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22.09.2017 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Auch ohne Fitnessstudie

Körperliche Bewegung verhindert jeden 12. Todesfall

Autor:
Veronika Schlimpert

Körperliche Bewegung wirkt lebensverlängernd, das macht die bisher größte Studie zu dieser Thematik erneut deutlich. Dabei muss man sich gar nicht ins Fitnessstudio bemühen. Bewegung  im Alltag reicht schon aus.

Dass Sport der Gesundheit gut tut, ist wohl mittlerweile allseits bekannt. Die bisher größte Studie zur körperlichen Aktivität mit über 130.000 Teilnehmern macht nun deutlich, wie viel sich bereits mit normaler Alltagsbewegung erreichen lässt.

150 Minuten Bewegung pro Woche reichen aus, um etwa einen von zwölf Todesfällen zu verhindern. Dabei ist es egal, ob man die Zeit im Fitnessstudio abstrampelt oder einfach nur mit dem Rad zur Arbeit fährt oder Haushaltstätigkeiten bewältigt.

In der PURE-Studie wurden nämlich nicht – wie in sonstigen Studien – hauptsächlich Personen aus Industrienationen untersucht, die ihre sportliche Aktivität recht häufig in der Freizeit ausüben, sondern auch Menschen aus weniger entwickelten Ländern wie Indien, Bangladesch, Pakistan oder Zimbabwe. In solchen Ländern bewegen sich die Menschen überwiegend im Alltag, Sport als Freizeitbetätigung ist eher wenig verbreitet.

Moderate Bewegung reicht

Bereits eine moderate körperliche Aktivität (150 bis 750 Minuten pro Woche) senkte das Sterberisiko im Laufe von knapp sieben Jahren um 20% im Vergleich zu einem geringen Bewegungspensum (< 150 Minuten). Die kardiovaskuläre Sterblichkeit nahm um 14% ab. Die Wirkung war umso größer, je mehr sich die Teilnehmer bewegten. So ging eine Aktivität von über 750 Minuten pro Woche mit einer 35% niedrigeren Gesamtmortalität und 25% niedrigeren kardiovaskulären Sterblichkeit einher.  Diese Assoziation war unabhängig von der Art der Bewegung und dem sozioökonomischen Status.

„Die Förderung der körperlichen Aktivität stellt eine einfache, breit einsetzbare und günstige globale Strategie dar, um die Gesamtmortalität und die kardiovaskuläre  Sterblichkeit zu verringern“, lautet das Fazit der Studienautoren um Scoot Lear von der Simon Fraser Universität in Vancouver. Die Studie deute darauf hin, dass jede Form der körperlichen Anstrengung förderlich sei.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, Erwachsenen in einem Alter zwischen 18 und 64 Jahren sich mindestens 150 Minuten pro Woche mit moderater Intensität zu bewegen und mindestens zweimal pro Woche ein Krafttraining zu absolvieren.

Je mehr, desto besser

Diese Vorgabe schafften immerhin gut 80% der Teilnehmer einzuhalten. Einer Berechnung zufolge ließen sich dadurch 8% der Todesfälle (also etwa jeder 12. Fall) und 4,6% der kardiovaskulären Todesfälle (ca. jeder 20. Fall) vermeiden. Knapp die Hälfte aller Teilnehmer (44%) erreicht ein noch größeres Pensum, wodurch die Zahl der Todesfälle weiter abnahm (um 13% und 9,5%). Bei einer solchen extremen körperlichen Aktivität waren keine Risiken zu erkennen.

Ein derart hohes Bewegungspensum erreichten allerdings die wenigsten Personen durch sportliche Freizeitaktivität (2,9%), sondern deutlich häufiger durch Anstrengungen im Alltag (37,9%). Daher empfehlen die Studienautoren, körperliche Aktivität in den Alltag zu integrieren, etwa auf dem Weg zur Arbeit, im Beruf oder im Haushalt.

Insgesamt wurden in der PURE-Studie 130.843 Menschen aus 17 Ländern der Welt zu ihrer körperlichen Aktivität mithilfe des „International Physical Activity Questionnaire“ (IPQA) befragt und im Mittel 6,9 Jahre nachverfolgt. Eine solche Selbsteinschätzung birgt selbstverständlich eine potenzielle Fehlerquelle, da vermutlich nicht alle Personen wahrheitsgetreue Angaben machten.

Literatur

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