Nachrichten 24.01.2019

Kurzer und unruhiger Schlaf begünstigt Atherosklerose

Schlaf von geringer Dauer und schlechter Qualität scheint sich negativ auf das Atherosklerose-Risiko auszuwirken, so das Ergebnis einer neuen Beobachtungsstudie. Die Autoren betonen die Bedeutung gesunder Schlafgewohnheiten, um kardiovaskulären Erkrankungen vorzubeugen.

Menschen, die nur 6 Stunden schliefen, hatten im Vergleich zu Personen mit 7 bis 8 Stunden Schlaf ein um 27 Prozent erhöhtes Risiko, dass sich Plaques an den Gefäßen bildeten. Bei den Versuchsteilnehmern, die unruhig schliefen, war das Risiko, dass bei ihnen Gefäßveränderungen bestanden, um 34 Prozent erhöht.

Die Arbeitsgruppe um Dr. José Ordová der Tufts University Boston untersuchte 3974 Personen mittleren Alters, bei denen keine Herz-Kreislauf-Erkrankungen bekannt waren. Sieben Tage lang wurde ihre Schlaf-Wach-Aktivität mithilfe eines Sensors (Aktigraph) gemessen. Zudem wurden mit modernen Bildgebungsverfahren (Kardio-CT und 3D-Gefäß-Ultraschall) die Atherosklerose in den nicht koronaren Gefäßen und die koronare Verkalkung gemessen. Die Probanden wurden in vier Gruppen eingeteilt: Sehr kurze Schlafdauer (unter 6 Stunden), kurze Schlafdauer (6 bis 7 Stunden), Referenz-Schlafdauer (7 bis 8 Stunden) und lange Schlafdauer (mehr als 8 Stunden). Bei denjenigen, die weniger als 6 Stunden schliefen oder mit vielen Unterbrechungen, zeigte der Framingham Risk Score für 10 Jahre sowie für 30 Jahre ein deutlich erhöhtes kardiovaskuläres Risiko.

Objektive Daten im Vergleich zu früherer Forschung

Frühere Beobachtungsstudien hatten bei Patienten mit kurzer und langer Schlafdauer ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Schlaganfall, Übergewicht und Diabetes ergeben. Diese waren jedoch anfällig für Verfälschungen, da sie auf selbstermittelten Schlafdaten der Teilnehmer beruhten. Denn die aktuelle Studie, die auf aktigraphischen Daten aufbaut, zeigt, dass zusätzliche selbstdokumentierte Daten der Patienten oft deutlich davon abweichen. Eine weitere Einschränkung der vergangenen Untersuchungen: Sie schlossen Patienten mit bereits bestehenden kardiovaskulären Erkrankungen und entsprechender medikamentöser Behandlung mit ein, was wiederum die Schlafdauer beeinträchtigen kann.

Am gesündesten ist eine Schlafdauer von 7 bis 8 Stunden

Die Daten zeigen, dass kurzer und schlechter Schlaf die Wahrscheinlichkeit für Atherosklerose erhöht. In Hinblick auf den Koronar-Kalk-Gehalt und Entzündungsmarker ergab sich kein Unterschied in Abhängigkeit von Schlafqualität und -dauer. Versuchspersonen mit einem höheren Kaffee- und Alkoholkonsum schliefen vergleichsweise kürzer und unruhiger und damit ungesünder.

Die Studie ergab allerdings auch, dass vor allem Frauen, die mehr als 8 Stunden schliefen, ebenfalls gefährdet waren Atherosklerose zu bekommen. Da jedoch nur 4 Prozent der Versuchspersonen zu der Gruppe mit der langen Schlafdauer zählten, müsste dieses Ergebnis noch mit mehr Probanden verifiziert werden. Es lässt aber darauf schließen, dass zu langes Schlafen auch nicht gesund ist und die Empfehlung bei 7 bis 8 Stunden liegen sollte.

Literatur

Ordovás J et al. Journal of the American College of Cardiology. Association of Sleep Duration and Quality With Subclinical Atherosclerosis. http://www.onlinejacc.org/content/73/2/134.abstract

Highlights

Was es 2021 in der Kardiologie Neues gab: Koronare Herzkrankheit

Zum Thema ischämische Herzerkrankungen gab es 2021 wieder viele Studien, von denen einige sicher Auswirkungen auf künftige Praxis-Leitlinien haben werden. Im Fokus stand dabei unter anderem erneut die antithrombotische Therapie nach akutem Koronarsyndrom und PCI.

Kardiologische Leitlinien kompakt

Leitlinien, Kommentare, Positionspapiere, Konsensuspapiere, Empfehlungen und Manuals der DGK

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

COVID-19: Herz von Kindern mit MIS-C erholt sich rasch

Kindern mit einem multisystemischen Inflammationssyndrom (MIS-C) in Folge einer COVID-Erkrankung entwickeln oft akute kardiale Komplikationen. Ihr Herz erholt sich davon aber recht schnell wieder, legt eine Studie nahe – deren Ergebnisse klinische Implikationen haben könnte.

Plötzlicher Herztod beim Sport: Zu häufig, aber Überlebenschance steigt

Präventionsbemühungen scheinen beim plötzlichen Herztod im Sport noch nicht richtig zu greifen. Dafür überleben mittlerweile dreimal so viele Betroffene wie noch Anfang der Nuller Jahre.

Was sagt der Lp(a)-Wert über die Plaqueprogression aus?

Patienten mit hohen Lipoprotein-a-Spiegeln scheinen ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko zu haben. Eine Studie liefert jetzt Hinweise, warum das so ist. Zusammen mit weiteren Daten könnte das neue Behandlungsansätze eröffnen.

Aus der Kardiothek

Hätten Sie es erkannt?

Eine transthorakale Echokardiografie bei einer 65-jährigen zeigt eine auffällige Raumforderung. Welche Diagnose würden Sie stellen?

Hätten Sie es erkannt?

Koronarangiographie der linken Koronararterie (LAO 5°, CRAN 35°) bei einem Patienten mit NSTEMI nach biologischem Aortenklappenersatz am Vortag. Was ist zu sehen?

Hätten Sie es erkannt?

Ausschnitt einer Ergometrie eines 40-Jährigen Patienten mit gelegentlichem thorakalem Stechen. Was ist zu sehen?

Rückblick 2021/© momius / stock.adobe.com
Leitlinien/© DGK
Kardio-Quiz Dezember 2021/© Dr. med. Monique Tröbs und Felix Elsner, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kardio-Quiz Oktober 2021/© L. Gaede, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kardio-Quiz September 2021/© L. Anneken, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg