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28.06.2019 | Prävention & Rehabilitation | Nachrichten

Kardiovaskuläres Risiko bestimmen

Onlinerechner: Wie lange bleibe ich gesund?

Autor:
Joana Schmidt

Es gibt viele Möglichkeiten, das persönliche kardiovaskuläre Risiko online zu berechnen. Jetzt haben Forscher ein neues Tool entwickelt, um den passenden Rechner zu finden. Basierend auf Big-Data-Forschungsmodellen kann es Ärzten helfen, Patienten individueller zu betreuen und zur Therapietreue zu motivieren.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor die häufigste Todesursache in Deutschland, mehr als ein Drittel aller Todesfälle sind nach den aktuellsten Angaben des statistischen Bundesamts darauf zurückzuführen. Umso interessanter, das persönliche kardiovaskuläre Risiko bestimmen zu können. Wie entsprechende Onlinerechner Ärzte und Patienten unterstützen können war Thema in einer aktuellen Veröffentlichung im European Journal of Preventive Cardiology.

„Diese Programme berechnen das Risiko eines Patienten für Herzinfarkt oder Schlaganfall und ermitteln mit welchen Lebensstiländerungen und Medikamenten es sich am effektivsten verringern lässt“, erklärte Studienautor Dr. Xavier Rossello vom Centro Nacional de Investigaciones Cardiovasculares (CNIC) in Madrid in einer Pressemitteilung der European Society of Cardiology (ESC).

Kostenloses Tool bietet zielgruppenbasierte Prognose

Die Plattform www.u-prevent.com ist kostenlos und vereint mehrere Risikorechner. Folgende Zielgruppen und jeweils das entsprechende Tool dazu stehen zur Auswahl: Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Menschen mit Typ-2-Diabetes, Personen unter 70 Jahren mit keiner dieser Erkrankungen und Senioren über 70 mit oder ohne kardiovaskuläre Erkrankungen oder Diabetes. Es kann das kardiovaskuläre Risiko für 5 und 10 Jahre berechnet werden, zudem der Effekt der lebenslangen Behandlung mit Medikamenten auf die Lebensjahre ohne kardiovaskuläre Erkrankungen.

Die Website wurde von der Vascular Medicine Research Group des University Medical Center Utrecht in den Niederlanden in Zusammenarbeit mit verschiedenen internationalen Forschungsgruppen entwickelt und basiert auf Daten aus großen Kohorten und klinischen Studien.

„Die Patienten sollten sich der Wahrscheinlichkeit bewusst sein, kardiovaskuläre Erkrankungen zu bekommen, und diese Instrumente sind eine Möglichkeit, das herauszufinden", so Rossello. Der zweite Schritt seien Gegenmaßnahmen, um das Risiko so klein wie möglich zu halten. Diese ließen sich auf Grundlage von Risikofaktoren, Persönlichkeit, Familien- und Arbeitsumfeld individualisieren. Die Umsetzung funktioniere am besten, wenn Arzt und Patient die Maßnahmen gemeinsam festlegen.

Onlinerechner können Therapietreue verbessern

Patienten, die keine Symptome haben, sind oft wenig motiviert Medikamente zu nehmen oder ihren Lebensstil anzupassen, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen. Dann kann es ein guter Anreiz sein, den persönlichen, prognostizierten Nutzen vorbeugender Medikamente zu erfahren. Risikorechner machen die Auswirkungen des Patientenverhaltens auf deren kardiovaskuläre Prognose greifbarer und können so zu mehr Therapietreue motivieren.

Auch die Europäischen Leitlinien zur Herz-Kreislauf-Prävention empfehlen die Verwendung von Prognosetools. Nach Ansicht der Autoren werden sie jedoch noch zu wenig genutzt. Sie argumentieren, dass mit zunehmendem Alter der Bevölkerung und zunehmenden Fällen von Fettleibigkeit und Diabetes eine zusätzliche Risikobewertung und eine personalisierte Prävention von kardiovaskulären Erkrankungen dringend notwendig seien.

„Risikotools bewerten die Prognose objektiv und unvoreingenommen“, so Rossello. „Das sollte eine Über- oder Unterbehandlung vermeiden und zu den besten Ergebnissen und dem optimalen Einsatz von Ressourcen führen. Herkömmliche Methoden stützen sich auf persönliches Urteilsvermögen und individuelle Erfahrung und können deshalb ungenau sein.“ Neue Techniken, deren Algorithmen auf maschinellem Lernen basieren, könnten Ärzte und Patienten dabei unterstützen, früher geeignete Präventionsmaßnahmen zu ergreifen.

Literatur

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