Nachrichten 29.05.2019

Metaanalyse bestätigt Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse durch PCSK9-Hemmer

Eine auf Daten von mehr als 60.000 Patienten basierende Metaanalyse belegt, dass eine Cholesterinsenkung mit PCSK9-Hemmern  die Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse  deutlich  reduziert. Eine signifikante Wirkung auf die kardiovaskuläre Mortalität  ist zumindest derzeit aber nicht nachweisbar. Grund könnte die relativ kurze Follow-up-Dauer sein.

Wie groß ist der klinische Nutzen  einer in der Regel additiv zu Statinen  verordneten Lipidsenkung mit den PCSK9-Hemmern Evolocumab und Alirocumab?  Zur Klärung dieser Frage hat eine Arbeitsgruppe um Dr. Manuela Casula von der Universität Mailand die derzeit verfügbaren klinischen Daten aller randomisierten kontrollierten Phase-II- und II-Studien mit PCSK9-Hemmern  in eine umfangreiche Metaanalyse einfließen lassen. Die Ergebnisse hat Casula aktuell beim Kongress der European Atherosclerosis Society (EAS) in Maastricht vorgestellt.

Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse um 17% reduziert

Danach  geht aus der Gesamtschau hervor, dass  die cholesterinsenkende Therapie mit einem PCSK9-Hemmer das relative Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt, Schlaganfall  oder Koronarinterventionen  im Vergleich zu Placebo signifikant um 17% verringerte (Odds Ratio [OR]  0.83, 95%  Konfidenzintervall [CI] 0,78–0,87). Die Inzidenz  sowohl von Myokardinfarkten als auch von Schlaganfällen wurde jeweils signifikant reduziert. Bei den Endpunkten  Gesamtmortalität  und kardiovaskuläre Mortalität war hingegen kein signifikanter Unterschied zwischen PCSK9-Hemmer-Therapie und Placebo feststellbar.

Die Ergebnisse der Metaanalyse sind stark durch die beiden mit Abstand größten klinischen Studien FOURIER (mit Evolocumab) und ODYSSEY OUTCOMES (mit Alirocumab)  geprägt. In der FOURIER-Studie, an der rund 27.500 Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen und LDL-C-Spiegeln ≥70 mg/dl beteiligt waren,  ist durch Behandlung mit Evolocumab additiv zu Statinen die Rate für den primären Endpunkt (kardiovaskulär bedingter Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall, Klinikeinweisung wegen instabiler Angina pectoris, Revaskularisation) um 15% reduziert worden (9,8% vs. 11,3%).

Für einen „härteren“ sekundären Endpunkt (kardiovaskulär bedingter Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall) ergab sich eine relative Risikoreduktion  20% im Vergleich zu Placebo (5,9% vs. 7,4%). Sie beruht primär auf einer Abnahme von nicht tödlichen Herzinfarkten und Schlaganfällen; die kardiovaskuläre Mortalität wurde nicht signifikant beeinflusst. 

In der Studie  ODYSSEY-OUTCOMES, die 18,924 Patienten mit akutem Koronarsyndrom als Teilnehmer hatte, wurde mit Alirocumab  bezüglich des primären Studienendpunktes (koronar verursachter Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall, Klinikeinweisung wegen instabiler Angina pectoris)  ebenfalls eine relative Risikoreduktion um 15% im Vergleich zu Placebo erzielt.  In dieser Studie war die PCSK9.Hemmer-Therspie auch mit einer signifikanten Abnahme der Gesamtmortalität um 15%, nicht aber mit einer Reduktion der kardiovaskulären Sterblichkeit assoziiert.

Dauer der Nachbeobachtung war relativ kurz

Die Tatsache, dass die Metaanalyse keine Reduktion der Mortalität offenbaren konnte, sei mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die relativ kurzen Laufzeiten der dafür herangezogenen Studien zurückzuführen, betonte Casula. Die Follow-up-Dauer schwankte zwischen acht und 208 Wochen. Bemerkenswert ist, dass ODYSSEY-OUTCOMES als einzige Studie, in der eine Abnahme der Mortalität zu beobachten war, zugleich die Studie mit der längsten Beobachtungsdauer (m Median 2,8 Jahre)  ist.

Literatur

Casula M.: Safety and cardiovascular efficacy of anti-PCSK9 monoclonal antibodies: a meta-analysis of randomized, controlled trials. Vorgestellt beim Kongress der  European Atherosclerosis Society (EAS) 2019. 27. Mai  2019. Maastricht

Casula M.: Cardiovascular events with PCSK9 inhibitors: an updated meta-analysis of randomised controlled trials, Pharmacological Research 2019, Vol. 143: 143-150

 

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