Nachrichten 26.07.2018

Hilft Kaffeetrinken gegen Koronarverkalkung?

Brasilianische Forscher finden in einer Querschnittstudie Anhaltspunkte dafür, dass ausgiebiger Kaffeekonsum die Koronarverkalkung als Marker für subklinische Atherosklerose verringern könnte.

Kaffee ist inzwischen in der kardiovaskulären Forschung zu einem beliebten Studienobjekt avanciert. In einer neuen Studie  ging es um mögliche Beziehungen zwischen dem Genuss des belebenden Getränks und subklinischen atherosklerotischen Gefäßveränderungen, beurteilt anhand der per CT-Scan erfassten graduellen Koronarverkalkung. Festgestellt wurde eine inverse Beziehung zwischen Kaffeekonsum und Koronarkalkscore – allerdings nur bei Konsumenten, die Nichtraucher waren.

Brasilianische Untersucher um Dr. Dirce Maria Marchioni  aus Sao Paulo haben für ihre Querschnittsanalyse Baseline-Daten von Teilnehmern der epidemiologischen Studie ELSA‐Brasil (Brazilian Longitudinal Study of Adult Health) herangezogen. Bei 4.426 Teilnehmern dieser Studie (mittleres Alter: 50 Jahre, 54,2% Frauen) war zu Beginn der koronare Kalkgehalt mittels Mehrzeilen-CT gemessen und anhand des Agatston-Scores quantifiziert worden. Per Fragebogen wurden bei diesen Personen zudem Informationen zum individuellen täglichen Kaffeekonsum eingeholt.

Die Prävalenz von als relevant erachteten subklinischen Koronarkalzifizierungen (Agatston-Score ≥100) betrug 9,9% im untersuchten Kollektiv. Kaffeetrinker hatten ein niedrigeres Risiko für einen entsprechenden Koronarkalkgehalt als Personen, die keinen  Kaffee tranken (Odds Ratio [OR] 0,85, [95% Konfidenzintervall 0,58–1,24] für ≤1 Tasse/Tag; OR: 0,73 [0,51–1,05] für 1–3 Tassen/Tag; OR: 0,33 [0,17–0,65] für > Tassen/Tag).

Assoziation durch Rauchverhalten beeinflusst

Allerdings zeigte sich, dass die Assoziation zwischen Kaffeekonsum und subklinischer koronarer Atherosklerose signifikant durch das Rauchverhalten der Teilnehmer beeinflusst war. In der Subgruppe der Raucher verschwand die Assoziation zwischen Kaffee und einem niedrigeren Risiko für subklinische Koronarverkalkungen.

Eine für den Faktor Rauchen adjustierte Analyse offenbarte, dass der Konsum von drei oder mehr Tassen Kaffee pro Tag bei Nicht-Rauchern mit einem signifikant  um 63% niedrigeren Risiko für einen Koronarkalkscore ≥100 als Maß für atherosklerotische Koronarveränderungen assoziiert war. Dagegen war ein entsprechender Zusammenhang bei kaffeetrinkenden Rauchern und Ex-Rauchern nicht nachweisbar.

Literatur

Mirinda A.M. et al.: Coffee Consumption and Coronary Artery Calcium Score: Cross-Sectional Results of ELSA-Brasil (Brazilian Longitudinal Study of Adult Health). J Am Heart Assoc. 2018 Mar 24;7(7). pii: e007155. doi: 10.1161/JAHA.117.007155.

Highlights

Corona, COVID-19 & Co.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

CME-Highlight: EKG Intensivkurs

Anhand von 108 EKG-Fällen können Sie Ihre Kenntnisse zum EKG in diesem Kurs vertiefen und 12 CME-Punkte sammeln. Es gibt 3 Schwierigkeitsstufen, von Standard bis anspruchsvoll.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Lipidsenker Alirocumab kehrt auf den deutschen Markt zurück

Der nach juristischen Patentstreitigkeiten Mitte 2019 in Deutschland vom Markt genommene PCSK9-Hemmer Alirocumab wird nach einem neuen Gerichtsentscheid wohl in nächster Zeit hierzulande wieder verfügbar sein.

Luftverschmutzung schon nach kurzer Zeit schädlich fürs Herz?

Selbst eine kurzzeitige Exposition gegenüber verschmutzter Luft geht mit einem signifikant erhöhten Risiko einher, an einem Herzinfarkt zu sterben. Bestimmte Schadstoffe sind laut einer neuen Analyse besonders schädlich.

US-Zulassung für Vericiguat bei Herzinsuffizienz

In den USA gibt es eine neue Option für die Therapie bei Herzinsuffizienz: Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat den Wirkstoff Vericiguat jetzt für diese Indikation zugelassen. Das Zulassungsverfahren in der EU läuft noch.

Aus der Kardiothek

Neue Vorhofflimmern-Leitlinie und ihre Implikationen für die Praxis

Erst kürzlich sind die ESC-Leitlinien zum Management von Vorhofflimmern aktualisiert worden. Prof. Christian Meyer vom Evangelisches Krankenhaus Düsseldorf gibt in diesem Webinar einen kurzen Überblick über die wichtigsten Aspekte.

Zepter und Krone – oder was sehen Sie auf dem Bild?

Kardiale Computertomographie, 3-dimensionale Rekonstruktion im „Metallfenster“. Was ist zu sehen?

Kardio-MRT bei 70-Jährigem – was hat der Patient?

Kardio-MRT bei 70-jährigem Patienten mit Darstellung einer kurzen Achse im mittventrikulären Bereich. Was ist zu sehen?

Bildnachweise
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
EKG Training/© fotolia / Sergey Nivens
Webinar Prof. Christian Meyer/© Springer Medizin Verlag GmbH
Kardiale Computertomographie/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Kardio-MRT (CMR, Late Gadolinium Enhancement PSIR)/© Mohamed Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen