Nachrichten 08.05.2019

Kennzeichnung von Zuckerzusatz könnte kardiovaskuläres Risiko und Gesundheitskosten reduzieren

Eine Modellrechnung in einer aktuellen US-Studie zeigt: Wenn Lebensmittelhersteller auf Verpackungen genauer über zusätzlich beigefügten Zucker informieren, könnte das innerhalb der nächsten 20 Jahre fast eine Million Fälle von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes verhindern.

In den USA ist es wie in Deutschland Pflicht, den Gesamtzuckergehalt eines Nahrungsmittels oder Getränks auf dem Etikett anzugeben. 2016 hat die amerikanische „Food and Drug Administration“ angekündigt, dass Lebensmittelhersteller dort bald zusätzlich kennzeichnen müssen, wieviel Zucker hinzugefügt wurde, um diesen vom natürlichen Zuckergehalt abzugrenzen.

Gesundheitskosten würden um 31 Milliarden US-Dollar sinken

In der Studie des National Institute of Health und der Tufts Universität in Massachusetts wurde jetzt untersucht, wie sehr dies das kardiovaskuläre Risiko der Bevölkerung und die damit verbundenen Kosten senken könnte. Die neuen Daten deuten darauf hin, dass die zusätzliche Etikettierung zwischen 2018 und 2037 mehr als 354.000 Fälle von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und fast 600.000 Fälle von Typ-2-Diabetes verhindern könnte. Die Forscher um Prof. Renata Micha der Tufts Universität schätzen, dass sie die Nettokosten für Gesundheitsfürsorge um 31 Milliarden US-Dollar senken würde.

Die Forscher gingen von einem täglichen Zuckerkonsum von 37,3g pro Tag aus. Sie schätzten, dass er in den nächsten 20 Jahren sowieso um 5,8g abnehmen würde und durch die geplanten Zuckeretiketten zusätzlich um 2,1g pro Tag. Nach Ansicht der Studienautoren würde die größte positive Veränderung eintreten, wenn die Hersteller als Konsequenz den Zuckergehalt der Lebensmittel reduzieren würden.

Richtlinie soll bis 2020 umgesetzt werden

Der Zeitpunkt der Kennzeichnungspflicht wurde mehrmals verschoben, um der Lebensmittelindustrie genug Zeit für die Umsetzung zu geben. Bis 2020 soll sie für große Hersteller gelten, bis 2021 auch für kleine Hersteller. Die Autoren sehen in den Studienergebnissen ein weiteres Argument, die Richtlinie zeitnah umzusetzen.

Der Erfolg der Etikettierung hängt auch davon ab, wie viele Konsumenten die Kennzeichnung bemerken und verstehen. Die Studienautoren sind der Ansicht, dass die zusätzliche Information den Verbrauchern die Chance gibt, informierter über ihre Ernährung zu entscheiden, gesündere Produkte auszuwählen und somit ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ihr Sterberisiko zu senken.

Literatur

Micha R et al. Cost-Effectiveness of the US Food and Drug Administration Added Sugar Labeling Policy for Improving Diet and Health. Circulation 2019. https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.118.036751

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Bildnachweise
eHealth in der Kardiologie/© ra2 studio / stock.adobe.com
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Webinar Dyslipidämien mit Prof. Ulrich Laufs/© Kardiologie.org | Prof. Laufs [M]
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DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt
Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018/© DGK 2018