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08.01.2019 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Risikomanagement

Kalk-Score sagt Statin-Effekt in der Primärprävention voraus

Autor:
Philipp Grätzel

Argumentatives Futter für Anhänger des Calcium-Scorings: Eine retrospektive Analyse deutet darauf hin, dass Patienten mit einem Agatston-Score über 100 Punkten in der Primärprävention deutlich von Statinen profitieren.

Epidemiologische Studien, die gezeigt haben, dass der Kalk-Score mit kardiovaskulären Ereignissen korreliert und dazu genutzt werden kann, klinische Risiko-Scores zu optimieren, gab es schon einige. Neben der internationalen MESA-Studie war es unter anderem die deutsche Heinz Nixdorf Recall Studie, die hier Daten geliefert hat. Klinisch relevant ist unter anderem die Frage, ob sich per Kalk-Score in Primärpräventionsszenarien Patienten identifizieren lassen, die von einer Statin-Therapie profitieren.

Statin-Therapie nach Kalk-Score?

Hier setzt eine jetzt in der Zeitschrift JACC publizierte Analyse an, die Daten aus einer medizinischen Datenbank des US-Militärs nutzt. Bei insgesamt knapp 14.000 Menschen ohne atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankung, zu 70 Prozent Männer, wurde zwischen 2002 und 2009 ein koronares Calcium-Scoring per CT durchgeführt. Die Probanden waren im Mittel 50 Jahre alt und wurden jeweils neun Jahre lang nachverfolgt.

Primärer Endpunkt war ein erstes unerwünschtes kardiovaskuläres Ereignis (MACE) – streng definiert als Myokardinfarkt, Schlaganfall oder kardiovaskulärer Tod – in Abhängigkeit vom Calcium-Score zu Studienbeginn und davon, ob eine primärpräventive Statin-Therapie erfolgte oder nicht. Um andere Einflussfaktoren möglichst auszuschließen, wurde für die Analyse ein Propensity-Score-Matching durchgeführt. Patienten mit und ohne Statin-Therapie wurden nicht nur im Hinblick auf den Kalk-Score stratifiziert, sondern auch hinsichtlich diverser Begleiterkrankungen aufeinander abgestimmt.

Über alle Probanden mit positivem Kalk-Nachweis – also ab einem Agatston-Score von 1 – hinweg war die primärpräventive Statin-Therapie mit einem um statistisch signifikante 24 Prozent niedrigeren MACE-Risiko assoziiert (95%-KI 0,60–0,95; p = 0,015). Probanden mit einem Kalk-Score von 0 zogen dagegen keinen Nutzen aus der Statin-Therapie. Hier gab es nicht einmal einen Trend zugunsten der Statine.

Zwölf Patienten zehn Jahre behandeln verhindert ein MACE

Bei positivem Kalk-Score korrelierte das MACE-Risiko in der Detailanalyse dagegen eindeutig mit dem Ausmaß der Verkalkung. Lag der Agatston-Score zwischen 1 und 100, gab es bei Statin-Therapie im Trend einen Vorteil hinsichtlich der MACE-Rate. Der sei aber weder statistisch signifikant noch klinisch relevant gewesen, so die Autoren. Anders sah es bei einem Kalk-Score zwischen 101 und 400 aus: Hier betrug die relative Risikoreduktion durch die Statin-Therapie 68 Prozent. Bei einem Kalk-Score ab 401 Punkten waren es 44 Prozent.

Auch der absolute Nutzen der Statine war zumindest in dieser retrospektiven Erhebung bei höherem Kalk-Score nicht ganz klein. Während die Number-needed-to-Treat für eine zehnjährige Statin-Therapie bei einem Kalk-Score von 1 bis 100 Punkten noch sehr hoch war, nämlich 100, betrug sie ab einem Kalk-Score von 101 Punkten nur noch zwölf. Den Autoren und auch dem Kommentator Prof. Khurram Nasir, Direktor für Public Health und Präventionsforschung bei der Baptist Health Medical Group in Florida, reicht das, um dafür zu plädieren, den Kalk-Score systematischer ins Risiko-Screening einzubeziehen. Insbesondere Menschen mit intermediärem Risiko und einem Kalk-Score ab 101 wären demnach Kandidaten für ein primärpräventives Statin.

Literatur

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