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31.08.2016 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Sekundärprävention

Herzkranke leben länger mit mediterraner Ernährung

Autor:
Veronika Schlimpert

Mit einer mediterranen Ernährung könnten kardiovaskulär erkrankte Patienten ihr Leben verlängern. Darauf deuten Ergebnisse einer großen, auf dem ESC-Kongress vorgestellten Beobachtungsstudie hin.

Schon viel wurde über positive Effekte einer mediterranen Ernährungsweise in der Primärprävention berichtet. Wenige Studien beschäftigten sich jedoch mit der Frage, ob eine Mittelmeerkost auch in der Sekundärprävention eine schützende Wirkung entfalten könnte.

Mortalität um 30 % reduziert

Anhaltspunkte dafür liefern nun die Ergebnisse der MONI-SANI-Studie, die von Studienleiter Dr. Giovanni de Gaetano aus Pozzilli beim diesjährigen ESC-Kongress in Rom vorgestellt wurden. Bei knapp 1.200 bereits kardiovaskulär erkrankten Personen aus der italienischen Region Molise war eine Ernährungsweise mit viel Fisch, Gemüse, Olivenöl, Wein und Co mit einer signifikant niedrigeren Gesamtmortalität assoziiert.

So wiesen jene Teilnehmer, die sich sehr gewissenhaft mediterran ernährten, nach einer im Schnitt 7,3-jährigen Beobachtungszeit eine um etwa 30 % niedrigere Gesamtsterblichkeit als jene mit einer geringen Adhärenz zur mediterranen Kost. In einer multivariablen Analyse ging ein Anstieg um zwei Punkte in dem eingesetzten Adhärenz-Score mit einem um 21 % geringeren Sterberisiko einher.

Gemüse besonders wichtig

Um zu testen, welche Komponente der mediterranen Ernährung maßgeblich zum niedrigeren Risiko beiträgt, ließen die Wissenschaftler in einer statistischen Analyse jeweils einen typischen Nahrungsbestandteil weg. Demzufolge bietet vor allem Gemüse eine schützende Wirkung, die Effektgröße sank um 26 % ohne diese Komponente. Ebenfalls entscheidend für die Wirksamkeit scheinen Fisch (minus 23 %), Früchte und Nüsse (minus 13,4 %) und ein Verhältnis zugunsten von mehrfach ungesättigten Fettsäuren (minus 12,9 %).

„Wir können nicht nur Medikamente verschreiben“

Gaetano zufolge deuten diese Daten an, dass eine mediterrane Ernährungsweise in der Sekundärprävention eine präventive Wirkung entfalten könnte. „Ärzte können Medikamente nicht als einzige Möglichkeit ansehen, um weitere kardiovaskuläre Ereignisse zu verhindern“, betont er auf der ESC-Pressekonferenz. Neben der medikamentösen Therapie müssten sie auch auf die Ernährungsweise ihrer Patienten eingehen.

Mediterrane Ernährung muss man sich leisten können

Auffällig ist, dass nach Adjustierung auf den sozioökonomischen Status der beobachtete Effekt schwindet. Gaetano erklärt sich dies mit der ökonomischen Herausforderung für Geringverdiener, sich mediterran zu ernähren. Wie soll sich eine vierköpfige Familie zweimal pro Woche Fisch und fünf Portionen Obst und Gemüse täglich leisten können, erläutert er das Problem. Die Politik sollte seiner Meinung daher darauf hinwirken, dass nicht nur die Kosten für Medikamente übernommen werden, sondern auch eine gesunde Lebensweise der Patienten finanziell unterstützt wird.

Assoziation, aber nicht Kausalität

Allerdings wird aus dieser Studie nicht ersichtlich, wie die Mortalität durch die mediterrane Ernährungsweise gesenkt wird: Sind es tatsächlich Effekte auf kardiovaskuläre Erkrankungen oder Krebserkrankungen oder liegt es womöglich an etwas ganz anderem, etwa an der generell gesünderen Lebensweise von sich mediterran ernährenden Menschen? Auch wenn in dieser Analyse auf den BMI, körperliche Aktivität, Raucherstatus usw. adjustiert wurde, lassen sich natürlich nicht alle Einflussfaktoren komplett ausschließen.

Die Studie habe auch nur eine statistisch signifikante Assoziation gezeigt, so Gaetano. Das müsse nicht bedeuten, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen einer Mittelmeerkost und der Mortalität bestehe.

Literatur

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