Skip to main content
main-content

06.12.2017 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Prävention durch körperliche Aktivität

Jogger, meidet die Straßen!

Autor:
Philipp Grätzel

Die Anti-Diesel-Lobby predigt es schon länger, jetzt kommt Unterstützung aus der Herz-Kreislauf-Forschung: Wer sich für sein körperliches Ertüchtigungsprogramm vielbefahrene Straßen aussucht, tut Herz und Lunge keinen Gefallen. Echte Outdoor-Frische für das Kreislaufsystem gibt es eher im Park als auf dem Bürgersteig.

Es gibt sie, diese stoischen Innenstadt-Jogger, die lieber alle paar Minuten Straßen überqueren als ihre Design-Jogging-Schuhe den Zumutungen natürlicher Bodenbeläge auszusetzen. Die Schuhe profitieren von dieser Art des Fitnessprogramms, aber auch der Körper? Eine britische Untersuchung mit 119 Erwachsenen über 60 Jahren – ein Drittel bei guter Gesundheit, ein Drittel mit KHK und ein Drittel mit stabiler COPD – sät jetzt zumindest Zweifel daran.

Oxford Street versus Hyde Park

Die Wissenschaftler des National Heart & Lung Institutes des Imperial College London ließen ihre Probanden – allesamt seit mindestens 12 Monaten Nichtraucher – einen zwei Stunden langen Spaziergang unternehmen. Die eine Hälfte machte das in der Oxford Street, einer viel von dieselbetriebenen Taxen und Bussen befahrenen Hauptverkehrsstraße im Westen Londons. Die anderen durften ein paar Kilometer weiter südwestlich promenieren, im Hyde Park. Nach ein paar Wochen gab es dann einen weiteren zweistündigen Spaziergang an der jeweils anderen Stelle.

Gemessen wurde unter anderem die forcierte Einsekundenkapazität (FEV1), und zwar vor dem Training und drei Stunden danach, außerdem die Pulswellengeschwindigkeit als Parameter für die Steifigkeit der arteriellen Gefäße etwa eine Stunde nach dem Spaziergang und noch einmal am nächsten Tag. Gleichzeitig wurden während der Spaziergänge die aktuellen Feinstaubkonzentrationen ermittelt. Differenziert wurde dabei zwischen definiertem Feinstaub (PM10) und dem feinen PM2,5-Staub. Letzterer gilt als typisch für Dieselabgase, genauso wie Rußpartikel, die separat gemessen wurden.

Bessere Ergebnisse im Grünen

Das Ergebnis kann passionierte Natur-Jogger nicht wirklich überraschen. Bei den herz-und lungengesunden Rentnern und Frührentnern stieg die FEV1 durch den langen Spaziergang im Hyde Park im Mittel um 7,5 % an. Gleichzeitig sank die Pulswellengeschwindigkeit um 5 %, ein Effekt, der auch am Folgetag noch nachweisbar war. An der Oxford Street sah es dagegen etwas anders aus: Die FEV1 stieg nur dezent, vor allem aber erhöhte sich die Pulswellengeschwindigkeit um durchschnittlich 7 %.

Die Verschlechterung der Pulswellengeschwindigkeit war assoziiert mit höheren Konzentrationen an Ruß und an PM2,5-Feinstaub, während die Verschlechterung der Lungenfunktion mit allen gemessenen Umweltparametern, also auch mit dem gröberen Staub, korrelierte. Dies spreche dafür, dass es sich bei den arteriellen Schäden in erster Linie um einen Dieseleffekt handele, betonen die Wissenschaftler um Senior-Autor Professor Fan Chung: „Wir plädieren deswegen dafür, dass insbesondere ältere Menschen wann immer möglich in Parks oder Grünanlagen spazieren gehen, und nicht auf viel befahrenen Straßen.“

Patienten mit COPD besonders anfällig

Besonders anfällig für die Feinstaubbelastung waren die Patienten mit COPD. Sie zeigten bei der Straßenetappe nicht nur eine Zunahme der Gefäßsteifigkeit, sondern auch mehr klinische Symptome als bei der Parketappe, darunter Husten, Kurzatmigkeit, Niesen und eine Zunahme der Sputumproduktion. Auch bei diesen Beschwerden korrelierte die Intensität mit der Konzentration von ultrafeinen Partikeln und Rußpartikeln in der Atemluft.

Eine interessante Zusatzbeobachtung machten die Forscher bei den KHK-Patienten. Hier kam es in erster Linie bei Patienten, die an dem jeweiligen Tag keine Medikation eingenommen hatten, zu einer Zunahme der Steifigkeit der arteriellen Gefäße, weniger dagegen bei Patienten unter Medikation. Dies könnte auf protektive Effekte der KHK-Medikamente hindeuten, doch waren die Teilnehmerzahlen für eine definitive Aussage zu niedrig.

Literatur

Weiterführende Themen

Zurzeit meistgelesene Artikel

Highlights

18.04.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

Was gibt's Neues bei der Herzinsuffizienz?

Kürzere Krankenhaus-Verweildauern hält Prof. Michael Böhm bei Herzinsuffizienz-Patienten für gefährlich. Die Gründe für seine Bedenken und was es sonst noch Neues in der Therapie der Herzschwäche gibt, erfahren Sie in diesem Video. 

29.06.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Highlights | Video

Update Endokarditis – was die Leitlinien sagen

Alles Wichtige zur Endokarditis – von Beschwerden, Komplikationen bis hin zur Therapie und den neuesten Leitlinien-Empfehlungen – erfahren Sie von Prof. Stefan Frantz.

Aus der Kardiothek

12.07.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

Neue medikamentöse Therapien für die Herzinsuffizienz

Wie Sie ARNI bei Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz korrekt einsetzen, erfahren Sie in diesem Video. Prof. Michael Böhm gibt einen Überblick über alle neue medikamentösen Therapiemöglichkeiten der Herzinsuffizienz mit reduzierter Auswurffraktion.

12.07.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

Interventionelle Therapie der Herzinsuffizienz: Was gibt's Neues?

Für die Herzinsuffizienz werden immer mehr interventionelle Therapieansätze entwickelt. Was heute bereits auf dem Markt ist und was in Zukunft möglich sein wird, darüber berichtet PD Dr. Philipp Raake. 

09.07.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

Neuer Therapieansatz für die diastolische Herzinsuffizienz (HFpEF)

Bisher gibt es keine Therapie, mit der sich eine Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion (HFpEF) spezifisch behandeln lässt. Doch es gibt Hoffnung. Prof. Gerd Hasenfuß stellt ein neues interatriales Shunt-Device (IASD) vor. 

Interventioneller Verschluss eines Atriumseptumdefekts

Vortrag Prof. Dr. Horst Sievert Jahrestagung DGK 2018

Bei einem 56-jährigen Patienten wird zufällig ein Atriumseptumdefekt festgestellt.  Prof. Horst Sievert und sein Team vom St. Katharinen-Krankenhaus in Frankfurt entscheiden sich für einen interventionellen Verschluss. Sie finden dabei ein weiteres Loch. Was ist zu tun? Für welches Device sich das Team entscheidet und wie sie genau vorgehen, erfahren Sie in diesem Video. 

29-jähriger Patient mit wiederkehrender Rhythmusstörung

Anspruchsvolle Katheterablation einer links gelegenen Leitungsbahn

Live Case 2017 Stents und mehr - AGIK trifft EACPI

Ein 29-jähriger Patient mit Wolff-Parkinson-White-Syndrom leidet an erneuten supraventrikulären Tachykardien. Die erste Katheterablation war schon anspruchsvoll. Prof. Helmut Pürerfellner,  Dr. Livio Bertagnolli und Dr. Philipp Sommer aus Leipzig machen sich auf die  Suche nach der Leitungsbahn.

Suche nach dem Ursprungsort

Mit 3D-Mapping-Systemen zur erfolgreichen VES-Ablation – 4 Fälle aus der Praxis

DGK 2017 LIVE-in-the-box_VES-Ablation mit 3D-Mapping

Mithilfe von 3D-Mapping-Systemen kann der Ursprungsort ventrikulärer Extrasystolen (VES) lokalisiert werden. PD Dr. Rudolfo Ventura aus Bremen stellt 4 spannende Fälle aus der Praxis vor, und zeigt, wie das 3D-Mapping selbst bei anfänglichen Schwierigkeiten zur erfolgreichen Ablation verhelfen kann.

Bildnachweise