Nachrichten 16.01.2020

Neuer Studien-Flop bestätigt: Nicht jedes „Fischöl” schützt Herz und Gefäße

Fischöl ist nicht gleich Fischöl, wenn es um die kardiovaskuläre Prävention geht: Nach dem überraschenden Erfolg mit einem EPA-Ethylester-Präparat in der REDUCE-IT-Studie enttäuscht ein anderes Fischöl-Derivat in der nun gestoppten Megastudie STRENGTH.

Auf Anraten des unabhängigen Data Monitoring  Committee habe  AstraZeneca den Entschluss gefasst, die Phase-III-Studie STRENGTH vorzeitig zu beenden, informiert das britische Unternehmen in einer Pressemitteilung vom 13. Januar 2020. Als Grund wird die äußerst geringe Wahrscheinlichkeit genannt, dass sich im Fall einer Fortsetzung der Studie das geprüfte Fischöl-Präparat in der kardiovaskulären Prävention  bei Risikopatienten mit gemischter Dyslipidämie doch noch als wirksam erweisen würde.

Damit ist die lange Geschichte der klinischen  Erforschung einer Substitution von aus Fisch gewonnenen  Omega-3-Fettsäuren zur Vorbeugung von Herzinfarkten und Schlaganfällen um eine weitere Enttäuschung  reicher. Als positive Ausnahmen unter allen Misserfolgen sind einzig die sehr erfolgreich verlaufene REDUCE-IT-Studie und die kleinere japanische JELIS-Studie – beide mit ausschließlich Eicosapentaensäure (EPA) enthaltenden Präparaten durchgeführt – zu nennen.

Gemisch aus EPA und DHA zeigt keine Wirkung

In die placebokontrollierte STRENGTH-Studie waren an 675 Zentren in 22 Ländern insgesamt 13.086 kardiovaskuläre Risikopatienten mit gemischter Dyslipidämie, d.h. einer Kombination aus moderater Hypertriglyzeridämie (TG-Werten zwischen 175 – 499 mg/dl) und niedrigen HDL-Cholesterinwerten, aufgenommen worden. Gezeigt werden sollte, dass in diesem Kollektiv eine Prophylaxe mit dem Präparat Epanova (Omega-3-Carbonsäuren) additiv zu Statinen die Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse im Vergleich zu einem Placebopräparat (Maisöl) reduzieren würde.

Ähnlich wie herkömmliche Fischöl-Kapseln enthält auch Epanova ein Gemisch aus EPA und DHA (Docosahexaensäure). AstraZeneca hatte 2013 mit dem US-Unternehmen Omthera auch Epanova als dessen einziges Produkt erworben.  Für den Käufer ist der jetzt verkündete Studienstopp ein herber Rückschlag. Davon nicht tangiert sei allerdings die 2014 von der FDA erteilte US-Zulassung  von Epanova zur Reduktion erhöhter Triglyzeridwerte bei Patienten mit schwerer Hypertriglyzeridämie (≥500 mg/dl), teilt AstraZeneca mit.

Ausnahmestudie REDUCE-IT glänzt mit Erfolg

Als sehr erfolgreich erwies sich bekanntlich die kardiovaskuläre Primär- und Sekundärprävention mit einem spezifischen Fischöl-Derivat in der im November 2018 beim Kongress der  American Heart Association (AHA) in Chicago vorgestellten REDUCE-IT-Studie. Zum Einsatz kam dabei ein verschreibungspflichtiges Präparat (Vascepa), das ausschließlich EPA in Form von hochgereinigtem EPA-Ethylester (Icosapent-Ethyl) ohne DHA-Anteil enthält und in den USA ebenfalls zur Behandlung der schweren Hypertriglyzeridämie zugelassen ist.

Für die Studie waren  8.179 Teilnehmer ausgewählt worden, die  erhöhte Triglyzerid-Werte (150 bis maximal 500 mg/dl) und relativ niedrige LDL-Cholesterinwerte  (40 bis 100 mg/dl) unter Behandlung mit Statinen aufweisen mussten. Bedingung war auch, dass entweder schon eine kardiovaskuläre Erkrankung oder ein Diabetes in Kombination mit mindestens einem weiteren Risikofaktor vorlagen (Sekundärprävention bei rund 70%, Primärprävention  bei rund 30% der Teilnehmer).

Nach knapp fünfjähriger Beobachtungsdauerdauer  war es bei 17,2% der in hoher Dosierung (2 x 2 g EPA/Tag) mit Icosapent-Ethyl und bei 22% der mit Placebo (Mineralölkapseln) Behandelten zu einem primären Endpunkt-Ereignis (kardiovaskulär verursachter Tod, nicht tödlicher Herzinfarkt oder Schlaganfall, Hospitalisierung wegen instabiler Angina oder koronare Revaskularisation) gekommen. Der Unterschied entspricht einer signifikanten relativen Risikoreduktion um 25 Prozent durch die hochdosierte EPA-Supplementierung   (Hazard Ratio, 0,75; 95%-KI: 0,68–0,83; p < 0,001). Die absolute Risikoreduktion betrug  4,8 %, was einer  NNT (Number Needed to Treat) von 21 entspricht.

Zuvor war schon in der japanischen JELIS-Studie bei 18.645 Patienten mit Hypercholesterinämie eine signifikante relative Reduktion von Koronarereignissen um 19 % durch eine Therapie mit EPA (1,8 g/Tag) in Ergänzung zu Statinen dokumentiert worden.

Warum sind die Studienergebnisse so heterogen?

Wie sind die divergenten Studienergebnisse zur kardiovaskulären Prävention mit Fischöl-Präparaten zu erklären. Experten gehen davon aus, dass sowohl die Dosis als auch die Zusammensetzung (Verhältnis von EPA zu DHA]) sowie der Einnahmezeitpunkt (nüchtern oder zu den Mahlzeiten) von Omega-3-Fettsäuren von Bedeutung für die Wirksamkeit sind. REDUCE-IT unterschied sich bezüglich der Aufbereitung (hochgereinigter EPA-Ethylester, kein DHA) wie auch der Dosierung  (4 g reine EPA pro Tag) des Studienpräparats von den vorangegangenen Studien sowie der nachfolgenden STRENGTH-Studie.  Zudem sollte die Einnahme stets zu den Mahlzeiten erfolgen, was die Bioverfügbarkeit verbessert haben könnte.

Die FDA hat bereits Ende 2019 auf Basis der REDUCE-IT-Daten Icosapent-Ethyl auch zur Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen zugelassen. In Europa ist dieses EPA-Präparat noch nicht zugelassen. Die EMA hat aber  Anfang Dezember den Zulassungsantrag entgegengenommen. Der Hersteller geht von einer Entscheidung im Laufe des Jahres 2020 aus. Die 2019 aktualisierte europäische ESC/EAS-Leitlinie für das Management von Dyslipidämien hat die hochdosierte EPA-Behandlung schon in ihre Empfehlungen aufgenommen.

Literatur

Pressemitteilung von AstraZeneca vom 13. Januar 2020: Update on Phase III STRENGTH trial for Epanova in mixed dyslipidaemia

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Bildnachweise
Digitaler ACC-Kongress 2020/© Sergey Nivens / stock.adobe.com
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International Stroke Conference 2020, Los Angeles/© Beboy / Fotolia
Transthorakale Echokardiografie/© Monique Tröbs (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)
CT-Befund (mit Kontrastmittelgabe)/© S. Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (2)
Live-Case AGIK/© DGK 2019
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Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018/© DGK 2018