Nachrichten 15.01.2021

Krebspatienten: Bessere Prognose mit ASS?

Die Studienlage zum Langzeitnutzen von ASS bezüglich Krebserkrankungen und Mortalität ist kontrovers. Jetzt gibt es neue Hinweise darauf, dass die Einnahme des Plättchenhemmers die Überlebenschancen bei einigen Krebsarten möglicherweise verbessern kann.

Bei älteren Patienten mit Harnblasen- oder Mammakarzinomen könnte die regelmäßige Gabe von Acetylsalicylsäure (ASS) das Mortalitätsrisiko verringern, entdeckten US-amerikanische Forscher. Bei anderen Krebsentitäten zeigte sich dagegen kein Effekt.

Das Team um Dr. Holli Loomans-Kropp vom Nationalen Krebsforschungsinstitut in Rockville analysierte Daten von knapp 140.000 Patienten, die mindestens 65 Jahre alt waren und an einer großen Krebsstudie teilgenommen hatten. Ihr ASS-Gebrauch war anhand von Fragebögen ermittelt worden, Informationen zum Auftreten verschiedener Karzinome und dem Überleben stammten aus Krankenakten, Berichten und Sterbeurkunden der Teilnehmer. Die Forscher verglichen das Risiko für Krebserkrankungen und Tod bei Personen mit und ohne regelmäßige ASS-Einnahme.

Rund ein Viertel erkrankte an Krebs

Während der Nachbeobachtungszeit erkrankten fast 33.000 Teilnehmer an Krebs: 14% der Kohorte entwickelten Mammakarzinome, 5% Harnblasenkarzinome, 3% Pankreaskarzinome, 2% Uterus-, 1% Magen- und 1% Speiseröhrenkrebs. ASS-Gebrauch war nicht mit der Inzidenz einer dieser Krebsentitäten bei über 65-Jährigen assoziiert.

Jedoch ging die Einnahme von ASS mindestens dreimal pro Woche mit verbesserten Überlebenschancen bei Blasen- und Brustkrebs einher. Sie korrelierte mit einem um 33% bzw. 25% verringerten Mortalitätsrisiko. Ähnliche Beobachtungen machten die Forscher für jeglichen ASS-Gebrauch unabhängig von der Häufigkeit, der immerhin noch mit einem um 25% bzw. 21% verringerten Mortalitätsrisiko bei Harnblasen- oder Mammakarzinomen einherging. Beides blieb nach Adjustierung auf Faktoren wie Raucherstatus oder Begleiterkrankungen bestehen. Bei den anderen Krebsarten wurden keine solchen Assoziationen festgestellt.

Mögliche Schäden nicht ausgeschlossen

Loomans-Kropp und Kollegen erwähnen auch die ASPREE-Studie, die im Gegensatz zur aktuellen Analyse auf erhöhte Sterberaten von Krebspatienten bei ASS-Gebrauch hinweist, etwa bei kolorektalen Karzinomen. Dies sei jedoch besonders bei Krebs im fortgeschrittenen Stadium der Fall gewesen und Teilnehmer mit okkulten Metastasen seien nicht ausgeschlossen worden. Zudem haben die meisten Probanden vor Studienbeginn nicht regelmäßig ASS eingenommen. Diese Details könnten möglicherweise zu den kontroversen Ergebnissen beigetragen haben, vermuten die Forscher.

Andere Studien stimmen dagegen mit der aktuellen Untersuchung überein, dass sich ASS positiv auf die Prognose von Krebspatienten auswirken könnte. „Unsere Ergebnisse sind ein weiterer Hinweis darauf, dass ASS die Überlebenschancen bei einigen Krebsentitäten verbessern könnte. Während sich frühere Untersuchungen vor allem auf gastrointestinale Tumoren konzentriert haben, weitet unsere Studie die mit ASS assoziierten Vorteile auf Harnblasen- und Mammakarzinome aus. Auch wenn ASS einen schützenden Effekt haben könnte, bleibt es notwendig, neben dem Nutzen auch mögliche Schäden durch den Langzeitgebrauch von ASS zu berücksichtigen“, so die Wissenschaftler.

Da die aktuellen Ergebnisse nur Assoziationen aufzeigen, kann auf keine kausale Wirkung von ASS auf die Überlebenschancen von Krebspatienten geschlossen werden.

Literatur

Loomans-Kropp H et al. Evaluation of Aspirin Use With Cancer Incidence and Survival Among Older Adults in the Prostate, Lung, Colorectal, and Ovarian Cancer Screening Trial. JAMA 2021. https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2020.32072

Highlights

Das Live-Kongress-Angebot der DGK

Sichern Sie sich den Zugang zu allen zertifizierten Vorträgen von DGK.Online 2021 und der 87. Jahrestagung 2021 live und on demand.

Corona, COVID-19 & Co.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Neue SARS-CoV-2-Varianten: 5 Dinge, die jeder Kardiologe wissen sollte

Hiobsbotschaften von neuen, ansteckenderen und womöglich virulenteren SARS-CoV-2-Varianten beunruhigen die Bevölkerung. Doch welche Konsequenzen haben sie für die Arbeit der Ärzte? Experten haben die wichtigsten Fakten zusammengetragen.

Reicht ein Troponin-Test aus, um Patienten zu entlassen?

Bei konventionellen Troponin-Tests wird bei negativem Ergebnis eine serielle Messung empfohlen. Neue Daten aus den USA deuten allerdings an, dass ein einziger Test ausreichen könnte, um Patienten mit anfänglichem Herzinfarkt-Verdacht sicher zu entlassen.

Gefäßgesundheit bei Männern: Bewegung hilft mehr als Testosteron

Testosteron-Creme ist wohl kein Jungbrunnen für die Blutgefäße älterer Männer mit zu viel Bauchspeck. Mit körperlichem Training lässt sich bei ihnen zur Verbesserung der arteriellen Funktion wesentlich mehr erreichen, zeigt eine randomisierte Studie.

Aus der Kardiothek

80-jähriger Patient im CT – wie lautet Ihre Diagnose?

Kardiale Computertomografie bei einem 80-jährigen Patienten nach STEMI – was ist zu sehen?

62-Jähriger mit Schrittmacher – was ist im Röntgen zu sehen?

62-jähriger Patient mit Zustand nach 2-Kammer-Schrittmacher, aufgenommen bei respiratorischer Insuffizienz. Was ist auf den Röntgenbildern zu sehen?

Zepter und Krone – oder was sehen Sie auf dem Bild?

Kardiale Computertomographie, 3-dimensionale Rekonstruktion im „Metallfenster“. Was ist zu sehen?

DGK.Online 2021/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Kardiale Computertomografie/© S. Achenbach (Medizinische Klinik 2 des Universitätsklinikums Erlangen)
Röntgen-Thorax/© PD Dr. med. Katharina Schöne, MediClinHerzzentrum Coswig
Kardiale Computertomographie/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen