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08.03.2019 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Primärprävention bei älteren Menschen

HOPE-3-Studie: Blutdruck- und Lipidsenkung ohne Einfluss auf kognitiven Funktionsverlust

Autor:
Peter Overbeck

Weder die medikamentöse Blutdrucksenkung noch die Lipidsenkung mit einem Statin oder die Kombination beider Maßnahmen hatten in der HOPE-3-Studie auf längere Sicht einen Einfluss auf die Verschlechterung kognitiver Funktionen bei älteren Studienteilnehmern.

In der HOPE-3-Studie sollte bekanntlich die Frage geklärt werden, ob sich durch medikamentöse Blutdruck- und Lipidsenkung auch schon bei herzgesunden Menschen mit niedrigem kardiovaskulären Risiko Myokardinfarkte und Schlaganfälle verhindern lassen?

Nach den 2016 publizierten Ergebnissen der Studie zeigte die Blutdrucksenkung  mit einer Kombination aus Candesartan/Hydrochlorothiazid in fixer Dosierung insgesamt keine präventive Wirkung, die Lipidsenkung mit einem Statin dagegen schon: Durch eine Behandlung mit Rosuvastatin wurde die Rate kardiovaskulärer Ereignisse einschließlich Revaskularisationen und Herzinsuffizienz im Vergleich zu Placebo signifikant um relative 25 Prozent gesenkt (Hazard Ratio 0,75; 95% Konfidenzintervall 0,64 – 0,88; P<0.001). Die kombinierte Therapie brachte nur wenig mehr als die Monotherapie mit Rosuvastatin. An der Studie waren insgesamt 12.705 Menschen im Alter über 55 Jahre (Männer) und über 60 Jahre (Frauen) ohne manifeste kardiovaskuläre Erkrankung beteiligt.

Substudie bei rund 1.600 älteren Studienteilnehmern

Im Rahmen einer Substudie haben ältere Studienteilnehmer  (≥70 Jahre) diverse Funktionstests wie den DSST (Digit Symbol Substitution Test) und mMoCa-Test (modified Montreal Cognitive Assessment) zur Erfassung ihrer kognitiven Leistungsfähigkeit absolviert.  Studienautoren um Dr. Jackie Bosch von der  McMaster University in Hamilton, Kanada, konnten am Ende Daten von 1.626 HOPE-3-Teilnehmern (mittleres Alter 74 Jahre; 59% Frauen) auswerten, die diese Tests sowohl zu Beginn als auch am Studienende komplettiert hatten.

Kein Effekt auf kognitive Funktion

In dieser Subgruppe war in einem medianen Follow-up-Zeitraum von 5,7 Jahren der systolische Blutdruck im Schnitt um 6,0 mm Hg und der LDL-Cholesterinspiegel um 24,8 mg/dl reduziert worden.  Allerdings zeigte sich am Ende, dass durch diese günstigen Blutdruck- und Lipidveränderungen die Abnahme der gemessenen kognitiven Leistungskraft im Studienverlauf weder verzögert noch beschleunigt worden war.

Nur in einer „exploratorischen” Post-hoc-Analyse deutet sich an, dass die Patienten mit den relativ höchsten Blutdruck- und LDL-Ausgangswerten (mittlerer systolischer Blutdruck 156,3 mm Hg; mittlerer LDL-C-Wert 164,7 mg/dl) von positiven Effekten einer kombinierte Blutdruck- und Lipidsenkung auf kognitive Funktionen profitiert haben könnten.

Eine mögliche Erklärung für die gezeigte Wirkungslosigkeit könnte sein, dass das Alter der analysierten Studienteilnehmer schon zu fortgeschritten war, um durch Blutdruck- und Lipidsenkung noch Veränderungen auf kognitiver Ebene erreichen zu können. Denkbar ist auch, dass die Dauer der Nachbeobachtung immer noch zu kurz war, um günstige Effekte der geprüften Therapien auf kognitive Funktionen aufdecken zu können.

Literatur

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