Nachrichten 04.08.2022

Starke Zunahme von Herzerkrankungen in den USA erwartet

In den kommenden Jahrzehnten werde in den USA das Ausmaß an kardiovaskulären Risikofaktoren und Erkrankungen in der Bevölkerung erheblich zunehmen, prognostizieren US-Forscher. Dieser Trend wird nach ihrer Schätzung aber nicht alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen betreffen.

Bis zum Jahr 2060 wird die Prävalenz sowohl von kardiovaskulären Risikofaktoren als auch von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den USA deutlich zunehmen. Zu diesem wenig erfreulichen Ausblick gelangt eine US-Forschergruppe um James L. Januzzi, Massachusetts General Hospital und Harvard Medical School in Boston, auf der Grundlage einer aktuell im kardiologischen Fachblatt „JACC“ publizierten Studie.

Dafür hat die Gruppe neueste Informationen zu kardiovaskulären Risikofaktoren und Krankheiten in der US-Bevölkerung, die auf Daten des US National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) gründen, kombiniert mit 2020 veröffentlichten Projektionen des U.S. Census Bureau bezüglich künftiger, nach Alter, Geschlecht und ethnischer Zugehörigkeit differenzierter Bevölkerungszahlen im Zeitraum zwischen 2025 und 2060.

Zunahme von Diabetes-Erkrankungen um 40% erwartet

Die aus der Analyse resultierten Prognosen sind ziemlich ernüchternd. Sie geht die Forschergruppe um Januzzi davon aus, dass in den USA zwischen 2025 und 2060 die Zahl der Personen mit Diabetes mellitus um 39,3% ansteigen wird (von 39,2 auf 54,6 Millionen). Bei den von Bluthochdruck Betroffenen wird eine Zunahme um 27,2% erwartet (von 127,8 auf 162,5 Millionen). Ähnlich hoch ist mit 27,5% der vorausgesagte Anstieg beim Risikofaktor Dyslipidämie (von 98,6 auf 125,7 Millionen). Für die Zahl der Menschen mit Adipositas wird eine Zunahme um 18,3% prognostiziert (von 106,3 auf 125,7 Millionen).

Auch bei der Prävalenz von vier kardiovaskulären Erkrankungen ergaben sich in den Projektionen ausnahmslos deutliche Zunahmen. So wird für die Zeit zwischen 2025 und 2060 in den USA ein Anstieg von ischämischen Herzerkrankungen um 31,1% (von 21,9 auf 28,7 Millionen) erwartet. Die Zahl der Menschen mit Herzinsuffizienz werde um 33,0% (von 9,7 auf 12,9 Millionen), die der Menschen mit Myokardinfarkt um 30,1% (von 12,3 auf 16,0 Millionen) und die der vom Schlaganfall betroffenen Personen um 34,3% (von 10,8 auf 14,5 Millionen) zunehmen, so die Gruppe um Januzzi.

Ethnische Minderheit laut Prognose überproportional betroffen

Nach ihrer Schätzung wird sich die für die US-Gesamtbevölkerung prognostizierte Entwicklung aber nicht in allen Bevölkerungsgruppen gleichermaßen vollziehen. In der weißen Bevölkerung („white individuals“) der USA könnte die Belastung durch kardiovaskuläre Risikofaktoren und Erkrankungen sogar tendenziell abnehmen. Dagegen werde es in ethnischen Minderheiten wie der afroamerikanischen Bevölkerungsgruppe („blacks“) und der hispanoamerikanischen Bevölkerung („hispanics“) eine überproportionale Zunahme geben, prognostizieren die US-Forscher.

Sie hoffen, dass die besorgniserregenden Ergebnisse ihre Analyse als „Weckruf“ in Kreisen der politisch Verantwortlichen gebührende Beachtung finden und dazu führen werden, dass Maßnahmen wie eine Verbesserung der kardiovaskulären Prävention und die Schaffung eines besseren und kostengünstigeren Zugangs zur Gesundheitsversorgung für bestimmte Bevölkerungsschichten ergriffen werden, um die prognostizierte Entwicklung nicht Realität werden zu lassen.

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