zusammen mit dem Partner Johnson & Johnson die Heartline-Studie nachzuschieben, um den Einfluss der digitalen Diagnostik auf harte klinische Endpunkte zu evaluieren.

Bis zu 180.000 Teilnehmer geplant

Der Beginn dieser Studie steht offenbar kurz bevor: „Es wird ziemlich bald mehr Informationen dazu geben“, sagte Dr. Sumbul Desai, Leiterin des Healthcare-Geschäfts bei Apple, im Gespräch mit Kardiologie.org. Im Rahmen der rein in den USA stattfindenden Heartline-Studie sollen bis zu 180.000 Menschen ab 65 Jahren randomisiert werden. Die Studie will zum einen den Effekt einer frühen Diagnose – und ggf. sukzessiver Therapie – auf das Langzeit-Outcome untersuchen. Zum anderen will die Studie bei den Probanden, bei denen Vorhofflimmern identifiziert und die deswegen behandelt werden, eine digitale Adhärenz-App evaluieren.

Weitere Studie mit Smartwatch angelaufen

Schon im Herbst hatte Apple drei weitere klinische Großstudien unter Einsatz seiner Smartwatch angekündigt. Eine davon ist die ebenfalls im kardiovaskulären Kontext angesiedelte Heart & Movement Study, die seit Jahresende Teilnehmer rekrutiert. Kooperationspartner sind hier das Brigham and Women’s Hospital in Boston und die American Heart Association. Insgesamt 500.000 Probanden sollen teilnehmen, und der Beobachtungszeitraum beträgt fünf Jahre. 

Im Rahmen der Studie werden Parameter zur körperlichen Aktivität und zur Herzgesundheit mithilfe der Smartwatch gemessen. Dies wird dann mit den klinischen Verläufen der Studienteilnehmer korreliert, die einmal im Vierteljahr erfasst werden.

Bürger begeistern, zu Wissenschaftlern zu werden

„Ziel der Heart & Movement Study ist es, den Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und Herzgesundheit genauer zu erfassen“, so Desai, die selbst noch in Teilzeit als Internistin an der Stanford Universität arbeitet. Das könne zum Beispiel dazu führen, dass über Risiko-Scores neu nachgedacht werde und darüber, wie Aktivität und Bewegung in den Scores anders als bisher berücksichtigt werden könnten. 

Dass die Studie wegen ihrer Länge und dem Aktivitätsmonitoring  in Sachen langfristiger Compliance anspruchsvoll ist, ist den Studienleitern bewusst: „Wir hoffen einfach, dass die Menschen begeistert darüber sind, als Bürger zu Wissenschaftlern zu werden und zum Fortschritt der Wissenschaft beizutragen.“

Literatur

Interview mit Dr. Sumbul Desai, 23. Januar 2020, London

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Bildnachweise
ESC-Kongress (virtuell)/© [M] metamorworks / Getty Images / iStock | ESC
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
BNK-Webinar/© BNK | Kardiologie.org