Skip to main content
main-content

17.07.2019 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Ernüchternde Metaanalyse

Ernährung und Nahrungsergänzung: Was schützt das Herz wirklich?

Autor:
Joana Schmidt

Kalzium, Vitamin D, Selen – es gibt zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel, mit denen Menschen versuchen, ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken. Die wenigsten davon scheinen erfolgsversprechend zu sein, lediglich einige Ernährungsmaßnahmen zeigten in einer neuen Metaanalyse positive Effekte.

Die meisten Nahrungsergänzungsmittel hatten keinen präventiven Effekt auf das kardiovaskuläre und das Sterberisiko, ergab eine umfassende Metaanalyse randomisiert kontrollierter Studien. Auch für den präventiven Nutzen bestimmter Einschränkungen der Ernährung, etwa wenig Salz oder wenig ungesunde Fette zu sich zu nehmen, gab es keine sicheren Nachweise, einige davon scheinen aber das Risiko für Herzkreislauferkrankungen und Tod zu senken.

Salzreduktion zeigte auch bei normalem Blutdruck positive Effekte

Auch wenn die Evidenz für alle gefundenen Ergebnisse schwach war, beobachteten die Forscher Folgendes: Ein verringerter Salzkonsum reduzierte bei Menschen mit normalem Blutdruck das Risiko für die Gesamtmortalität und bei Patienten mit Bluthochdruck das Risiko für kardiovaskuläre Mortalität. Die Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren war mit einem niedrigeren Risiko für Myokardinfarkt assoziiert und Folsäure schien vor Schlaganfall zu schützen. Dagegen führte die Kombination von Kalzium und Vitamin D zu einem erhöhten Schlaganfallrisiko.

Bei anderen Nahrungsergänzungsmitteln wie Multivitamine, Selen, Vitamin A, B6, C und E, Vitamin D allein oder Kalzium allein und Eisen konnten die Studienautoren keinen signifikanten Einfluss auf Mortalität und kardiovaskuläre Erkrankungen beobachten. Genauso wenig bei folgenden Ernährungsumstellungen: Die Mittelmeerdiät, das Reduzieren gesättigter Fettsäuren, das Reduzieren von fetthaltiger Nahrung insgesamt und die vermehrte Aufnahme von Omega-3-ALA (Alpha-Linolensäure) oder Omega-6-PUFA (Polyunsaturated Fatty Acids).

Nährstoffe besser über Lebensmittel statt Supplementierung aufnehmen

Die Forscher um Dr. Safi Khan von der West Virginia University in Morgantown nutzten Daten aus 277 randomisiert kontrollierten Studien mit fast einer Million Teilnehmern. Sie stammten aus neun Metaanalysen und vier Originalstudien, die den Effekt von Nahrungsergänzungsmitteln und Ernährungsmaßnahmen auf die Mortalität und kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder KHK untersuchten.

Lediglich bei Patienten mit Vitaminmangel sei Vitaminsubstitution sinnvoll, ansonsten raten die Studienautoren von Nahrungsergänzungsmitteln ab. „Nehmen Sie die nötigen Nährstoffe besser über eine gesunde Ernährung auf. Mit ausreichend Bewegung und dem Meiden von Zigaretten, Alkohol und zu langem Sitzen können Sie mehr für Ihre kardiovaskuläre Gesundheit tun, anstatt Geld für Nahrungsergänzungsmittel zu verschwenden“, resümierte Khan.

Literatur

Weiterführende Themen

Zurzeit meistgelesene Artikel

 

Highlights

Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung 2019

Expertenvorträge für Sie zusammengestellt: Auf der diesjährigen Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung haben renommierte Experten die neuesten Leitlinien, Studien und medizintechnischen Entwicklungen vorgestellt und die Kernaussagen kompakt für den Alltag in Klinik und Praxis zusammengefasst.

Expertenrückblick auf den ACC-Kongress – das Wichtigste im Überblick

Kann man ASS als Plättchenhemmer in Zukunft komplett weglassen? Muss jedem Patienten ab sofort eine TAVI angeboten werden? Und wo stehen wir in der kardialen Prävention? Eine Expertenrunde hat in Leipzig die neuesten Studien und viel diskutierte Themen des diesjährigen ACC-Kongresses kommentiert. Schauen Sie rein und bleiben Sie auf dem neuesten Stand.

Aus der Kardiothek

02.07.2019 | Quiz | Onlineartikel

Was ist die Ursache für die Lumenreduktion?

Koronarangiografie bei einem 63-jährigen Patienten. Augenscheinlich ist eine systolische Lumenreduktion des linken Hauptstamms. Was ist die Ursache?

16.04.2019 | Quiz | Onlineartikel

Patientin mit Fieber und Tachykardie – die Ursache verrät das Röntgenbild

Röntgenaufnahme des Thorax im Stehen bei einem 43 jährigen Patienten mit Fieber und Tachykardie. Was ist zu sehen?

Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung 2019

Expertenvorträge für Sie zusammengestellt: Auf der diesjährigen Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung haben renommierte Experten die neuesten Leitlinien, Studien und medizintechnischen Entwicklungen vorgestellt und die Kernaussagen kompakt für den Alltag in Klinik und Praxis zusammengefasst.

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Bildnachweise