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19.02.2018 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Kardiovaskuläres Risiko

Auch wenn Feinstaubbelastung rasch zunimmt, leidet das Herz

Autor:
Philipp Grätzel

Feinstaubbelastung der Atemluft gilt als eigenständiger kardiovaskulärer Risikofaktor. Wissenschaftler aus Jena konnte jetzt zeigen, dass auch ein schneller Anstieg der Luftverschmutzung das Herz gefährdet – selbst wenn die Grenzwerte eingehalten werden.

Spätestens seit Diesel-Gate ist die Feinstaubbelastung in Innenstädten wieder ein politisches Thema geworden. Einige Städte diskutieren bereits über Fahrverbote an Tagen, an denen die EU-Grenzwerte überschritten werden. Wissenschaftler um Dr. Florian Rakers vom Universitätsklinikum Jena haben sich jetzt den Zusammenhang zwischen kardiovaskulärem Ereignissen und Luftverschmutzung in Jena angesehen, einer Stadt, in der die EU-Grenzwerte für Feinstaubbelastung nur ganz selten überschritten werden.

Konkret haben sie 693 Patienten analysiert, die zwischen 2003 und 2010 mit akutem Myokardinfarkt im Universitätsklinikum Jena aufgenommen wurden. Und sie haben diese Ereignisse mit unterschiedlichen Parametern für Luftverschmutzung an den drei Tagen vor dem Ereignis in Beziehung gesetzt.

Vor allem rasche Stickoxidanstiege sind fürs Herz nicht ohne

Vor allem bei den Stickoxiden fanden die Experten Hinweise darauf, dass das Herzinfarktrisiko nicht nur von der absoluten Höhe der Belastung der Atemluft abhängt, sondern auch davon, wie rasch die Belastung steigt. Stieg die Stickoxidkonzentration in der Atemluft innerhalb von 24 Stunden um mehr als 20 µg/m3, war das Herzinfarktrisiko mehr als doppelt so hoch als an Tagen ohne einen so ausgeprägten Stickoxidanstieg.

Das Ausmaß dieses Zusammenhangs habe ihn überrascht, so Rakers, der die Ergebnisse der Untersuchung gerade im European Journal of Preventive Cardiology publiziert hat: Ein schneller Anstieg der Luftverschmutzung sei vielleicht mindestens genauso gefährlich wie ein Überschreiten der absoluten Grenzwerte.

Stickoxide entstehen vor allem durch Verbrennungsmotoren, sowohl durch Dieselmotoren als auch durch Benziner. In einer vergleichsweise sauberen Stadt wie Jena komme es im Mittel etwa dreißig Mal im Jahr zu Stickoxidanstiegen um mehr als 20 µg/m3 unterhalb der offiziellen Grenzwerte, so Rakers. Sollten sich diese Beobachtungen reproduzieren lassen, sind seiner Auffassung nach EU-weit effektivere Maßnahmen zur Senkung der Stickoxidkonzentrationen erforderlich als jene, die bisher unternommen werden.

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