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02.02.2018 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Abnehmen mit Turbolader

Bei Crash-Diät verringert sich das Gewicht – aber auch die Herzfunktion

Autor:
Philipp Grätzel

Menschen, die sehr viel in sehr kurzer Zeit abnehmen, tun damit ihrem kardiovaskulären Risikoprofil einen Gefallen. Das geht allerdings einher mit einer wohl temporären Abnahme der Herzfunktion.

So genannte Crash-Diäten zielen darauf ab, in möglichst kurzer Zeit möglichst effektiv abzunehmen. Das geschieht durch eine deutliche Reduktion der Kalorienzufuhr auf in der Regel nicht mehr als 800 kcal pro Tag über einen Zeitraum von einigen wenigen Wochen. Dies führt, wenn es durchgehalten wird, neben einer Gewichtsreduktion auch zu einer relativ raschen Verbesserung des Blutdrucks und der Stoffwechsellage inklusive Rückbildung eines frühen Diabetes mellitus.

Bei der von der European Society of Cardiology gemeinsam mit der Society for Cardiovascular Magnetic Resonance (SCMR) veranstalteten Konferenz zur kardialen Bildgebung CMR 2018 in Barcelona stelle Dr. Jennifer Rayner vom Oxford Centre for Magnetic Resonance der Universität Oxford jetzt eine Untersuchung vor, bei der sich die Kardiologen den Einfluss einer Crash-Diät auf die Herzfunktion angesehen haben. Das Ganze geschah bei 21 freiwilligen übergewichtigen Probanden mit einem BMI von im Mittel 37 kg/m², die sich für acht Wochen auf eine Diät setzen ließen, bei der pro Tag 600 bis 800 kcal aufgenommen wurden.

Fettgehalt des Herzens nahm zu

Zu Studienbeginn sowie nach einer und acht Wochen erfolgten MRT-Untersuchungen, bei denen neben der Herzfunktion auch die Fettverteilung gemessen wurde. Dabei machten die Kardiologen interessante Beobachtungen. So war der Fettgehalt des gesamten Körpers bereits nach einer Woche um 6 Prozent, die Menge des viszeralen Fetts um 11 Prozent und die Menge des Leberfetts um 42 Prozent zurückgegangen. Ganz anders im Herzen: Hier war der Fettgehalt nach einer Woche um 44 Prozent angestiegen.

Dies ging einher sowohl mit einer Verschlechterung der linksventrikulären Pumpfunktion als auch mit einer Verschlechterung diastolischer Funktionsparameter, die außer per MRT auch noch einmal per Echokardiografie erhoben wurden. Bis zur achten Woche hatte sich das dann alles wieder eingerenkt. Der erhöhte Fettgehalt des Herzens ging zurück, und die Funktionsparameter erreichten wieder ihre Ausgangswerte bzw. besserten sich teilweise sogar über die Ausgangswerte hinaus.

Kardiales Überangebot am Energieträger Fett?

Die Kardiologen erklären sich ihre auf den ersten Blick kontraintuitiven Beobachtungen damit, dass das Herz, anders als andere Organe, sowohl Fettsäuren als auch Zucker als primäre Energiequelle nutzen kann. Eine Crash-Diät führe dazu, dass Fett in den unterschiedlichsten Organen mobilisiert werde. Das Herz bekommt auf diese Weise sozusagen ein Überangebot an dem Energieträger Fett, was mit funktionellen Verschlechterungen einhergeht, während gleichzeitig Zucker knapper wird, da dieser in Zeiten knapper Ressourcen vor allem für das Gehirn benötigt wird.

Klinische Konsequenz sollte Rayner zufolge sein, dass Menschen, die bereits eine Herzerkrankung haben, angehalten werden, etwas vorsichtig mit Crash-Diäten zu sein. Zumindest sollten entsprechende Diäten dann mit Wissen und unter Begleitung des behandelnden Kardiologen stattfinden.

Literatur

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