Nachrichten 25.06.2019

Lange Arbeitstage erhöhen das Schlaganfallrisiko

Wer viel arbeitet, erhöht dadurch möglicherweise sein Schlaganfallrisiko, besonders wenn die langen Arbeitszeiten über mehr als zehn Jahre andauern. Darauf weist eine neue Studie hin.

Lange Arbeitszeiten – definiert als mehr als zehn Stunden täglich an mindestens 50 Tagen pro Jahr – können zu einem erhöhten Schlaganfallrisiko führen, legt eine aktuelle Studie nahe. Besonders Menschen unter 50 Jahren seien gefährdet.

Hohes Arbeitspensum über zehn Jahre erhöhte Schlaganfallrisiko um 45%

Von 143.592 Studienteilnehmern erlitten 1.224 Schlaganfälle. 42.542 Personen (29%) hatten lange Arbeitszeiten, bei 14.481 (10%) war das bereits zehn Jahre oder länger der Fall. Insgesamt hatten Teilnehmer mit langen Arbeitszeiten ein um 29% erhöhtes Schlaganfallrisiko. Bei Teilnehmern, die schon zehn Jahre oder länger viel arbeiteten, war es um 45% erhöht.

Die Forscher um Dr. Alexis Descatha von der Universität Angers und dem französischen Institut für Gesundheit und medizinische Forschung nutzten Daten aus der französischen bevölkerungsbasierten COSTANCES-Studie, die Auskunft über die Arbeitszeiten der Teilnehmer gaben. Aus separaten medizinischen Interviews ermittelte die Arbeitsgruppe kardiovaskuläre Risikofaktoren und frühere Schlaganfallereignisse. Teilzeitbeschäftigte und Personen, die einen Schlaganfall erlitten hatten, bevor sie lange Arbeitstage hatten, wurden ausgeschlossen.

„Die Assoziation zwischen langer Arbeitszeit über mindestens zehn Jahre und Schlaganfall schien für Menschen unter 50 Jahren stärker zu sein“, sagte Studienautorin Descatha in einer Pressemitteilung der American Heart Association (AHA). Das sei ein unerwartetes Ergebnis, weitere Studien seien notwendig, um diesen Befund zu untersuchen.

Forscher plädieren für kürzere Arbeitszeit bei Hochrisikopatienten

Auch frühere Studien wiesen auf einen Zusammenhang zwischen langen Arbeitszeiten und Schlaganfällen hin. Beispielsweise ergab eine Analyse, dass für 60% der sogenannten Karoshi-Fälle in Japan, bei denen Menschen durch Überarbeitung sterben, Schlaganfall die Todesursache war. In einer anderen Studie stellten Forscher fest, dass die Auswirkung langer Arbeitstage bei Geschäftsinhabern, CEOs, Landwirten, Fach- und Führungskräften geringer war. Nach Ansicht der Studienautoren lag das möglicherweise daran, dass diese Gruppen oft einen größeren Entscheidungsspielraum haben als andere Arbeitnehmer. 

Weitere Studien legten nahe, dass unregelmäßige Schichten, Nachtarbeit und eine hohe Arbeitsbelastung ungesunde Auswirkungen haben können. Die Studienautoren plädieren für Präventionsstrategien wie etwa das Reduzieren der Arbeitszeit bei Personen mit Hochrisikoprofilen für Schlaganfall.

Literatur

Descatha A et al. Association Between Reported Long Working Hours and History of Stroke in the CONSTANCES Cohort. Stroke 2019. doi: 10.1161/ STROKEAHA.119.025454

AHA-Pressemitteilung: Long work hours associated with increased risk of stroke. 20.6.2019.

Highlights

Jetzt wieder: Herzkongress mit wöchentlichen Vorträgen

Der DGK.Online-Kongress 2021 geht weiter: Jede Woche von 18:00–19:30 Uhr erwarten Sie spannende Live-Vorträge aus der Herz-Kreislauf-Medizin, viele davon CME-zertifiziert. Nehmen Sie teil und sammeln Sie live CME-Punkte!

Corona, COVID-19 & Co.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Körperkühlung nach Herzstillstand ohne Nutzen in großer Studie

Durch milde therapeutische Hypothermie mit temporärer Senkung der Körpertemperatur auf 33°C wird die Mortalität bei komatösen Patienten mit Herzstillstand im Vergleich zu einer Routineversorgung, bei der nur Fieber vermieden wird, nicht reduziert, zeigt die TTM2-Studie.

COVID-19: Diese Herzerkrankungen erhöhen das Risiko für schwere Verläufe

Kardiovaskuläre Erkrankungen und Risikofaktoren beeinflussen den Verlauf von COVID-19, umgekehrt wirkt sich die Infektion auf die Herzgesundheit aus. Das legt eine britische Studie nahe und zeigt: Viele der mit schweren Verläufen assoziierten Risikofaktoren sind modifizierbar.

Myokarditis-Fälle nach COVID-19-Impfung – sollten Kardiologen beunruhigt sein?

In Israel und anderen Staaten wurden Myokarditis-Fälle bei jungen Menschen gemeldet, die mit einer COVID-19-mRNA-Vakzine geimpft worden sind. Ein Kardiologe aus Deutschland ist deshalb nicht besonders beunruhigt – wenngleich er rät, wachsam zu sein.

Aus der Kardiothek

Patientin mit einem thorakalen Schmerzereignis – wie lautet Ihre Diagnose?

Lävokardiografie (RAO 30°-Projektion) einer 54-jährigen Patientin nach einem thorakalen Schmerzereignis. Was ist zu sehen?

Patientin mit passagerer Hemiparese – wie lautet Ihre Diagnose?

Transthorakale Echokardiographie mit Darstellung eines apikalen 4-Kammer Blicks einer Patientin mit passagerer Hemiparese.  Was ist zu sehen?

Status quo DMP KHK/Herzinsuffizienz – was Sie wissen müssen

Die Anforderungsrichtlinie für das Disease Management Programm (DMP) wurde gerade erst aktualisiert. Dr. Martin Dürsch erklärt, was es mit den Änderungen auf sich hat und wie sich die DMP Herzinsuffizienz im Alltag umsetzen lässt.

DGK.Online 2021/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Laevokardiographie (RAO 30° Projektion)/© M. Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Transthorakale Echokardiographie/© Daniel Bittner, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
kardiologie @ home/© BNK | Kardiologie.org