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09.05.2019 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Sekundärprävention bei Patienten mit Gefäßerkrankungen

COMPASS-Studie: Rivaroxaban/ASS-Kombi auch im Fall von Niereninsuffizienz von Vorteil

Autor:
Peter Overbeck

Eine Kombination aus „Low-dose“-Rivaroxaban plus ASS schützt Patienten mit Gefäßerkrankungen auch im Fall einer eingeschränkten Nierenfunktion effektiver vor kardiovaskulären Ereignissen als ASS alleine, belegen Ergebnisse einer neuen Subanalyse der COMPASS-Studie. 

Eine sekundärpräventive  Kombi-Therapie mit „Low-dose“-Rivaroxaban (2,5 mg zweimal täglich) plus ASS (100 mg einmal täglich)  reduziert die Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse bei Patienten mit manifester Gefäßerkrankung signifikant stärker als eine plättchenhemmende ASS-Monotherapie, hat die  COMPASS-Studie ergeben.  Von dieser Wirkung profitieren Patienten sowohl mit normaler als auch eingeschränkter Nierenfunktion  gleichermaßen, wie aus einer neuen COMPASS-Substudie hervorgeht.

Wir erinnern uns: In COMPASS  (Cardiovascular OutcoMes for People using Anticoagulation StrategieS) wurde die Inzidenzrate für die Ereignisse kardiovaskulär verursachter Tod, Herzinfarkt und Schlaganfall (primärer kombinierter Endpunkt)  durch die Behandlung mit Rivaroxaban (2,5 mg zweimal täglich) plus ASS (100 mg einmal täglich) im Vergleich zur alleinigen ASS-Therapie relativ um 24% reduziert (Hazard Ratio 0,76; p < 0,001). Im Zeitraum von knapp zwei Jahren  waren in der Rivaroxaban/ASS-Gruppe 379 (4,1%) und in der ASS-Gruppe 496 Patienten (5,4%) von einem dieser  Ereignisse betroffen. Blutungen traten unter Rivaroxaban/ASS signifikant häufiger auf als unter ASS allein (3,1% vs.  1,9% (HR 1,70;  p < 0,001).  An der Studie waren insgesamt 27.395 Patienten  mit klinisch stabiler KHK oder PAVK beteiligt. 

Risikoerhöhung durch Nierenerkrankungen 

Chronische Nierenerkrankungen gehen bekanntlich mit einem erhöhten Risiko sowohl für thromboembolische Ereignisse als auch für Blutungen einher.  Eine  COMPASS-Autorengruppe um Prof. Keith Fox vom  Centre for Cardiovascular Science der Universität Edinburgh  wollte deshalb wissen, ob und in welchem Maß auch die Subgruppe der Patienten mit renaler Dysfunktion  von der Rivaroxaban/ASS-Kombi  klinisch profitiert hatte. 

Von den insgesamt  27,395 Studienteilnehmern mit KHK und/oder PAVK  waren  6,276 (23%) Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion, entsprechende einer geschätzten glomerulären Filtrationsrate (GFR) <60 ml/min.  Patienten dieser Subgruppe waren älter und häufiger  weiblichen Geschlechts sowie an Diabetes erkrankt..

Risiko in beiden Subgruppen um ein Viertel reduziert

Die Rate für den primären Wirksamkeitsendpunkt (kardiovaskulär verursachter Tod, Herzinfarkt und Schlaganfall) war im Kontrollarm mit ASS-Monotherapie in der Risikogruppe mit renaler Dysfunktion nahezu doppelt so hoch wie in der Subgruppe  mit normaler Nierenfunktion  (8.4% vs. 4.5%). Auch die entsprechenden Inzidenzraten für schwerwiegende Blutungskomplikationen  waren erhöht  (2,7% vs.1,6%). Somit bestätigte sich einmal mehr, dass schon eine relativ moderate Niereninsuffizienz  ein Risikofaktor für eine Zunahme von kardiovaskulären Ereignissen wie auch Blutungskomplikationen ist.

Gleichwohl wurde eine konsistente klinische Wirksamkeit  der dualen antithrombotischen Rivaroxaban/ASS-Therapie  sowohl bei Patienten mit als auch ohne renale Dysfunktion  im Vergleich zur ASS-Monotherapie beobachtet. Bezogen  auf den primären kombinierten Endpunkt  ergab sich für Patienten ohne  renale Dysfunktion (GFR ≥60 ml/min)  eine relative Risikoreduktion um 24%  (Inzidenz 3,5% vs. 4,5%, Hazard Ratio [HR] 0,76; 95% Konfidenzintervall [CI] 0,64 - 0,90).  Bei Patienten mit  eingeschränkter Nierenfunktion (GFR <60 ml/min) betrug die entsprechende Risikoreduktion 25% (Inzidenz 6,4% vs. 8,4%, HR: 0,75; 95% CI 0,60 – 0,94).

Das Risiko für schwerwiegende Blutungskomplikationen war unter der dualen Therapie jeweils höher als unter ASS allein, und zwar sowohl bei Patienten ohne renale Dysfunktion ((2,9% vs. 1,6%, HR 1,81; 95% CI 1,44 – 2,28)  als auch mit renale Dysfunktion (3,9% vs. 2,7%, HR 1,47; 95% CI: 1,05 – 2,07).

Literatur

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