Nachrichten 28.07.2022

Die richtigen Schlafgewohnheiten könnten vor Herzerkrankungen schützen

Zu wenig Schlaf schadet dem Herzen, zu viel allerdings auch, zeigt eine Studie. Auch weitere Angewohnheiten wie Nickerchen am Tag, Schnarchen oder der Einfluss des Chronotyps wurden diesbezüglich untersucht.

Studien weisen auf Assoziationen zwischen Schlafstörungen und kardiovaskulären Erkrankungen hin, der Zusammenhang ist aber nicht endgültig geklärt. In einer schwedischen Studie mit Zwillingspaaren gingen unter anderem auch kleine Schläfchen am Tag und starkes Schnarchen mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher.

Ein Forscherteam um Zhiyu Wang von der Tianjin Medical University in China verwendete Registerdaten von mehr als 12.000 schwedischen Zwillingen ohne kardiovaskuläre Erkrankungen zu Studienbeginn. Sie wurden bis zu 18 Jahren nachbeobachtet, um zu untersuchen, wer von ihnen Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickelte und ob das mit den Schlafgewohnheiten zusammenhängen könnte. Die Teilnehmenden waren zu Studienbeginn durchschnittlich 70 Jahre alt und gaben Auskunft über Schlafdauer, Nickerchen am Tag, Chronotyp, Schlaflosigkeit, Schnarchen und Tagesmüdigkeit.

Geringstes Risiko bei sieben bis neun Stunden

Eine Schlafdauer von weniger als sieben Stunden pro Nacht war verglichen mit sieben bis neun Stunden mit einem um 14% erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen assoziiert. Mehr als zehn Stunden Schlaf gingen gegenüber sieben bis neun Stunden immerhin noch mit einem um 10% gesteigerten Risiko einher.

Nickerchen bis zu 30 Minuten bzw. länger als 30 Minuten korrelierten gegenüber gar keinem Schlaf tagsüber mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko um 11% bzw. 23%. Ein ungünstiges Schlafmuster, bestehend aus zu kurzem oder zu langem Schlaf, spätem Chronotyp, starkem Schnarchen sowie häufiger Schlaflosigkeit oder Tagesmüdigkeit, war mit einem um 22% gesteigerten Risiko assoziiert.

An der Genetik liegt es anscheinend nicht

In einer zusätzlichen Analyse wurden Zwillinge einander gegenübergestellt, die sich sowohl bezüglich ihrer Schlafgewohnheiten als auch ihrer kardiovaskulären Gesundheit unterschieden, um mögliche Einflüsse durch genetische oder frühkindliche Umweltfaktoren zu untersuchen. Die Ergebnisse ähnelten jedoch denen der vorherigen Analyse, was darauf hinweist, dass genetische und frühkindliche Faktoren die Assoziationen zwischen Schlafgewohnheiten und kardiovaskulären Erkrankungen eher nicht beeinflussen. Allerdings war die Teilnehmerzahl dieser Analyse begrenzt, sodass die Ergebnisse vorsichtig interpretiert werden sollten.

„Die biologischen Mechanismen hinter den beobachteten Assoziationen zwischen Schlaf und Herzgesundheit sind komplex und müssen noch weiter erforscht werden“, so Wang et al. Es gebe Hinweise darauf, dass schlechter oder zu wenig Schlaf Insulinresistenz auslösen, die Leptinsekretion verringern, Entzündungsprozesse begünstigen, die Aktivität des sympathischen Nervensystems erhöhen und den zirkadianen Rhythmus stören könne. Das begünstige das Auftreten kardiovaskulärer Risikofaktoren wie Diabetes, Adipositas, Atherosklerose und Bluthochdruck. 

Weist langer Schlaf auf andere Ursachen hin?

„Längeres Schlafen könnte jedoch darauf hinweisen, dass medizinische, neurologische oder psychische Untersuchungen notwendig sind, insbesondere bei älteren Menschen“, geben die Forschenden um Wang zu bedenken. Subklinische Erkrankungen, die sich durch ein hohes Schlafbedürfnis manifestieren, könnten die eigentlich Ursache für Herzerkrankungen sein.

Zudem könne die Aktivierung des sympathischen Nervensystems nach einem Mittagsschlaf zu einem schnellen Anstieg des Blutdrucks und der Herzfrequenz führen. Ein längeres Nickerchen könne Tiefschlaf außerhalb des normalen Schlafzyklus begünstigen, wodurch der zirkadiane Rhythmus gestört werde. „Unsere Ergebnisse unterstützen die Annahme, dass eine Schlafdauer von sieben bis neun Stunden und ein gesundes Schlafmuster die Entwicklung kardiovaskulärer Erkrankungen verhindern könnten“, fassen Wang et al. zusammen.

Literatur

Wang Z et al. Association of Sleep Duration, Napping, and Sleep Patterns With Risk of Cardiovascular Diseases: A Nationwide Twin Study. Journal of the American Heart Association 2022. https://doi.org/10.1161/JAHA.122.025969

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