Nachrichten 21.07.2020

Gehen kardiovaskuläre Risikofaktoren mit kognitiven Einbußen im mittleren Alter einher?

Kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und Rauchen sind einer neuen Studie zufolge mit einem signifikant erhöhten Risiko für einen beschleunigten kognitiven Abbau in der Lebensmitte assoziiert.

US-amerikanische Forscher stellten fest, dass das Risiko für eine Verschlechterung der kognitiven Fähigkeiten bei Rauchern um 65%, bei Personen mit Bluthochdruck um 87% und bei Diabetikern um 145% erhöht war, verglichen mit Menschen ohne diese Risikofaktoren. Der beobachtete Effekt scheint viel früher aufzutreten, als bisher angenommen.

Die Untersuchung sei eine der ersten, die sich mit den möglichen Auswirkungen der Risikofaktoren auf die kognitiven Fähigkeiten im relativ jungen Alter von durchschnittlich 50 Jahren befasst habe, so die Forscher um Dr. Kristine Yaffe von der Universität Kalifornien in San Francisco. Bisher gab es lediglich Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang von kardiovaskulären Risikofaktoren und kognitivem Abbau und Demenz im späteren Leben.

Die Forscher analysierten Daten von fast 2.700 Personen, deren kardiovaskuläre Risikofaktoren zu Studienbeginn und fünf Jahre später bewertet wurden. Zu beiden Zeitpunkten absolvierten die Teilnehmer zudem kognitive Tests, in denen Fähigkeiten wie schnelle Auffassungsgabe, Selbstkontrolle, Lernfähigkeit und Erinnerungsvermögen beurteilt wurden. Bei Studienstart galten 43% der Teilnehmer als übergewichtig, 31% hatten Bluthochdruck, 15%  waren Raucher, 11% hatten Diabetes und 9% einen hohen Cholesterinspiegel.

Je mehr Risikofaktoren, desto schlechtere Prognose

Bei 5% der Teilnehmer war der kognitive Abbau über die untersuchten fünf Jahre beschleunigt. Die Wahrscheinlichkeit einer Verschlechterung der kognitiven Fähigkeiten war mit Risikofaktoren höher als ohne: Bei Bluthochdruck betrug das Risiko 7,5% gegenüber 4,3%, bei Diabetes 10,3% gegenüber 4,7% und bei Rauchern 7,7% gegenüber 4,3%. Nach Anpassungen an Faktoren wie Alter oder Geschlecht blieben die Assoziationen signifikant. Ein hoher Cholesterinspiegel und Übergewicht schienen dagegen keinen signifikanten Effekt zu haben.

Im Vergleich zu Teilnehmern ohne Risikofaktoren war die Wahrscheinlichkeit für einen beschleunigten kognitiven Abbau bei Personen mit einem oder zwei Risikofaktoren um 94% und bei drei oder mehr Risikofaktoren sogar um 251% gesteigert.

„Die Studienergebnisse liefern gute Gründe, Patienten mit Risikofaktoren bei Blutdrucksenkungen, Rauchstopps und der Diabeteskontrolle zu unterstützen“, so Yaffe und Kollegen. Sie planen weitere Untersuchungen, um zu klären, ob der frühe kognitive Abbau mit einer stärkeren Verschlechterung im späteren Leben assoziiert ist und ob das Behandeln der Risikofaktoren in der Lebensmitte eine spätere Demenz verhindern oder verlangsamen kann.

Literatur

Yaffe K et al. Cardiovascular Risk Factors and Accelerated Cognitive Decline in Midlife: the CARDIA Study. Neurology 2020. https://doi.org/10.1212/WNL.0000000000010078

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