Skip to main content
main-content

22.08.2018 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Gewichtszunahme mindert nicht gesundheitliche Vorteile eines Rauchstopps

Autor:
Peter Overbeck

Die Sorge von Ex-Raucher,  dass eine auf den Rauchverzicht folgende Gewichtszunahme die gesundheitlichen Vorteile der Nikotinabstinenz wieder zunichtemachen könnte, scheint unbegründet zu sein, wie Ergebnisse einer neuen Studie nahelegen. 

Nicht wenige Raucher machen nach Aufgabe des Tabakkonsums die unangenehme Erfahrung, dass sie an Leibesfülle zunehmen. Die gesundheitlichen Folgen scheinen aber in diesem Fall nicht besorgniserregend zu sein: Zwar steigt in Abhängigkeit vom Ausmaß der Gewichtszunahme vorübergehend das Risiko für die Entwicklung eine Typ-2-Diabetes – die mit dem Rauchstopp einhergehende Abnahme von kardiovaskulären Erkrankungen und Mortalität scheint aber davon nicht tangiert zu sein, wie US-amerikanische und chinesische Forscher jetzt in einer im  „New England Journal of Medicine“ hochrangig publizierten Studie herausfanden. 

Drei Kohortenstudien als Datenbasis 

Basis ihrer Analyse bildeten Daten aus drei US-Kohortenstudien, an denen jeweils im US-Gesundheitswesen beschäftigte Personen beteiligt waren (Nurses' Health Study, Nurses' Health Study II und die Health Professionals Follow-up Study). Daten von 162.807 Teilnehmern wurden zur Analyse des Diabetesrisikos und Daten von 170.723 Teilnehmern zur Analyse der Mortalität herangezogen. 

In der Zeit der Nachbeobachtung (im Mittel 19,6 Jahre) wurden 12.384 Fälle eines neu aufgetretenen Type-2-Diabetes identifiziert und gesichert. Ex-Raucher, die längere Zeit Rauchverzicht geübt und an Gewicht zugelegt hatten,  hatten im Vergleich zu Rauchern ein erhöhtes Diabetesrisiko (Hazard Ratio 1,22; 95% Konfidenzintervall [CI], 1,12 – 1,32). Das Risiko war allerdings nur in den ersten fünf bis sieben Jahren nach dem Rauchstopp erhöht und nahm danach graduell ab. Nach 30 Jahren entsprach das Risiko von Ex-Rauchern dem von Nichtrauchern. 

Diabetesrisiko proportional zur Gewichtszunahme 

Die vorübergehende Zunahme des Diabetesrisikos stand in direkter proportionaler Beziehung zur Gewichtszunahme: Die entsprechende Hazard Ratio für eine Diabetes-Entwicklung im Vergleich zu Rauchern war bei Ex-Rauchern ohne Gewichtszunahme so gut wie nicht erhöht (HR 1,08; 95% CI 0,93 -1,26),  bei Ex-Rauchern mit relativ geringer Gewichtszunahme (0,1 – 5,0 kg) leicht erhöht (HR 1,15: 95% CI 0,99 – 1,33), bei Ex-Rauchern mit stärkerer Gewichtszunahme (5,1 – 10,0 kg) schon deutlich erhöht (HR 1,36; 95% CI 1,16 – 1,58) und bei Ex-Rauchern mit starker Gewichtzunahme (mehr als 10 kg) relativ am höchsten (HR 1,59; 95% CI 1,36 – 1,85). 

Gewichtsveränderungen ohne Bezug zur Mortalität

Im Gegensatz zur Diabetes-Entwicklung war im Hinblick auf die kardiovaskulär bedingte Mortalität keine gleichzeitige  Risikozunahme nach Rauchstopp  feststellbar – egal, ob das Körpergewicht zugenommen hatten oder nicht. Vielmehr war das Risiko für die kardiovaskuläre Mortalität bei Ex-Rauchern unabhängig von Gewichtsveränderungen durchweg niedriger als bei den weiterhin rauchenden Teilnehmern: Die entsprechende Hazard Ratio betrug  0,69 (95% CI 0,54 – 0,88) bei Rauchverzicht ohne Gewichtzunahme, 0,47 (95% CI 0,35 – 0,63) bei Ex-Rauchern mit relativ geringer Gewichtszunahme (0,1 – 5,0 kg, 0,25 (95% CI 0,15 – 0,42) bei  Ex-Rauchern mit stärkerer Gewichtszunahme von 5,1 bis 10,0 kg und  0,33 (95% CI 0,18 – 0,60) bei Ex-Rauchern, die mehr als 10,0 kg zunahmen. 

Die Analyse zeige, dass eine  Gewichtszunahme nach Rauchverzicht dessen günstige Wirkung auf kardiovaskuläre Mortalität und Gesamtmortalität nicht beeinträchtigt, schlussfolgern die Studienautoren. Gleichwohl sollten starke Gewichtszunahmen vermieden werden, um über die Verhinderung einer Diabetes-Entwicklung den langfristigen gesundheitlichen Nutzen des Rauchverzichtss möglichst noch zu maximieren.

Literatur

Zurzeit meistgelesene Artikel

Highlights

05.12.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

So führen Sie Sonden-Extraktionen erfolgreich durch

Eine Sonden-Explantation ist nicht einfach, vor allem, weil die Patienten immer älter und kränker werden. Mit welchen Hilfsmitteln Sie die Prozedur trotzdem erfolgreich durchführen können, erklärt Prof. Michael Knaut.

04.12.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Knifflige Situationen nach Sonden-Extraktionen

Was tun, wenn bei Anzeichen einer Sonden-Infektion kein Erreger nachweisbar ist. Und was macht man, wenn nach der Explantation Überbleibsel (Ghosts) zu sehen sind?  Dr. Götz Buchwalsky erklärt den richtigen Umgang mit solchen Problemsituationen. 

Aus der Kardiothek

05.12.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

So führen Sie Sonden-Extraktionen erfolgreich durch

Eine Sonden-Explantation ist nicht einfach, vor allem, weil die Patienten immer älter und kränker werden. Mit welchen Hilfsmitteln Sie die Prozedur trotzdem erfolgreich durchführen können, erklärt Prof. Michael Knaut.

04.12.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Knifflige Situationen nach Sonden-Extraktionen

Was tun, wenn bei Anzeichen einer Sonden-Infektion kein Erreger nachweisbar ist. Und was macht man, wenn nach der Explantation Überbleibsel (Ghosts) zu sehen sind?  Dr. Götz Buchwalsky erklärt den richtigen Umgang mit solchen Problemsituationen. 

09.11.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Sollte jede nicht-aktive Sonde explantiert werden?

Es kann gefährlich sein, stillgelegte Sonden nicht sofort zu entfernen. Aber nicht bei jedem Patienten ist eine frühe Explantation sinnvoll. Was Prof. Thomas Blum empfiehlt, hören Sie in diesem Vortrag.

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Bildnachweise