Nachrichten 05.03.2018

FDA warnt vor Clarithromycin bei Herzpatienten

Jetzt doch: Die US-Zulassungsbehörde FDA rät auf Basis schon länger bekannter Daten, bei Herzpatienten, die Antibiotika benötigen, auf Clarithromycin zu verzichten. Mögliche Mechanismen bleiben unklar.

Manchmal mahlen die Behördenmühlen langsam. Im Dezember 2005 hatten die Ergebnisse der placebokontrollierten CLARICOR-Studie einen ersten Schatten auf den Einsatz von Clarithromycin bei Herzpatienten geworfen. Die dänische Studie, an der damals über 4.000 Patienten teilnahmen, sollte eigentlich zeigen, dass eine kurzfristige Antibiotikatherapie mit Clarithromycin über zwei Wochen Reinfarkte verringert.

Das Ganze lief vor dem Hintergrund der mittlerweile kaum noch beforschten Chlamydien-Hypothese, wonach eine Atherosklerose durch eine chronische Infektion mit Chlamydien mitverursacht sei. Nach einem Jahr war in der CLARICOR-Studie entgegen den Erwartungen oder Hoffnungen die Rate kardiovaskulärer Ereignisse sogar leicht erhöht gewesen, und nach drei Jahren war der Unterschied dann auch statistisch signifikant zuungunsten von Clarithromycin.

Grund: 10-Jahres-Daten der CLARICOR-Studie

Die FDA machte damals auf die Ergebnisse aufmerksam, unternahm aber keine weiteren Schritte. Die europäischen Behörden hatten sich gar nicht geäußert, und das ganze Thema geriet ein wenig in Vergessenheit. Die FDA begründet die jetzige erneute Warnung, die diesmal mit einer Veränderung der Packungsbeilagen einhergehen wird, mit den 10-Jahres-Daten der CLARICOR-Studie, die mittlerweile vorlägen.

Die wurden streng genommen allerdings auch schon vor drei Jahren publiziert. Im engeren Sinne neue Daten gibt es also nicht. Die 10-Jahres-Ergebnisse von CLARICOR zeigten eine Erhöhung der Gesamtmortalität um 10% über 10 Jahre, und eine Erhöhung der kardiovaskulären Mortalität um 19%. Letzteres erreichte das statistische Signifikanzniveau, ersteres war gerade der Grenze. Der Unterschied wird dann auch getrieben durch kardiovaskuläre Todesereignisse, und zwar von Patienten, die keine Statine einnahmen und die in den ersten drei Jahren nach Therapie verstarben. In den letzten vier Jahren des Untersuchungszeitraums war die kardiovaskuläre Mortalität in der Clarithromycin-Gruppe geringer.

Die FDA betont, dass sie keine Ahnung habe, warum Clarithromycin das Todesrisiko bei Herzpatienten erhöhen könnte. Auf Basis der begrenzten Daten werden nun dennoch eine Warnung ausgesprochen. Ärzten wird empfohlen, bei Herzpatienten mit bakteriellen Infektionen auf andere Antibiotika auszuweichen.

Literatur

22. Februar 2018; Clarithromycin (Biaxin): Drug Safety Communication - Potential Increased Risk of Heart Problems or Death in Patients With Heart Disease

Winkel P et al. Clarithromycin for stable coronary heart disease increases all-cause and cardiovascular mortality and cerebrovascular morbidity over 10 years in the CLARICOR randomised, blinded clinical trial. Int J Cardiol 2015; 182:459-65

Zurzeit meistgelesene Artikel

Highlights

STEMI – mein Alptraum – aus Fehlern lernen

PD Dr. Michael Kreußer, UK Heidelberg

Erstes Antidot gegen Faktor-Xa-Hemmer jetzt in Deutschland verfügbar

Andexanet-alfa, das erste in der EU zugelassene Faktor-Xa-Inhibitor-Antidot zur Behandlung lebensbedrohlicher Blutungen bei Antikoagulation mit  Rivaroxaban oder Apixaban, ist seit dem 1. September verfügbar, teilt die Portola Deutschland GmbH mit

Neuartiger Lipidsenker besteht Test in erster Phase-III-Studie

Über positive „Top Line“-Ergebnisse  der ersten Phase-III-Studie zur Wirksamkeit und Sicherheit des innovativen Cholesterinsenkers Inclisiran  informiert aktuell der Hersteller. Im Detail wird die Studie in Kürze beim europäischen Kardiologenkongress vorgestellt.

Aus der Kardiothek

Live Cases

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Bildnachweise
Vortrag von M. Kreußer/© DGK 2019
Vortrag von Ch. Liebetrau/© DGK 2019
Diskussion P. Stachon vs. R. Autschbach/© DGK 2019
Vortrag von T. Schmidt/© DGK 2019
Vortrag von St. Massberg/© DGK 2019
DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt
Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018/© DGK 2018
Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018/© DGK