Nachrichten 16.07.2021

Gemeinsam gegen Burnout: Neue Stellungnahme kardiologischer Fachgesellschaften

Die weltweite Burnout-Rate unter Kardiologen steigt. Eine Stellungnahme des American College of Cardiology, der American Heart Association, der European Society of Cardiology und der World Heart Federation beleuchtet Ursachen und Folgen und liefert Verbesserungsvorschläge.

Ob durch neue Technologien, regulatorische Rahmenbedingungen oder wachsenden bürokratischen Aufwand – in den vergangenen Jahrzehnten hat sich im Gesundheitswesen vieles verändert. Diese Entwicklungen wirken sich negativ auf das Wohlbefinden und die Work-Life-Balance von Klinikern aus, stellen die führenden Fachgesellschaften in ihrem gemeinsamen Papier fest. Die COVID-19-Pandemie habe die Belastung zusätzlich verstärkt. Deshalb fordern die Mediziner in der Stellungnahme Maßnahmen, um die Arbeitssituation und damit das Wohlbefinden von Ärzten weltweit zu verbessern.

Kardiologen-Umfrage: Ein Viertel ausgebrannt

In einer aktuellen Umfrage unter fast 2.300 US-amerikanischen Kardiologen und Anwärtern berichtete mehr als ein Viertel über ein Burnout und fast die Hälfte der Befragten fühlte sich gestresst. Nur knapp 24% gaben an, dass ihnen ihre Arbeit Spaß mache. Frauen waren häufiger von einem Burnout betroffen als Männer. Kardiologen in der Mitte der Karriere litten häufiger unter Burnout-Symptomen als Einsteiger oder Ärzte kurz vor dem Ruhestand. Die betroffenen Personen fühlten sich an ihrem Arbeitsplatz seltener wertgeschätzt oder fair behandelt.

Als Ursachen für ein Burnout bei Kardiologen nennen die Fachgesellschaften in ihrer Stellungnahme fehlende Kontrolle über die Arbeitsbelastung, ein hektisches Arbeitsumfeld, falsche Werteorientierung und unzureichende Dokumentationszeit. Zudem seien Frauen in der Kardiologie unterrepräsentiert, was zusätzliche Stressfaktoren schaffen könne, die zu einem Burnout beitragen. Dazu zählen fehlende Karriereförderung, Ungleichheiten bei Einkommen und Betreuung sowie Arbeit in einem Umfeld, in dem es an Vielfalt, Gerechtigkeit oder Teamgeist mangele.

Persönliche und berufliche Folgen verhindern

Ein Burnout kann schwere persönliche und berufliche Folgen nach sich ziehen. Zu den persönlichen Auswirkungen gehört ein höheres Risiko für Alkoholmissbrauch, Drogenkonsum, Zerbrechen von Beziehungen, Depressionen und Suizid. Zu den beruflichen Folgen zählen höhere Raten an medizinischen Fehlern, eine schlechtere Versorgungsqualität, geringere Patientenzufriedenheit, aggressives oder anderweitig störendes Verhalten sowie ein Verlust an Professionalität und Empathie. Um das zu verhindern, appellieren die Autoren des Papiers um Prof. Laxmi Mehta von der Ohio State University an medizinische Einrichtungen und Fachgesellschaften, Strategien zur Burnout-Prävention bei Ärzten umzusetzen.

Die vorgeschlagenen Präventionsstrategien für medizinische Einrichtungen sind:

- Unterstützung der psychosozialen Gesundheit der Mitarbeiter und das Übernehmen von Verantwortung für einen ganzheitlichen Ansatz

- Schaffen einer organisatorischen Infrastruktur, in der Kliniker erfolgreich sein können

- das Etablieren einer Struktur, die vertrauliche Meldungen bei Problemen am Arbeitsplatz ermöglicht, genauso wie Zugang zu psychiatrischer Versorgung, ohne stigmatisiert zu werden

Für medizinische Fachgesellschaften werden folgende Präventionsstrategien vorgeschlagen:

- weiterhin Empfehlungen für medizinische Einrichtungen auszusprechen und für sinnvolle Änderungen in der Gesundheitspolitik einzutreten

- Fachspezifische Tools zu entwickeln, die auf einfache Weise die Effizienz im Alltag verbessern oder das Wissen des medizinischen Personals erweitern können

- Initiativen zu Vielfalt und Inklusion durchzuführen, um das Gefühl von Wertschätzung und Zugehörigkeit zu verbessern

„Als Kliniker streben wir kontinuierlich danach, die Gesundheit unserer Patienten zu verbessern, gleichzeitig ist uns bewusst, dass unser eigenes Wohlergehen für eine optimale Versorgung von großer Bedeutung ist“, fassen Mehta und Kollegen zusammen. Die ganze Stellungnahme finden Sie hier, in einem weiteren Artikel gibt es Tipps bei drohender Überlastung im Klinikalltag.

Literatur

Mehta L et al. Clinician Well-Being: Addressing Global Needs for Improvements in the Health Care Field A Joint Opinion From the American College of Cardiology, American Heart Association, European Society of Cardiology, and the World Heart Federation. Journal of the American College of Cardiology 2021. https://doi.org/10.1016/j.jacc.2021.04.043

ACC-Pressemitteilung: Leading Cardiovascular Organizations Issue Joint Opinion on Improving Clinician Well-Being Worldwide. 13.07.2021

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