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11.07.2018 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Datenlage ist eindeutig

Multivitamin-Präparate sind nutzlos fürs Herz!

Autor:
Veronika Schlimpert

Viele Deutsche nehmen Multivitamin-Präparate in dem Glauben, ihrem Herzen etwas Gutes zu tun. Doch nach der aktuellen Datenlage nützen solche Produkte rein gar nichts.

Multivitamin- und Mineralstoffpräparate sind kein sinnvoller Bestandteil einer kardiovaskulären Prävention. Hinte diese Aussage lässt sich nun offenbar ein Ausrufezeichen setzen. Denn in einer großen Metaanalyse, in der Daten von mehr als zwei Millionen Patienten eingegangen sind, hat sich erneut gezeigt: Die Einnahme solcher Produkte schützt weder vor Schlaganfällen noch vor Herzinfarkten.

Jeder vierte Deutsche nimmt Nahrungsergänzungsmittel

 „Die Einnahme von Multivitamin- und Mineralstoffpräparaten hat Null Effekte gezeigt“, fassen die Studienautoren ihre Ergebnisse zusammen. Dr. Joonseok Kim und Kollegen hoffen mit ihren neuen Daten die Bevölkerung endgültig von der Nutzlosigkeit solcher Präparate überzeugen  zu können: „Wir haben diese Analyse gemacht – obwohl bereits zahlreiche Studien deutlich gemacht haben, dass die Einnahme von Vitaminpräparaten Null Wirkung zeigt – weil die Kontroverse nicht endet, und die Wissenschafts-Community nicht damit aufhört, Botschaften zu verbreiten, die die Bevölkerung verunsichern.“

Fachgesellschaften raten von der Einnahme ab

Etwa jeder vierte Deutsche nimmt nach den Ergebnissen der „German National Nutrition Survey II (NVS II)“ regelmäßig Vitamin- und Mineralstoffpräparate ein – und dass obwohl Fachgesellschaften davon abraten. 

So heißt es in einer Pressemeldung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung: „Studien haben bisher nicht den Nachweis erbracht, dass die Folgen eines ungünstigen Ernährungsverhaltens durch Einnahme von Vitaminpräparaten oder anderen Nahrungsergänzungsmitteln ausgeglichen werden können. Zudem steht dem fehlenden Nutzen der Einnahme von Vitaminpräparaten das Gesundheitsrisiko durch zu hohe Zufuhrmengen gegenüber, insbesondere dann, wenn hoch dosierte Präparate über eine längere Zeit eingenommen und zusätzlich angereicherte Lebensmittel verzehrt werden.“ Eine Ergänzung mit speziellen Vitaminen oder Spurenelementen empfiehlt die Fachgesellschaft nur für spezielle Bevölkerungsgruppen, etwa für Säuglinge (Vitamin D und Fluorid) oder Schwangere (Folsäure).

Sterberisiko wurde nicht reduziert

In der aktuelle Auswertung sind die Ergebnisse von 18 Studien mit mehr als 2 Millionen Patienten und einem durchschnittlichen Follow-up von 12 Jahren berücksichtig worden.

Dabei zeigte sich keine Assoziation zwischen der Zufuhr von Multivitamin- und Mineralstoffpräparaten und der kardiovaskulären Mortalität, dem Sterberisiko durch koronare Herzerkrankungen und der Schlaganfall-Inzidenz, auch dann nicht, wenn auf Einflussfaktoren wie Rauchen adjustiert wurde oder einzelne Subgruppen wie Patienten mit kardiovaskulären Vorerkrankungen  ausgeschlossen wurden.

Geringfügiger Nutzen in manchen Beobachtungsstudien

Einzig die Inzidenz für kardiovaskuläre Erkrankungen  wurde geringfügig reduziert (relatives Risiko, RR: 0,88). Allerdings hat sich dieser Zusammenhang nur in Beobachtungsstudien gezeigt, in denen keine Adjustierung auf das Essverhalten der Teilnehmer, also wie viel Obst und Gemüse sie zu sich nehmen, erfolgt war. Solche Einflussfaktoren und die gängige statistische Praxis des „Multiplen Testens“ würden die Ergebnisse von Beobachtungsstudien häufig verfälschen, wie Prof. Alyson Haslam und Prof. Vinay Prasad in einem Editorial ausführlich darlegen.  

Für manche Menschen, etwa Ältere, hat sich die regelmäßige Zufuhr von  Nahrungsergänzungsmitteln in einigen Studien sogar als schädlich herausgestellt.

 „Unsere Studie bestätigt somit die aktuellen Empfehlungen professioneller Fachgesellschaften, die der Allgemeinbevölkerung von der regelmäßigen Einnahme von Multivitamin- und Mineralstoffpräparaten zur kardiovaskulären Prävention abraten“, lautet das Resümee der US-amerikanischen Wissenschaftler.

Literatur

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