Nachrichten 04.09.2018

Langzeiteffekte der Blutdruck- und Cholesterinsenkung: Das Erbe von ASCOT

Blutdruck- und Cholesterinsenkung in der ASCOT-Studie haben auch viele Jahre nach Studienende noch Spuren in Form langfristiger Reduktionen der kardiovaskulären Mortalität hinterlassen, wie Ergebnisse der ASCOT-Legacy-Studie belegen.

Es wird nicht viele Kardiologen geben, denen die ASCOT-Studie (Anglo-Scandinavian Cardiac Outcomes Trial) kein Begriff mehr ist. 

Für die Jüngeren unter uns: Vor fast zwei Jahrzehnten wurden der Effekt des Kalziumantagonisten Amlodipin (plus Perindopril bei Bedarf) und in einem Parallelarm bei Hypertonikern mit erhöhten Lipidwerten der Effekt einer zusätzliche Gabe von Atorvastatin auf das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und die Mortalität untersucht. In beiden Studienarmen konnte ein erheblicher Nutzen der Therapien (für Amlodipin versus Atenolol sowie für Atorvastatin versus Placebo) mit signifikanter Verringerung der Endpunkte nachgewiesen werden.

In der aktuell beim ESC-Kongress 2018 in München vorgestellten ASCOT-Legacy-Studie haben die ASCOT-Autoren auf Basis einer medianen Gesamt-Follow-up-Dauer von knapp 16 Jahren die langfristigen Effekte der geprüften Therapien auf die Mortalität bei 8.580 Studienteilnehmern der initialen Studienpopulation von ehemals mehr als 19.000 Hypertonikern anhand von Mortalitätsdaten des „Office of National Statistics“ in Großbritannien analysiert.

Im Blickpunkt standen  die Gesamtsterblichkeit und die kardiovaskuläre Sterblichkeit, und zwar sowohl im Blutdruckenker-Arm als auch im Lipidsenker-Arm mit  zusätzlich Atorvastatin-Behandlung. Bis zum Zeitpunkt der neuen ASCOT-Langzeitanalyse waren 3282 Studienteilnehmer (38,3%) gestorben, davon 1210 (36,9%) aufgrund von  kardiovaskulären Erkrankungen.

Langzeiteffekt auf kardiovaskuläre Mortalität

Bei der Gesamtsterblichkeit gab es keine signifikanten Unterschiede. Sowohl im Blutdrucksenker-Arm als auch im Lipidsenker-Arm  der Studie konnten aber positive Langzeiteffekte in Hinblick auf die kardiovaskuläre Mortalität gezeigt werden. Im Blutdrucksenker-Arm stellten die ASCOT-Forscher  mehr als 10 Jahre nach Studienende immer noch eine 29% Reduktion von  durch Schlaganfälle bedingten Todesfällen durch Amlodipin im Vergleich zu Atenolol fest (adjustierte Hazard Ratio HR 0,71, p=0,0305). Im Statin-Arm wurde eine 15% Reduktion der kardiovaskulären Todesfälle durch Atorvastatin versus Placebo im Langzeitverlauf beobachtet (HR 0,85, p=0,0395).

Auch wenn die extremen Langzeitverläufe natürlich hochinteressant sind, so muss doch die generelle Bedeutung der Information hinterfragt werden. Im Verlaufe der letzten Jahre haben sich die Behandlungsregime substanziell geändert und multiple Einflüsse müssen bedacht werden. Dennoch bleibt es eine positive Nachricht, dass sich für  protektiv wirksame Substanzen wie ACE-Hemmer und Statine ein Langzeiteffekt auch noch viele Jahren nach Beendigung einer Studie nachweisen lässt.

Literatur

Ajay K. Gupta: ASCOT Legacy study - Longterm impact of the of BP and Lipid lowering treatment in hypertensive patients. Präsentation beim Kongress der European Society of Cardiology (ESC), 25.-29. August 2018, München

 

Gupta A.K.: Long-term mortality after blood pressure-lowering and lipid-lowering treatment in patients with hypertension in the Anglo-Scandinavian Cardiac Outcomes Trial (ASCOT)

Legacy study: 16-year follow-up results of a randomized factorial trial. Lancet 2018, online 26. August. http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(18)31776-8

Highlights

Corona, COVID-19 & Co.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

ESC-Kongress 2020

Für die virtuelle Jahrestagung der European Society of Cardiology (ESC) haben sich mehr als 100.000 Teilnehmer angemeldet. Die wichtigsten Änderungen der neuen Leitlinien und die praxisrelevanten Studien finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Neue Therapie wirkt nephro- und kardioprotektiv bei Nierenkranken

Der Wirkstoff Finerenon verzögert bei Patienten mit Typ-2-Diabetes die Progression einer bestehenden chronischen Nierenerkrankung. Auch kardiale Ereignissen werden damit reduziert, belegen Ergebnisse einer großen Phase-III-Studie.

Wie gut funktioniert eine zweite TAVI?

Eine Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI) lässt sich einer Registerstudie zufolge offenbar auch ein zweites Mal erfolgreich vornehmen. Der Studienautor spricht von einem Richtungswechsel. Doch nicht alle Experten sehen das so optimistisch.

Mit digitalen Tools smart durch die Pandemie

Bleiben Sie zu Hause – das auch beim Patientenmonitoring während des Corona-Ausbruchs umzusetzen, könnte mit Smart Watches und ähnliche Devices gelingen, findet Dr. Farbod Sedaghat-Hamedani vom Universitätsklinikum Heidelberg.

Aus der Kardiothek

Kardio-MRT bei 70-Jährigem – was hat der Patient?

Kardio-MRT bei 70-jährigem Patienten mit Darstellung einer kurzen Achse im mittventrikulären Bereich. Was ist zu sehen?

Thorax-CT bei COVID-19-Patient – worauf zeigen die Pfeile?

Natives CT des Thorax bei einem Patienten mit COVID-19-Pneumonie (kleiner Pfeil). Was ist noch zu sehen (große Pfeile)?

Was sehen Sie im Kardio-MRT?

Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement) mit Darstellung eines Kurzachsenschnitts im mittventrikulären Bereich. Was ist zu sehen?

Bildnachweise
Expertenblickpunkt/© springermedizin
DGK.Herztage 2020/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
ESC-Kongress (virtuell)/© [M] metamorworks / Getty Images / iStock | ESC
Kardio-MRT (CMR, Late Gadolinium Enhancement PSIR)/© Mohamed Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen