Nachrichten 10.10.2017

Jedes vierte Kind in Deutschland ist zu dick

Übergewicht hat bei Kindern und Jugendlichen seit 1975 global stark zugenommen. Deutschland liegt hier im oberen Mittelfeld, so das Ergebnis einer weltweit durchgeführten Studie mit mehr als 30 Millionen Kindern.

Heute gibt es mehr als zehnmal so viele Kinder und Jugendliche mit starkem Übergewicht als noch 1975. Diese bedenkliche Entwicklung wird in einer großen weltweiten Analyse deutlich, in der Daten von 2.416 Studien mit 31,5 Millionen Kindern und Jugendlichen aus 200 Ländern gepoolt und ausgewertet wurden.

Demnach ist die Adipositas-Prävalenz seit 1975 bei den Mädchen weltweit von 0,7% auf 5,6% und bei den Jungen von 0,9% auf 7,8% angestiegen.

Seit 2000 kein weiterer Zuwachs in Industrienationen

Die gute Nachricht: Generell ist in den Industrienationen seit dem Jahr 2000 zumindest kein weiterer bedeutsamer Anstieg der Prävalenz-Zahlen mehr zu verzeichnen, es ist also ein Plateau erreicht.

Trotzdem ist die Situation in Deutschland alles andere als beruhigend, obwohl die Zahlen im Vergleich zu denen anderer Industrienationen noch recht akzeptabel erscheinen.

So war im Jahr 2016 hierzulande etwa jedes vierte Mädchen in einem Alter zwischen 5 und 19 Jahren übergewichtig (24,7% im Vergleich zu 14,2% in 1975), bei den Jungen war sogar fast jeder dritte zu dick (28,4% vs. 13,4% in 1975). Jeder zehnte Junge (11,2%) und 6,9% der Mädchen galten bereits als stark übergewichtig bzw. adipös; 1975 traf dies gerade mal auf 3,3% bzw. 2,5% der Kinder zu.

Zum Vergleich: In den USA ist bereits fast jeder fünfte Junge adipös (23,2%) und jeder zweite (44,2%) übergewichtig. Spitzenreiter in der aktuellen Analyse waren die pazifischen Inselstaaten Polynesien und Mikronesien mit einer Adipositas-Prävalenz von 25,4% bei den Mädchen und 22,4% bei den Jungs, gefolgt von den englischsprachigen Industrienationen. 

Aber: Prävalenz steigt in weniger entwickelten Ländern

Nach Ansicht der Studienautoren wird eine effiziente Adipositas-Bekämpfung in einigen der Industrienationen u .a. durch den Widerwillen der Politik begrenzt, Steuern und Regelungen für die Lebensmittelindustrie einzuführen, die das Essen- und Trinkverhalten der Bevölkerung positiv beeinflussen könnten. In Deutschland sei hier die gescheitere Einführung der sog. Lebensmittelampel genannt.

Alarmierend ist die in den letzten Jahren stark zunehmende Prävalenz von Übergewicht und Adipositas in weniger entwickelten Ländern in Ostasien, Lateinamerika und der Karibik; in China etwa sind mittlerweile 35,0% bzw. 15,4% der Jungs übergewichtig bzw. adipös.  

Immer noch viele untergewichtige Kinder

Trotz allem gibt es heutzutage weltweit immer noch mehr untergewichtige als übergewichtige Kinder. Die traurige Bilanz: Im Jahr 2016 wiesen 8,6% der Mädchen und 12,4% der Jungen ein zu niedriges Körpergewicht auf (1975: 9,2 bzw. 14,8%). Damit hat die Prävalenz von Untergewicht generell zwar abgenommen. Der Rückgang fällt allerdings deutlich geringer aus als der auf der anderen Seite zu beobachtende Anstieg von Übergewicht und Adipositas. Und wenn der Trend so weiter gehe, dann gebe es 2022 mehr übergewichtige als untergewichtige Kinder, machen die Studienautoren deutlich.

Die in der Studie vorgenommene Beurteilung des Körpergewichts basierte auf den WHO-Definitionen: Als übergewichtig wurde ein Kind mit einem BMI eingestuft, der 1 bis 2 Standardabweichungen (SD) über dem mittlerem alters- und geschlechtsspezifischen Referenzwert lag, bei mehr als 2 SD Abweichung galt es als adipös. Hierbei ist zu erwähnen, dass anhand dieser Definition mehr Kindern in der Studie als adipös eingestuft wurden, als das etwa mit dem Klassifizierungssystem der „International Obesity Task Force“ der Fall gewesen wäre. Der Trend sei aber derselbe, betonen die Studienautoren.

Literatur

NCD Risk Factor Collaboration (NCD-RisC). Worldwide trends in body-mass index, underweight, overweight, and obesity from 1975 to 2016: a pooled analysis of 2416 population-based measurement studies in 128·9 million children, adolescents, and adults. The Lancet, Published Online October 10, 2017 http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(17)32129-3

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