Nachrichten 11.10.2019

Nach Schlaganfall nicht zu schnell aufs Laufband

Hilft ein körpergestütztes Laufband-Training Patienten in der subakuten Phase nach einem Schlaganfall schneller wieder auf die Beine? Laut einer Studie, die an sieben verschiedenen deutschen Reha-Einrichtungen durchgeführt wurde, ist das nicht der Fall.

Nach einem Schlaganfall müssen die Patienten vieles erst wieder mühsam erlernen. Verschiedene Formen der Bewegungstherapie sind deswegen neben Physiotherapie ein wichtiger Bestandteil der Anschlussheilbehandlung. In der vorliegenden Studie sollte untersucht werden, ob und inwieweit sich eine relativ frühe Bewegungstherapie auf den Heilerfolg auswirkt. Die American Heart Association beispielsweise empfiehlt drei bis fünf Mal die Woche für 20 bis 60 Minuten Aerobic-Übungen bei einer Herzfrequenz von 55 bis 80% des Maximums. In der subakuten Phase nach einem Schlaganfall soll Aerobic die Neuroplastizität fördern.

Gangunterstütztes Laufbandtraining versus Entspannungsübungen

Wissenschaftler der Universität in Greifswald evaluierten den Nutzen von gangunterstütztem Laufbandtraining. An der PHYS-STROKE (Physical Fitness Training in Patients with Subacute Stroke)-Studie nahmen 200 Patienten aus sieben verschiedenen deutschen Reha-Einrichtungen teil, die in den Jahren 2013 bis 2017 einen Schlaganfall erlitten hatten. Die eine Hälfte wurde in die Laufbandgruppe randomisiert, mit der anderen wurden Entspannungsübungen durchgeführt. Alle Studienteilnehmer erhielten über insgesamt vier Wochen fünf Mal die Woche für je 25 Minuten entweder das Laufbandtraining oder die Entspannungsübungen.

Das Durchschnittsalter lag bei 69 Jahren. 41 Prozent waren Frauen. Trainingsbeginn war zwischen Tag 5 und 45 nach dem Anfall. Die Körpergewichtsunterstützung wurde an den einzelnen Patienten angepasst. Bei Bedarf halfen ein oder zwei Therapeuten bei der Beinbewegung. Die Teilnehmer benutzten währenddessen die gleichen Orthesen wie bei der Physiotherapie.

Barthel-Index in beiden Gruppen gleich hoch

Nach drei Monaten wurde die Gehgeschwindigkeit über zehn Meter und die Alltagsfähigkeiten mithilfe des Barthel-Index gemessen. Was den Barthel-Index betrifft ergaben sich keine Unterschiede zwischen den Teilnehmern der beiden Gruppen. Die Teilnehmer der Laufbandgruppe verbesserten zwar ihre Gehgeschwindigkeit geringfügig stärker als die der Entspannungsgruppe, der Unterschied war aber nicht signifikant. Frauen profitierten etwas mehr vom Laufbandtraining als Männer.

Mehr Stürze und mehr wiederholte Schlaganfälle nach Laufbandtraining

In der Laufbandgruppe kam es aber innerhalb von drei Monaten mit 22 Fällen zu deutlich mehr unerwünschten Nebenwirkungen als in denen der Entspannungsgruppe mit lediglich neun Fällen. 14 Patienten der Laufbandgruppe mussten in Akutkrankenhäuser eingewiesen werden, in der Kontrollgruppe waren es nur fünf. Nach dem Training auf dem Laufband kam es deutlich häufiger zu Stürzen. 38 von 105 Patienten der Laufbandgruppe stürzten, in der Entspannungsgruppe fielen lediglich 14 von 95 Patienten. Zudem erlitten mit acht Patienten der Laufbandgruppe ein deutlich höherer Teil einen wiederholten Schlaganfall als mit drei der Entspannungsgruppe.

Ein in der subakuten Phase beginnendes Laufbandtraining scheint Patienten also eher zu schaden als zu nutzen. Die Autoren der Studie raten aufgrund ihrer Ergebnisse, Patienten mit einem mittelschweren oder schweren Schlaganfall nicht zu schnell körperlich trainieren zu lassen. Ob eventuell Patienten mit leichteren Schlaganfällen von dem frühen Training profitieren, müsse erst noch speziell getestet werden, so die Autoren.

Literatur

Nave AH et al. Physical Fitness Training in Patients with Subacute Stroke (PHYS-STROKE): multicentre, randomised controlled, endpoint blinded trial; BMJ 2019;336 10.1136/bmj.l5101

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Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018/© DGK