Nachrichten 09.07.2021

Herzerkrankungen vorbeugen: Neue Ernährungsempfehlungen

Welche Lebensmittel schützen wirklich vor kardiovaskulären Erkrankungen und welche haben einen gegenteiligen Effekt? Eine neue Analyse liefert einen umfassenden Überblick über die aktuelle Forschung zum Thema.

Die bisherige Forschung weist stark darauf hin, dass die Ernährung die Entstehung von Arteriosklerose beeinflusst – direkt oder indirekt durch Auswirkungen auf Blutdruck und Blutwerte. Italienische Forscher haben die aktuelle Studienlage analysiert und daraus Empfehlungen abgeleitet.

Prof. Gabriele Riccardi von der Universität Neapel und sein Team fanden deutliche Hinweise darauf, dass bei gesunden Erwachsenen ein niedriger Verzehr von Salz und tierischen Produkten mit einem verringerten Arterioskleroserisiko einhergeht. Der Konsum von pflanzlichen Lebensmitteln wie Vollkornprodukten, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen scheint es zu senken, genauso wie der Ersatz von Butter und anderen tierischen Fetten durch nichttropische Pflanzenfette wie Olivenöl.

Geflügel und Hülsenfrüchte statt rotem Fleisch

Im Gegensatz zu Geflügel, dass bei einem geringen Verzehr von bis zu drei 100g-Portionen pro Woche keine Assoziationen mit dem Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen zeigte, korrelierte der Konsum von verarbeitetem und rotem Fleisch mit einem erhöhten Risiko. Die Mediziner empfehlen deshalb, den Verzehr von rotem Fleisch auf maximal zwei 100g-Portionen pro Woche zu beschränken und verarbeitete Produkte wie Wurst und Speck, wenn überhaupt, nur gelegentlich zu essen.

Um den Proteinbedarf auch bei Verzicht auf rotes Fleisch zu stillen, eignen sich Hülsenfrüchte. Hier empfehlen die Forscher um Riccardi bis zu vier Portionen von 180g pro Woche. Auch ein Fischverzehr von zwei bis vier 150g-Portionen pro Woche zeigte positive Effekte auf kardiovaskuläre Prävention.

Nicht ausschlaggebend: Fettarme oder Vollmilch

Der Verzehr von Obst und Gemüse war stark mit einem geringeren Arterioskleroserisiko assoziiert, sodass die Wissenschaftler raten, die tägliche Aufnahme auf jeweils bis zu 400g zu erhöhen. Auch die schützende Wirkung von etwa 30g Nüssen täglich wurde in der Studie bestätigt.

Den Forschern zufolge gehen Milchprodukte in kleineren Mengen nicht mit einem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen einher. Bei gesunden Menschen sei es nicht notwendig, aus Gründen der kardiovaskulären Prävention statt Vollmilch fettarme Milch zu verwenden. Bei fermentierten Milchprodukten habe sich sogar ein protektiver Effekt gezeigt, empfehlenswert seien drei Portionen Käse von 50g pro Woche und 200g Joghurt täglich. Die enthaltenen Bakterien seien förderlich für die Darmflora und damit auch für die Herzgesundheit, so Riccardi und Kollegen.

Auf den glykämischen Index kommt es an

Unter den Getreideprodukten korrelierten diejenigen mit einem hohen glykämischen Index (GI), die den Blutzucker schneller ansteigen lassen, mit einem erhöhten Arterioskleroserisiko. Dazu zählen etwa Weißbrot oder geschälter, weißer Reis. Besser sei es den Forschern zufolge, diese durch Vollkornprodukte und Lebensmittel mit niedrigem GI, wie Nudeln oder Parboiled Reis, zu ersetzen.

Das tägliche Trinken von bis zu drei Tassen Kaffee oder Tee ging ebenfalls mit einem verringerten kardiovaskulären Risiko einher. Erfrischungsgetränke, auch kalorienarme, hatten einen gegenteiligen Effekt und sollten laut Riccardi und Kollegen durch Wasser ersetzt werden. Geringe Mengen Alkohol, etwa zwei Gläser Wein pro Tag bei Männern und eines bei Frauen, schienen nicht zu schaden. Dies solle jedoch als maximal erlaubte und nicht als empfohlene Menge gesehen werden, so die Forscher.

Bei Reduktion für gesunden Ersatz sorgen

Empfehlenswert sei, die Ernährung als Ganzes zu betrachten, und beim Reduzieren eines Lebensmittels einen gesunden Ersatz zu wählen. Auch die Freude am Essen sei wichtig, um dauerhafte Ernährungsumstellungen durchzuhalten. „Eine Strategie, die ausschließlich auf Leitlinien und Ernährungserziehung basiert, wird nicht ausreichen, um den Lebensstil der Bevölkerung zu ändern“, glauben Riccardi et al. Zu den zu prüfenden politischen Optionen sollten ihnen zufolge auch Initiativen gehören, die die Produktion, Vermarktung, Verfügbarkeit und Erschwinglichkeit von Lebensmitteln erleichtern, die nicht nur gesund, sondern auch gastronomisch ansprechend sind.

Literatur

Riccardi G et al. Dietary recommendations for prevention of atherosclerosis. Cardiovascular Research 2021. https://doi.org/10.1093/cvr/cvab173

ESC-Pressemitteilung: What should I eat to avoid heart disease? 07.07.2021

Highlights

Corona, COVID-19 & Co.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

CME-Highlights aus der eAcademy

Mit dem umfangreichen Kursangebot der DGK auf Kardiologie.org haben Sie permanenten Zugriff auf das Fachwissen von führenden Experten und sind immer auf dem neuesten Stand. Testen Sie Ihr Wissen und sammeln Sie CME-Punkte!

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Vorhofflimmern & TAVI – NOAKs doch bessere Wahl?

Einige Leitlinien favorisieren für Patienten nach einer TAVI eine Behandlung mit VKA, wenn eine Indikation zur Antikoagulation besteht. Registerdaten stellen diese Empfehlungen nun infrage.

Kardiologen fordern Maßnahmen für höhere Corona-Impfquote

Eine vierte Welle der Corona-Pandemie birgt vor allem für Menschen mit Herzerkrankungen eine große Gefahr. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) beobachtet daher den sich verlangsamenden Impffortschritt und die große Zahl Ungeimpfter mit wachsender Sorge.

Neues Herzinsuffizienz-Medikament in der EU zugelassen

In Europa steht nun ein weiteres Medikament zur Behandlung der Herzinsuffizienz zur Verfügung. Die Europäische Kommission hat die Marktzulassung für Vericiguat erteilt, wie der Hersteller mitteilt.

Aus der Kardiothek

Hätten Sie es erkannt?

3-D Rekonstruktion einer kardialen Computertomographie. Welche kardiale Fehlbildung ist zu sehen?

Patientin mit einem thorakalen Schmerzereignis – wie lautet Ihre Diagnose?

Lävokardiografie (RAO 30°-Projektion) einer 54-jährigen Patientin nach einem thorakalen Schmerzereignis. Was ist zu sehen?

Patientin mit passagerer Hemiparese – wie lautet Ihre Diagnose?

Transthorakale Echokardiographie mit Darstellung eines apikalen 4-Kammer Blicks einer Patientin mit passagerer Hemiparese.  Was ist zu sehen?

Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
eAcademy/© fotolia / Sergey Nivens
Computertomographie/© S. Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlanen-Nürnberg
Laevokardiographie (RAO 30° Projektion)/© M. Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Transthorakale Echokardiographie/© Daniel Bittner, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen