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26.09.2018 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Zu früh abgeschrieben?

Omega-3-Fettsäure-Supplementierung bringt vielleicht doch etwas

Autor:
Veronika Schlimpert

Vielleicht war es zu voreilig, die Omega-3-Fettsäure-Supplementierung aufgrund zahlreicher enttäuschender Studien als nutzlos zu deklarieren. In der randomisierten REDUCE-IT-Studie hat ein spezielles Präparat bei Hochrisikopatienten eine beträchtliche Wirkung gezeigt, wie der Hersteller nun mitteilt.

Viele Experten haben die Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren schon als nutzlos abgeschrieben. Nach der enttäuschend verlaufenden ASCEND-Studie, in der sich Fischöl-Kapseln als völlig wirkungslos herausgestellt haben, titelte auch kardiologie.org: Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren – es nützt einfach nichts! Vielleicht war diese Abwertung zu voreilig.

Kardiovaskuläres Risiko signifikant gesenkt

Denn am 24. September 2018 verkündete der Hersteller Amarin in einer Mitteilung, dass ein von ihm produziertes spezielles Omega-3-Fettsäure-Präparat (Vascepa) in der REDUCE-IT-Studie eine deutliche Senkung kardiovaskulärer Ereignisse bewirkt hat.

Eine etwa 25%ige relative Risikoreduktion für den kombinierten primären Endpunkt  aus kardiovaskulären Tod, nicht tödlichem Herzinfarkt, nicht tödlichem Schlaganfall, der Notwendigkeit koronarer Revaskularisationen oder unstabiler Angina (MACE) sei gezeigt worden, mit einer hohen statistischen Signifikanz (p< 0,001), heißt es darin. Eine solche Wirksamkeit habe sich auch konsistent für unterschiedlichste sekundäre Endpunkte belegen lassen.

Detaillierte Ergebnisse beim AHA

Die detaillierten Ergebnisse dieser randomisierten, placebokontrollierten Studie werden beim Kongress der US-amerikanischen Kardiologie-Gesellschaft AHA am 10. November in einer Late-Breaking Clinical Trial-Session präsentiert. Kurz zu den Studiendetails: Rekrutiert wurden 8.179 Erwachsene, die mit Statinen behandelt wurden, zahlreiche kardiovaskuläre Risikofaktoren aufwiesen, einschließlich erhöhter Triglyzeride (150–499 mg/dl), und entweder bereits an einer Herzerkrankung oder an Diabetes erkrankt waren. Sie erhielten für im Mittel 4,9 Jahre entweder 4 Gramm Vascepa pro Tag (z. B. 2 × 2 1-Gramm-Kapseln pro Tag) oder Placebo. In REDUCE-IT wurde die Wirkung einer Omega-3-Fettsäure-Supplementierung also in der Sekundärprävention und Primärprävention geprüft.

Das Besondere: Hohe Dosis und EPA in reiner Form

Das Besondere an Vascepa im Vergleich zu anderen auf dem Markt erhältlichen Omega-3-Fettsäure-Präparaten ist nach Angaben des Herstellers, dass es Eicosapentaensäure (EPA) in reiner Form enthält und keine Docosahexaensäure (DHA). „Vor dem Hintergrund der zahlreichen  erfolglos verlaufenden kardiovaskulären Endpunktstudien mit Omega-3-Fettäure-Präparaten, die DHA enthielten, sind die positiven Ergebnisse von REDUCE-IT  alleinstehend und bestätigen damit unsere Hypothese, dass Vascepa 4 Gramm/Tag eine zusätzliche kardiovaskuläre Risikoreduktion bewirken kann on top zu einer LDL-C-senkenden Standardtherapie mit Statinen bei dieser Studienpopulation“, wird der Seniorvizepräsident und „chief medical officer“ von Amarin, Craig Granowitz, zitiert.

Zum Vergleich: In der ASCEND-Studie wurde die Wirkung einer 1-Gramm-Kapsel mit 460 mg EPA und 380 mg DHA gegen eine 1-Gramm-Olivenölkapsel (Placebo) an gut 15.000 Probanden in der Primärprävention getestet.

Aktuell ist Vascepa von der FDA zugelassen als Diätzusatz zur Senkung erhöhter Triglyzerid-Werte bei Patienten mit schwerer Hypertriglyeridämie (≥ 500 mg/dl). Der Hersteller weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei diesen Kapseln nicht um Fischöl handele. Der enthaltene Wirkstoff werde aber durch ein von der FDA geprüftes komplexes Verfahren aus Fisch isoliert.

Literatur

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