Nachrichten 23.07.2020

Neue Hinweise auf kardioprotektiven Nutzen von Schokolade

Mindestens einmal pro Woche Schokolade zu essen, scheint laut einer neuen Studie mit einem verringerten Risiko für koronare Herzkrankheit einherzugehen. Jedoch kommt es auf die Menge und die Art der Produkte an.

Eine US-amerikanische Metaanalyse legt nahe, dass Schokolade dazu beiträgt, die Koronargefäße gesund zu halten. Nachdem vorherige Studie Hinweise darauf lieferten, dass sie positive Effekte auf den Blutdruck und auf die Gefäßwände hat, wollten texanische Forscher klären, ob dies auch für die Koronararterien gilt.

Die Wissenschaftler um Dr. Chayakrit Krittanawong vom Baylor College of Medicine in Houston analysierten deshalb sechs große Studien aus den vergangenen fünf Jahrzehnten, in denen der mögliche Zusammenhang zwischen Schokoladenkonsum und koronarer Herzerkrankung untersucht wurde. Diese umfassten Daten von fast 336.300 Teilnehmern aus den USA, Schweden und Australien, die Angaben zu ihrem Schokoladenverzehr gemacht hatten.

Schokoladenkonsum mit 8% niedrigerem Risiko assoziiert

Während der durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von rund neun Jahren entwickelten mehr als 14.000 Personen eine koronare Herzkrankheit, fast 4.700 hatten einen Herzinfarkt, rund 2.700 einen Schlaganfall und es gab etwa 330 Fälle von Herzinsuffizienz. Die Analyse zeigte, dass ein Schokoladenverzehr von mehr als einmal pro Woche verglichen mit einem geringeren oder gar keinem Schokoladenkonsum mit einem um 8% reduzierten Risiko für koronare Herzerkrankung einherging.

Als mögliche Ursache für den potenziell kardioprotektiven Effekt von Schokolade sehen die Forscher die enthaltenen Nährstoffe. „Schokolade enthält herzgesunde Inhaltsstoffe wie Flavonoide, Methylxanthine, Polyphenole und Stearinsäure, die Entzündungen reduzieren und das „gute“ HDL-Cholesterin erhöhen können“, so Krittanawong und Kollegen.

Experten empfehlen mäßige Mengen mit wenig Zucker

Einschränkungen der Studie waren, dass Faktoren wie Art der Schokolade, Gesamtkalorienaufnahme oder Body Mass Index zu Verzerrungen geführt haben könnten. Zwar scheine Schokolade vielversprechend, um Erkrankungen der Koronargefäße vorzubeugen, aber es seien randomisierte Langzeitstudien erforderlich, um herauszufinden, wie viel und welche Schokolade empfohlen werden könne“, schließen die Forscher.

„Mäßiger Schokoladenverzehr scheint einen schützenden Effekt auf das Herz zu haben, aber es ist wahrscheinlich, dass dies bei großen Mengen nicht der Fall ist. Auch der Zucker-, Fett- und Milchanteil der Produkte muss berücksichtigt werden“, raten Krittanawong et al. Für die wahrscheinlich sicherste Variante halten sie, gezuckerte Süßigkeiten durch dunkle Schokolade zu ersetzen und dabei die insgesamt aufgenommenen Kalorien im Blick zu haben, besonders bei Diabetes oder Übergewicht.

Literatur

Krittanawong C, Narasimhan B, Wang Z, et al. Association between chocolate consumption and risk of coronary artery disease: a systematic review and meta-analysis. Eur J Prev Cardiol. 2020. doi:10.1177/2047487320936787.

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