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16.05.2019 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Lange leben, kardiovaskuläres Risiko senken

Ernährungsmedizinisches Update 2020

Autor:
Joana Schmidt

Gesundes Essen reduziert das Risiko für viele kardiovaskuläre Erkrankungen. Prof. Johannes Wechsler, Präsident des Bundesverbandes deutscher Ernährungsmediziner, berichtete bei der 125. DGIM-Jahrestagung in Wiesbaden über die neuesten Erkenntnisse der Ernährungsmedizin.

Adipositas, Schlaganfall, koronare Herzkrankheit – das sind nur drei Beispiele für folgenschwere Erkrankungen, deren Risiko sich durch gesunde Ernährung verringern lässt. Bewusstes Essen ist jedoch immer auch ein Kampf gegen die Evolution. Unsere Vorfahren mussten essen, wenn es Nahrung gab. Wer Fett für schlechte Zeiten am besten speichern konnte, hat diese überlebt.

„Ob Sie 5% mehr Kohlenhydrate oder Fett essen ist völlig egal, die Menge macht’s. Der Mensch kann Mischkost mit Fett, Eiweiß und Kohlenhydraten optimal verwerten, hinten kommt keine Kalorie mehr raus“, sagte Prof. Johannes Wechsler beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Täglich brauchen wir rund 30 Kalorien pro Kilogramm Körpergewicht, im Schnitt nehmen wir jedoch 500 Kalorien mehr auf. Wer die nicht durch zusätzliche Bewegung verbrennt, nimmt zu.

Mediterrane Diät kann Mortalitätsrisiko senken

„Viele Studien zeigen, dass eine Umstellung auf Mittelmeerkost mit pflanzlichem Fett eindeutig Vorteile hat. Auch Nüsse sind wichtig“, so Wechsler. Die mediterrane Diät reduziere das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall um etwa 40%. Rotes Fleisch stehe stark im Verdacht, Krebs zu verursachen, weißes Fleisch etwas weniger.

Zucker soll maximal 7% des Energiebedarfs decken

Der Zuckerverbrauch in Deutschland hat in den vergangenen Jahren in ungesundem Umfang zugenommen. Ob er sich besser durch verstärkte Zuckersteuern oder eine Ampel-Kennzeichnung der Lebensmittel reduzieren lasse, werde noch von Experten diskutiert. „Im Moment wird empfohlen, dass Zucker maximal 7% des täglichen Energiebedarfs ausmacht. Bei 2000 Kalorien bedeutet das höchstens 50g Zucker in verarbeiteter Form“, erläuterte Wechsler.

Kleie gleicht Ballaststoffmangel aus

Obwohl Ballaststoffe essentiell für unsere Gesundheit sind, essen die meisten Menschen zu wenig davon. Sie sind zum Beispiel in Haferkleie enthalten, was sich bei Diabetes positiv auf den Cholesterinspiegel und die Blutzuckerwerte auswirkt. Genug Ballaststoffe aufzunehmen, könne das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen um bis zu 50% reduzieren, zeige die EPIC-Studie. Erwachsene sollten mindestens 30g Ballaststoffe pro Tag zu sich nehmen. „Wenn Sie das mit Ihrer Ernährung schaffen ist es gut, nehmen Sie anderenfalls Weizenkleie und etwas Haferkleie dazu“, riet Wechsler.

Keine eindeutige Datenlage bei Omega-3-Fettsäuren

Omega-3-Fettsäuren seien in vielen Funktionen als wissenschaftlich wirksames Therapieprinzip belegt. Eine Langzeitstudie habe jedoch gezeigt, dass 1g Omega-3-Fettsäuren pro Tag sich über rund fünf Jahre nicht signifikant auf Krebs und kardiovaskuläre Erkrankungen auswirke. „Das ist noch nicht endgültig geklärt, möglicherweise war die Dosierung zu niedrig“, kommentierte Wechsler.

Schokolade kann kardiovaskuläres Risiko verringern

„Gesichert in der Medizin ist, dass sich sekundäre Pflanzenstoffe wie in Kakao und dunkler Schokolade günstig auf koronare Herzerkrankungen auswirken. Sie können das Risiko dafür um bis zu 30% senken“, so Wechsler. Gleiches gelte für Nüsse: Zahlreiche Studien zeigen, dass täglich eine Handvoll Nüsse die Infarktraten um bis zu 30% verringern könne.

Salz reduzieren, Jod nicht vergessen

Ein Großteil der Deutschen nimmt zu viel Salz zu sich. Die Hypertoniegesellschaften empfehlen maximal 5g täglich. „Weichen Sie auf Gewürze und Kräuter aus. Wenn Sie die Jodversorgung decken wollen, können Sie das mit 150g Fisch dreimal pro Woche erreichen oder sie substituieren Jodid100“, riet Wechsler. Der Bedarf sei mit 100-200µg Jod definiert, während wir durchschnittlich nur 70µg mit der Nahrung aufnehmen.

Konservative Adipositastherapie auf dem Vormarsch

Über die Hälfte der Deutschen ist übergewichtig, etwa 30% von ihnen sind adipös, Tendenz steigend. Ein Problem sei gewesen, dass konservative Therapieansätze nicht finanziert wurden, was in Zukunft nachgeholt werden solle, so Wechsler. „Wir müssen kritischer mit bariatrischen Operationen wie einer Magenverkleinerung umgehen. Denn diese Patienten haben fünf bis sieben Mal höhere Suizidraten, 40% benötigen eine erneute Operation und rund 50% weisen danach Hypoglykämien auf.“

Können wir 150 Jahre alt werden?

„Derzeit liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei 80 Jahren, biologisch sind wir bei 120 Jahren, erreichbar sind 150 Jahre – Studien haben eindeutig belegt, dass es möglich ist, die Lebenserwartung um 30% zu verlängern“, sagte Wechsler. Förderlich für ein langes, gesundes Leben seien der Verzicht auf Nikotin, Drogen, Alkohol und Zuckerreduktion, zudem ausreichend Bewegung, rund 7000 Schritte täglich. Bei der Ernährung sei empfehlenswert maximal 60% Kohlenhydrate, maximal 30% Fett und 10 bis 20% Eiweiß aufzunehmen. 

Der BMI solle etwa zwischen 20 und 25 liegen. „Fahren Sie immer ein bisschen auf Sparflamme, indem Sie etwas weniger Kalorien aufnehmen als Sie brauchen, das heißt etwa 20 Kalorien pro Kilogramm Körpergewicht täglich“, sagte Wechsler. Er riet täglich etwa drei Liter zu trinken, bei niedrigen Jod- und Vitamin-D-Werten diese durch Nahrungsergänzungsmittel zu substituieren und empfahl Probiotika. Die Kochsalzzufuhr solle 5g pro Tag nicht überschreiten, zudem sei es wichtig, über die Nahrung genug Ballaststoffe und Kalzium aufzunehmen. „Wenn Sie sich daran halten, haben Sie eine gute Perspektive lange zu leben und gesund zu bleiben“, so Wechsler.

Literatur

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