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04.09.2019 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Genetische Studie

Lebenslang niedrige Blutdruck- und LDL-Werte senken das kardiovaskuläre Risiko drastisch

Autor:
Dr. Ulrike Fortmüller

Forscher haben erstmals versucht, in einer Studie die Auswirkungen  von langfristig niedrigen LDL-Cholesterin (LDL-C)- und Blutdruckwerten auf das kardiovaskuläre Risiko zu quantifizieren. Dazu nutzten sie genetische Analysen von mehr als 400.000 Personen.

Eine genetische Prädisposition für lebenslang niedrige LDL-Cholesterin- und/oder Blutdruckwerte geht mit einer drastischen Abnahme des Risikos für kardiovaskuläre Erkrankungen einher. Eine Reduktion  des LDL-Cholesterinspiegel um 39 mg/dl (1 mmol/l) in Kombination mit einer Abnahme des Blutdrucks  um 10 mmHg ist mit einem um 80% niedrigeren  Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und einem um 68% niedrigeren Risiko für einen kardiovaskulär verursachten Tod assoziiert.  Schon bei gleichzeitiger lebenslanger Abnahme des LDL-Cholesterins um 15 mg/dl  und des Blutdrucks um 5 mmHg halbierte sich das Lebenszeit-Risiko.

Zu diesem Ergebnis kommt eine auf Genanalysen basierende Studie, die Prof. Brian Ference aus  Cambridge, Großbritannien, in einer „Hot Line“-Sitzung beim ESC-Kongress in Paris vorgestellt hat. Die Studie ist zeitgleich im „Journal of the American Medical Association“ publiziert worden.

Dass Blutdruck und LDL-C-Konzentration von großer Bedeutung für das kardiovaskuläre Risiko sind, ist zunächst nichts Neues und in zahlreichen Studien gezeigt worden. Doch der Effekt einer Langzeitexposition gegenüber erniedrigten Blutdruck- und LDL-C-Werten auf das kardiovaskuläre Risiko wurde bisher noch nicht quantifiziert. Interventionsstudie zur Cholesterin- oder Blutdrucksenkung erstreckten sich höchstens über ein paar Jahre.

Um diese Wissenslücke zu schließen, analysierte die Studiengruppe um Ference, Cambridge, mehr als  440.000 Patientendatensätze aus der sog. Biobank des Vereinigten Königreichs. Mit der Methode der sogenannten Mendelschen Randomisierung ließ sich auf Basis der Zufallsverteilung von Genvarianten, die in Beziehung zum Blutdruck und zum LDL-Cholesterin in Blut stehen,  das Unmögliche möglich machen: Ähnlich einer randomisierten Langzeitstudie über mehrere Dekaden konnte auf Basis der „natürlichen Randomisierung“ von Genvarianten (Polymorphismen), die in Bezug zum  LDL-Cholesterin und zum Blutdruck stehen, die lebenslange Risikodisposition errechnet werden. Dafür wurden aus 100 genetischen LDL-C- bzw. 61 Blutdruckvarianten genetische Risikoscores konstruiert. Die  analysierten Personen wurden auf Basis der genetischen „Lebenszeitexposition“ gegenüber LDL-Cholesterin und systolischem Blutdruck in vier Gruppen „randomisiert“.

Die kombinierten positiven Effekte der untersuchten Faktoren Blutdruck und LDL-Cholesterin zeigten sich in einer logarithmisch-linearen Assoziation zwischen „dosisabhängiger“  Erniedrigung des lebenslänglichen Risikos für kardiovaskuläre Erkrankungen und den absoluten kombinierten Differenzen der LDL-C- bzw. der Blutdruckwerte. Soll heißen: Je stärker die Werte sinken, desto kleiner wird (logischerweise) auch das Risiko.

Die  Daten bestätigten erneut, dass die meisten kardiovaskulären Ereignisse durch eine Reduktion der LDL-C- und Blutdruckwerte vermeidbar seien, betonte Ference. Da sich der Nutzen über die Zeit summiere, könnten bereits moderate Verbesserungen der Werte im Laufe der Zeit das kardiovaskuläre Risiko substanziell verringern - wenn sie denn dauerhaft aufrechterhalten werden.

Literatur

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