Nachrichten 17.12.2019

Kardiovaskuläre Erkrankungen: Europäische Länder mit mittlerem Einkommen am stärksten betroffen

Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) hat eine aktuelle Analyse zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen in 56 Ländern veröffentlicht. Der Schwerpunkt liegt auf Ungleichheiten bei Krankheitslast und Gesundheitsversorgung.

Laut des ESC-Berichts herrscht in Ländern mit mittlerem Einkommen die höchste Morbidität und Mortalität aufgrund von kardiovaskulären Erkrankungen. Teil der Analyse waren fast alle europäischen Staaten plus einige asiatische, nordafrikanische und östliche Mittelmeerländer. Darin wurden die Belastung durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die Ressourcen für die Behandlung und der Zugang zu modernen Diagnosetools und Therapien verglichen, was sich zum Teil stark unterscheidet.

47% der Frauen und 39% der Männer sterben an Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Kardiovaskuläre Erkrankungen sind nach wie vor die häufigste Todesursache weltweit. In den untersuchten ESC-Mitgliedsländern sterben daran aktuell 47% aller Frauen und 39% aller Männer. Die Anzahl der Todesfälle ist in den vergangenen 27 Jahren nur wenig gesunken, in 11 Ländern gar nicht. Auch die Häufigkeit von koronarer Herzkrankheit und Schlaganfällen hat sich nur geringfügig verändert.

Im Vergleich zu Ländern mit hohem Einkommen sterben in Ländern mit mittlerem Einkommen mehr Menschen vor dem 70. Lebensjahr und die altersstandardisierte Inzidenz und Prävalenz von koronarer Herzerkrankung und Schlaganfällen ist dort höher. Zudem verlieren die Menschen dort dreimal mehr Lebensjahre aufgrund von kardiovaskulären Erkrankungen, dadurch bedingter Behinderung oder frühem Tod.

„Der Bericht unterstreicht die Notwendigkeit einer gemeinsamen Präventionspolitik, besonders in den Ländern mit mittlerem Einkommen“, so Prof. Panos Vardas, Chief Strategy Officer der ESC-Zentrale in Brüssel, in einer Pressemitteilung der ESC. Im Vergleich zu reichen Ländern seien mittelreiche Länder schlechter in der Lage, die Kosten moderner Gesundheitsversorgung zu decken. Das verwehre den Patienten teilweise den Zugang zu Behandlungen wie Aortenklappenimplantationen (TAVI) oder Herztransplantationen.

Starke Zunahme von Adipositas und Diabetes ist die größte Herausforderung

Der Bericht zeigte auch, dass Männer im Vergleich zu Frauen in Ländern mit hohem und mittlerem Einkommen höhere altersstandardisierte Sterberaten aufwiesen, häufiger koronare Herzkrankheit oder Schlaganfälle bekamen und fast doppelt so viele Lebensjahre durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, dadurch bedingte Behinderung oder frühen Tod verloren.

Kardiovaskuläre Erkrankungen seien bei Männern die häufigste Ursache für Tod vor dem 70. Lebensjahr, während bei Frauen Krebs der häufigste Grund sei, so Prof. Adam Timmis, leitender Autor der Analyse in einer Pressemitteilung der ESC. „Die potenzielle Reversibilität von Risikofaktoren wie Bluthochdruck und erhöhter Cholesterinspiegel sowie ungesunde Verhaltensweisen wie Bewegungsmangel und schlechte Ernährung bieten eine große Chance, die in diesem Bericht dokumentierten gesundheitlichen Ungleichheiten zu beseitigen“, fasst er zusammen.

Angesichts der im Bericht erläuterten Ergebnisse sei es jedoch unwahrscheinlich, dass die Weltgesundheitsorganisation ihr Ziel erreiche, die durch kardiovaskuläre Erkrankungen, Krebs, Diabetes und chronische Atemwegserkrankungen bedingten Todesfälle bis 2025 um 25% zu senken. Nach Ansicht der Studienautoren ist die größte Herausforderung beim Reduzieren der kardiovaskulären Morbidität und Mortalität der starke Anstieg von Adipositas und Diabetes. In den letzten 30 Jahren hatte sich die Prävalenz um das Zwei- bis Dreifache erhöht.

Literatur

ESC Cardiovascular Disease Statistics 2019. European Heart Journal 2019. https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehz859.

ESC-Pressemitteilung: Middle-income countries are hardest hit by cardiovascular disease in Europe. 10.12.2019.

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