Nachrichten 15.02.2019

Langes Leben: Fitness verrät mehr als das Alter

Das chronologische Alter ist zwar ein zuverlässiger Indikator für das Sterberisiko. Eine neue Studie ergab jedoch, dass das physiologische Alter mehr darüber aussagt, wie lange jemand leben wird. Es basiert auf der körperlichen Fitness und wird mithilfe eines Belastungstests bestimmt.

Das Forscherteam um Dr. Serge Harb, Kardiologe an der Cleveland Klinik in Ohio, entwickelte eine Formel, um das physiologische Alter zu berechnen. Das sogenannte A-BEST (Age Based on Exercise Stress Testing) wird mithilfe eines Belastungstests auf einem Laufband ermittelt. Dabei werden Belastbarkeitskapazität und Herzfrequenzreaktion (chronotrope Reserve) gemessen und wie schnell sich die Herzfrequenz nach der Anstrengung erholt.

Die Studie ergab, dass das auf Basis dieser Parameter geschätzte physiologische Alter ein stärkerer Prädiktor für die Mortalität war als das chronologische Alter.

Hilfe beim Ändern des Lebensstils?

Nützlich könnte die Berechnung sein, um Patienten eine leicht verständliche Version der  Abschätzung ihres Risikos an die Hand zu geben, glauben die Forscher um Harb. Arzt und Patient profitieren vom zuverlässigen und einfachen Umwandeln von Trainingsvariablen in einen aussagekräftigen Wert. Ziel dabei ist, Patienten zu motivieren, ihren Lebensstil zu verändern.

"Das Wissen um das eigene physiologisches Alter ist eine gute Motivation, die Trainingsleistung zu steigern, was zu einem längeren Leben führen kann", so Studienleiter Harb in einer Pressemeldung der europäischen Kardiologiegesellschaft ESC. "Einem 45-Jährigen mitzuteilen, dass sein physiologisches Alter 55 Jahre ist, sollte ein Weckruf sein, dass er durch den Bewegungsmangel sein Leben verkürzt. Andererseits lebt ein 65-Jähriger mit einem A-BEST von 50 wahrscheinlich länger als seine Altersgenossen."

Studie mit mehr als 126.000 Patienten

An der Studie waren 126.356 Personen beteiligt, die zwischen 1991 und 2015 einen Belastungstest an der Cleveland Klinik absolviert hatten. Aus diesen Daten wurde ihr physiologisches Alter berechnet, unter Berücksichtigung des Geschlechts und bestimmter Medikamente, die die Herzfrequenz beeinflussen könnten.

Die Teilnehmer waren durchschnittlich 53,5 Jahre alt, 59% waren Männer. Über die Hälfte der 50 bis 60-Jährigen war nach dem physiologischen Alter jünger als nach chronologischem Alter. Nach einem Follow-up von durchschnittlich 8,7 Jahren waren 9929 Teilnehmer verstorben. Sie waren im Schnitt zehn Jahre älter als die Überlebenden. Das physiologische Alter war jedoch ein deutlich besserer Prädiktor für das Sterberisiko als das chronologische Alter.

Die verstorbenen Patienten hatten häufiger Erkrankungen der Koronararterien, Diabetes, Bluthochdruck und Nierenerkrankungen im Endstadium. Sie waren eher Raucher und nahmen seltener Statine. Ihre Ruheherzfrequenz war signifikant höher, ihre Fitness, gemessen anhand der Belastungskapazität, sowie ihre chronotrope Kompetenz waren deutlich schlechter. Sie hatten häufiger eine abnormale Erholungsherzfrequenz, was mit einem um 50% höheren Sterberisiko assoziiert war.

Literatur

Harb S et al. Estimated age based on exercise stress testing performance outperforms chronological age in predicting mortality. European Journal of Preventive Cardiology 2019. doi: 10.1177/2047487319826400.

ESC Pressemitteilung: What's age got to do with it? Your exercise performance is a better predictor of longevity than your chronological age. 14.02.2019.

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Bildnachweise
DGK.Herztage 2020/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
ESC-Kongress (virtuell)/© [M] metamorworks / Getty Images / iStock | ESC
Kardio-MRT (CMR, Late Gadolinium Enhancement PSIR)/© Mohamed Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen