Nachrichten 30.10.2018

Neuer Lipidsenker auf Kurs in Richtung Zulassung

Ärzten wird im nächsten Jahr womöglich ein neuer Lipidsenker zur Verfügung stehen. Bempedoinsäure überzeugte in einer weiteren Phase III-Studie und ebnet damit den Weg zur Zulassung in Europa und den USA.

Ein neuer Lipidsenker hat auch in der letzten Studie (Studie 2 oder 1002-047) eines großen Phase III-Studienprogramms seine Effektivität und Sicherheit unter Beweis gestellt. Wie der Hersteller in einer Pressemitteilung verkündet, hat Bempedoinsäure 180 mg nach 12-wöchiger Behandlungszeit die LDL-Cholesterin-Werte der Studienteilnehmer um 17% on top zu einer maximal tolerierbaren Statintherapie gesenkt (in der Intention-to-Treat-Analyse); in der On-Treatment-Analyse führte die zusätzliche Therapie zu einer 18%igen LDL-C-Senkung (p< 0,001 für beide). 

Die insgesamt 779 Teilnehmer der randomisierten, placebokontrollierten, doppelblinden, über 52 Wochen dauernden Studie waren bereits an einer atherosklerotischen Erkrankung erkrankt und/oder litten an einer heterozygoten familiären Hypercholesterinämie.

Zulassung in Europa für Mitte 2019 geplant

Der Hersteller Esperion plant nun nach eigenen Angaben Bempedoinsäure Anfang 2019 zur Zulassung bei der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA einzureichen, sowohl als Monotherapie als auch in Kombination mit Ezetimib. Ein Antrag auf Markzulassung bei der europäischen Gesundheitsbehörde EMA wird für das zweite Jahresquartal angestrebt.

Die aktuellen Ergebnisse schließen das aus fünf Studien bestehende Phase III-Studienprogramm zur Wirksamkeit und Sicherheit von Bempedoinsäure ab. Laut Herstellerangaben hat sich der Lipidsenker dabei konsistent als sicher und effektiv erwiesen. Die Ergebnisse einer dieser Studien (CLEAR HARMONY) wurden beim diesjährigen ESC-Kongress in München präsentiert.

Wirkt ähnlich wie Statine

Bempedoinsäure inhibiert das Enzym ATP-Citrat-Lyase, welches Acetyl-CoA zu HMG-CoA umsetzt. HMG-CoA wird durch HMG-CoA-Reduktase zu Cholesterin metabolisiert. Wie Statine hemmt Bempedoinsäure also die Cholesterinsynthese in der Leber und führt darüber hinaus zu einer Hochregulierung von LDL-Rezeptoren in der Zellmembran.

In der aktuellen Studie kam es bei 20% der mit Bempedoinsäure behandelten Patienten und bei 19% der Patienten in der Placebo-Gruppe zu einem schweren unerwünschten Ereignis, Nebenwirkungen jeglicher Art wurden bei 70% vs. 71% der Patienten dokumentiert. 11% vs. 9% der Probanden brachen die Therapie deshalb ab. Obwohl die Substanz also am selben Wirkmechanismus ansetzt wie Statine, ist darunter offenbar mit keinem weiteren Anstieg von Nebenwirkungen zu rechnen.

Senkt Bempedoinsäure auch harte Endpunkte?

Auch auf die Prognose scheint sich die zusätzliche Gabe von Bempedoinsäure positiv auszuwirken. Die aus fünf Komponenten bestehende MACE-Rate lag bei den damit behandelten Patienten nach 52 Wochen bei 6,1% und bei 8,2% in der Placebo-Gruppe, wobei der Hersteller keine Angaben zu den p-Werten macht.

Ob der neue Lipidsenker tatsächlich dazu in der Lage ist, die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität zu senken, soll die bereits laufende CVOT-Studie klären. Geplant ist, 12.600 Patienten mit Hypercholesterinämie und einem hohen kardiovaskulären Risiko einzuschließen.

Weitere positive Effekte, die sich für Bempedoinsäure  in der aktuellen Studie nachweisen ließen, waren eine Senkung der hochsensitiven CRP-Werte (–19%) und der HbA1c-Werte (–0,21%) bei Patienten mit Diabetes. Gerade in Anbetracht des unter Statinen manchmal zu beobachtenden Anstiegs des Nüchternblutzuckers ist letzterer Befund sicher beruhigend, allerdings war die Behandlungszeit recht kurz und Langzeitdaten gibt es bisher keine.

Literatur

Pressemitteilung von Esperion vom 28. Oktober 2018: Esperion announces positive top-line results from final pivotal phase 3 study of bempedoic acid. .

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Bildnachweise
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Kardio-MRT (CMR, Late Gadolinium Enhancement PSIR)/© Mohamed Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen