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15.08.2017 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Herzinfarkt und Schlaganfall

Krebserkrankungen erhöhen Risiko für arterielle Thromboembolien

Autor:
Peter Overbeck

Patienten mit neu diagnostizierter Krebserkrankung unterliegen in den ersten Monaten nach der Diagnose anscheinend einem erhöhten Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Dafür sprechen Ergebnisse einer aktuellen Analyse von Daten „gematchter“ Patientengruppen mit und ohne maligne Erkrankungen.

Krebserkrankungen können bekanntlich auch das Herz-Kreislaufsystem in Mitleidenschaft ziehen -  und das nicht nur durch kardiotoxische Effekte von Zytostatika. So weiß man, dass davon betroffene Patienten ein deutlich erhöhtes Risiko für venöse Thromboembolien haben. Als Grund dafür gelten unter anderem pathologische Veränderungen im Gerinnungssystem wie Hyperkoagulabilität.

Dadurch könnte auch die Entstehung arterieller Thromboembolien begünstigt werden. Derzeit gilt eine neu aufgetretene Krebserkrankung aber nicht als Risikofaktor für thrombotische Ereignisse wie Myokardinfarkt und Schlaganfall. Allerdings gibt es bereits Hinweise auf eine entsprechende Risikoerhöhung.

Fast 280.000 „gematchte“ Paare verglichen

Eine US-Forschergruppe um Dr. Babak Navi aus New York wollte angesichts der unklaren Datenlage mehr über den Zusammenhang zwischen malignen Erkrankungen und der Inzidenz von thrombotischen Komplikationen wie Herzinfarkt und Schlaganfall in Erfahrung bringen. Dazu hat die Gruppe zunächst in der SEER-Datenbank (Surveillance Epidemiology and End-Result-Medicare) Patienten identifiziert, bei denen zwischen 2002 und 2011 eine neu aufgetretene Krebserkrankung festgestellt worden war. Es handelte sich dabei um Brust-, Lungen-, Prostata-, Blasen-, Pankreas- oder Magenkrebs sowie um kolorektale Tumore oder Non-Hodgkin-Lymphom bei Erwachsenen im Alter über 66 Jahre.

Diesen Patienten wurden dann jeweils Kontroll-Patienten gegenübergestellt, die bezüglich demografischer Charakteristika  weitgehend vergleichbar waren, aber keine Krebserkrankung hatten. Auf diese Weise wurden 279.791 „gematchte“ Paare gebildet, bei denen die gesundheitliche Entwicklung mit den Mitteln der Datenbank-Analyse bis 2012 nachbeobachtet wurde.

Thromboembolie-Rate bei Krebs doppelt so hoch

In den ersten sechs Monaten nach der Diagnose traten bei 4,7% aller Patienten mit Krebserkrankungen arterielle Thromboembolien auf. In der Kontrollgruppe ohne entsprechende Erkrankungen betrug die Inzidenzrate dagegen nur 2,2% (Hazard Ratio: 2,2).

Der Unterschied ist auf eine erhöhtes Inzidenz von sowohl Myokardinfarkten als auch ischämischen Schlaganfällen in der Gruppe mit Krebserkrankungen zurückzuführen. Mit Blick auf Myokardinfarkte ergaben sich in den ersten sechs Monaten Raten von 2,0% versus 0,7%, mit Blick auf ischämische Schlaganfälle Raten von 3,0% versus 1,6%.

Höchstes Risiko bei Lungenkrebs

Das Thromboembolie-Risiko variierte in Abhängigkeit von der Art der Krebserkrankung und war generell höher in fortgeschrittenen Krankheitsstadien. Dem höchsten Risiko waren Patienten mit Lungentumoren ausgesetzt, bei ihnen stieg die kumulative Inzidenz von Herzinfarkten und Schlaganfallen in den ersten sechs Monaten auf 8,3% an (Kontrollen: 2,4%). Auch bei Patienten mit Magen- und Pankreastumoren bestand ein relativ hohes Risiko.

Die mit malignen Erkrankungen assoziiert Risikoerhöhung verringerte sich allerdings in der Folgezeit, sie war nach mehr als einem Jahr praktisch nicht mehr existent.

Müssen präventive Bemühungen verstärkt werden?

Die Studienautoren werfen angesichts dieser Ergebnisse die Frage auf, ob Patienten mit neu festgestellten malignen Erkrankungen – vor allem jene in fortgeschrittenen Stadien solcher Erkrankungen – generell als Kandidaten für eine Prophylaxe mit Antithrombotika und Statinen in Betracht gezogen werden sollten. Noch ist es nach ihrer Ansicht zu früh für eine solche Empfehlung.

Zu bedenken sei etwa, dass maligne Erkrankungen auch mit einem erhöhten Blutungsrisiko einhergehen. Deshalb  bedürfe es zunächst weiterer Studien, um die Frage der optimale Behandlungsstrategie zur Prophylaxe arterieller Thromboembolien bei dieser speziellen Patientengruppe zu klären. Die Gruppe um Studienleiter Navi weist darauf hin, dass bereits randomisierte Studien etwa zur Wirksamkeit einer kurzfristigen Therapie mit niedrig dosierten Apixaban oder mit Plättchenhemmern plus Statin auf den Weg gebracht worden sind.

Literatur

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