Skip to main content
main-content

05.03.2018 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Erhöhtes kardiovaskuläres Risiko?

FDA warnt vor Clarithromycin bei Herzpatienten

Autor:
Philipp Grätzel

Jetzt doch: Die US-Zulassungsbehörde FDA rät auf Basis schon länger bekannter Daten, bei Herzpatienten, die Antibiotika benötigen, auf Clarithromycin zu verzichten. Mögliche Mechanismen bleiben unklar.

Manchmal mahlen die Behördenmühlen langsam. Im Dezember 2005 hatten die Ergebnisse der placebokontrollierten CLARICOR-Studie einen ersten Schatten auf den Einsatz von Clarithromycin bei Herzpatienten geworfen. Die dänische Studie, an der damals über 4.000 Patienten teilnahmen, sollte eigentlich zeigen, dass eine kurzfristige Antibiotikatherapie mit Clarithromycin über zwei Wochen Reinfarkte verringert.

Das Ganze lief vor dem Hintergrund der mittlerweile kaum noch beforschten Chlamydien-Hypothese, wonach eine Atherosklerose durch eine chronische Infektion mit Chlamydien mitverursacht sei. Nach einem Jahr war in der CLARICOR-Studie entgegen den Erwartungen oder Hoffnungen die Rate kardiovaskulärer Ereignisse sogar leicht erhöht gewesen, und nach drei Jahren war der Unterschied dann auch statistisch signifikant zuungunsten von Clarithromycin.

Grund: 10-Jahres-Daten der CLARICOR-Studie

Die FDA machte damals auf die Ergebnisse aufmerksam, unternahm aber keine weiteren Schritte. Die europäischen Behörden hatten sich gar nicht geäußert, und das ganze Thema geriet ein wenig in Vergessenheit. Die FDA begründet die jetzige erneute Warnung, die diesmal mit einer Veränderung der Packungsbeilagen einhergehen wird, mit den 10-Jahres-Daten der CLARICOR-Studie, die mittlerweile vorlägen.

Die wurden streng genommen allerdings auch schon vor drei Jahren publiziert. Im engeren Sinne neue Daten gibt es also nicht. Die 10-Jahres-Ergebnisse von CLARICOR zeigten eine Erhöhung der Gesamtmortalität um 10% über 10 Jahre, und eine Erhöhung der kardiovaskulären Mortalität um 19%. Letzteres erreichte das statistische Signifikanzniveau, ersteres war gerade der Grenze. Der Unterschied wird dann auch getrieben durch kardiovaskuläre Todesereignisse, und zwar von Patienten, die keine Statine einnahmen und die in den ersten drei Jahren nach Therapie verstarben. In den letzten vier Jahren des Untersuchungszeitraums war die kardiovaskuläre Mortalität in der Clarithromycin-Gruppe geringer.

Die FDA betont, dass sie keine Ahnung habe, warum Clarithromycin das Todesrisiko bei Herzpatienten erhöhen könnte. Auf Basis der begrenzten Daten werden nun dennoch eine Warnung ausgesprochen. Ärzten wird empfohlen, bei Herzpatienten mit bakteriellen Infektionen auf andere Antibiotika auszuweichen.

Literatur

Zurzeit meistgelesene Artikel

Highlights

17.09.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Highlights | Video

Schlaganfall bei Katheterablation: Was ist zu tun? Ein Fallbeispiel

Schlaganfälle gehören zu den schlimmsten Komplikationen bei Katheterablationen. Anhand eines Fallbeispiels erläutert PD. Dr. Charlotte Eitel, wie man vorgehen sollte, von der Diagnostik, dem Notfallmanagement bis zur Wiederaufnahme der Antikoagulation.

10.09.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

S3-Leitlinie infarktbedingter kardiogener Schock: Die beste Revaskularisations-Strategie

Mehrgefäß- oder Einfach-PCI beim infarktbedingten kardiogenen Schock, welcher Stent und welcher Zugangsweg sind optimal? Prof. Malte Kelm erläutert, was dazu in der S3-Leitlinie steht. 

Aus der Kardiothek

17.09.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Highlights | Video

Schlaganfall bei Katheterablation: Was ist zu tun? Ein Fallbeispiel

Schlaganfälle gehören zu den schlimmsten Komplikationen bei Katheterablationen. Anhand eines Fallbeispiels erläutert PD. Dr. Charlotte Eitel, wie man vorgehen sollte, von der Diagnostik, dem Notfallmanagement bis zur Wiederaufnahme der Antikoagulation.

14.09.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

Komplikation Perikardtamponade – was ist zu tun?

Eine typische Komplikation von Katheterablationen  sind Perikardtamponanden. Wie Sie diese erkennen und behandeln, erklärt PD. Dr. Andreas Metzner

13.09.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

Notfall kardiogener Schock – Komplikationen erkennen und richtig behandeln

Mechanische Infarktkomplikationen sind oft tödlich. Prof. Uwe Janssens erläutert, welche Maßnahmen Sie in solch schwierigen Situationen ergreifen sollten, alles zum Komplikationsmanagement und Intensivmedizin.

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Interventioneller Verschluss eines Atriumseptumdefekts

Vortrag Prof. Dr. Horst Sievert Jahrestagung DGK 2018

Bei einem 56-jährigen Patienten wird zufällig ein Atriumseptumdefekt festgestellt.  Prof. Horst Sievert und sein Team vom St. Katharinen-Krankenhaus in Frankfurt entscheiden sich für einen interventionellen Verschluss. Sie finden dabei ein weiteres Loch. Was ist zu tun? Für welches Device sich das Team entscheidet und wie sie genau vorgehen, erfahren Sie in diesem Video. 

Bildnachweise